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Ardi Goldman und sein Maserati 3500 GTI.
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Ardi Goldman und sein Maserati 3500 GTI.

Portrait

Ardi Goldman: Frankfurts Mr. „Hollywood“ plant neuen Club - trotz Corona

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
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Hinter Ardi Goldman liegt eine schwere Zeit. Nun will der Frankfurter Immobilienentwickler mit einem Club durchstarten. Doch Corona bremst ihn.

Frankfurt - Eine Geschichte über Ardi Goldman lässt sich eigentlich schnell schreiben. Sie handelt von Aufstieg, Fall und Rückkehr eines Projektentwicklers.

Ein Geschäftsmann erobert Frankfurt, zumindest den Osten der Stadt. Er entwickelt die Hanauer Landstraße neu. Unter seiner Ägide wird aus der Einfallstraße mit dem zweifelhaften Charme von längst nicht mehr blühenden Industrielandschaften eine Meile, die man heute „hip“ nennt und vor zwei Jahrzehnten noch als „cool“ bezeichnet hätte. Clubs eröffnen, Läden mit Weltruf. Das Frankfurter Nachtleben verlagert sich auf die Hanauer, und Ardi Goldman, der Mann mit dem Hut und den teuren Anzügen, ist der König der Szene. Alles läuft rund, doch dann vergaloppiert sich der Geschäftsmann. Polizei und Staatsanwaltschaft schalten sich ein, es kommt zum Prozess, das Gericht verurteilt ihn. Der Knast ist furchtbar für den Mann, der die Freiheit mehr liebt als die meisten anderen Menschen, doch er übersteht die Zeit und ist nun zurück. Mit einem Club, womit auch sonst.

Das Problem an dieser Geschichte: Nichts davon ist falsch, aber sie würde Ardi Goldman ganz und gar nicht gerecht. Deshalb hier die Langfassung.

Frankfurter Immobilienentwickler Ardi Goldman: Kein „reicher Fatzke“

Ein Hof hinter einem Bürogebäude in Fechenheim. Fototermin mit FR-Fotograf Peter Jülich. Goldman posiert vor einem Maserati, seinem liebsten Oldtimer. Die FR-Reporter fragen, wie viele solche Wagen er eigentlich besitze. Goldman weiß es gar nicht. Zwölf oder dreizehn, sagt er. Einige Tage nach dem Termin macht sich Goldman Sorgen. Er wolle nicht wirken wie ein „reicher Fatzke“, sagt er. Dabei macht der 58-Jährige, der teils in Israel aufwuchs und als Kind ohne Deutschkenntnisse nach Frankfurt kam, gar keinen Hehl daraus, dass er sehr viel Geld hat. Er möchte nur nicht arrogant oder protzig wirken. Beides ist er nicht.

Außenwirkung ist wichtig in seinem Geschäft. Dass er die Hanauer Landstraße entwickeln konnte, dass im Frankfurter Osten Clubs wie das King Ka, das Cocoon oder die Sansibar entstanden sind, hat viel damit zu tun, dass die Menschen gerne mit Ardi Goldman zusammenarbeiten. Er habe sich weiterentwickelt, sei längst nicht mehr nur ein Realist, sondern ein „Philosoph der Hoffnung“ und ein „Kind der Landstraße“, sagt er.

Ein Platz zum Träumen im Frankfurter Ostend: Ardi Goldmans neuer Club

Wer zweieinhalb Stunden mit Ardi Goldman verbringt, in denen er zwölf Zigaretten jeweils zur Hälfte raucht, kann sich erklären lassen, was er genau damit meint. Wer die Zeit nicht hat, erkennt zumindest, dass die Zuschreibungen sympathisch klingen und positiv besetzt sind. Ardi Goldman ist kein kühler Geschäftsmann, er will mehr sein, er will Träume verwirklichen. Seine eigenen und die der Menschen, die zu ihm kommen.

Der wichtigste Platz zum Träumen soll das „Fortuna Irgendwo“ sein, sein neuer Club an der Hanauer Landstraße. Wobei die Bezeichnung Club schon zu kurz greife, wirft Goldmann ein. Eröffnen werde eine „Heilanstalt für Gemüts- und Nervenkranke“. So steht es auch an der Tür des Gebäudes unweit des Osthafens.

Ardi Goldmans neuer Club „Fortuna Irgendwo“: Wegen Corona vorübergehend geschlossen

Eigentlich sollte dort längst getanzt und geträumt werden. Im Frühling wollte Goldman eröffnen, doch dann kam das Coronavirus. Das „Fortuna Irgendwo“ bleibt auf nicht absehbare Zeit geschlossen. Anders als viele andere Clubbetreiber muss Goldman deswegen nicht um seine berufliche Existenz fürchten. Doch die Situation macht ihm zu schaffen. Das „Fortuna Irgendwo“ ist sein jüngstes Projekt, und es ist sein erstes großes Projekt nach der schweren Zeit, von der noch die Rede sein wird. Die Eröffnung eines solchen Hauses verschiebt man nicht gerne.

So bleibt vieles von dem, was den Club ausmachen soll, vage. Genauer gesagt: Es braucht eine gewisse Vorstellungskraft, wenn man sich ausmalen will, wie hoffentlich im kommenden Jahr im „Fortuna Irgendwo“ gefeiert wird. Aber etwas Fantasie wünscht sich Goldman ohnehin von seiner Umgebung. „Ich nehme die Menschen mit auf eine analoge Reise“, sagt er. Oft hänge das Publikum in Clubs ständig am Handy und verschicke Bilder auf Facebook und Instagram. „Ich glaube nicht, dass sie bei mir das Bedürfnis haben werden“, sagt Goldman über seine künftigen Gäste. „Die Menschen werden diesen Club mit ihren eigenen Sinnen erfahren“, verspricht er.

Frankfurter Immobilienentwickler beteuert seine Unschuld: „Ich wurde zu Unrecht verurteilt“

Was das konkret heißt? Es wird internationale Musik geben, ganz verschiedene Richtungen, Lieder auf Englisch, Hebräisch oder Italienisch. Vielleicht wird es „Kleinkunst“ geben – Goldman hasst das Wort, weil er es abwertend findet – vielleicht mit Zauberern, Jongleuren. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Jedenfalls setzt Goldman auf ein „kultiviertes Publikum“, und damit meint er nicht die Klamotten der Gäste, die in anderen Läden von den Türstehern kritisch beäugt werden. „Die Menschen, die zu mir kommen, können an den Weihnachtsmann glauben oder an den Osterhasen, sie können frei sein wie Peter Pan, sie können verrückt sein wie der Hutmacher aus Alice im Wunderland“, so Goldman.

Dass nicht alle Menschen verstehen, was er sagt, ist Ardi Goldman klar. Christopher Erhard verstand ihn überhaupt nicht, sagt der Investor noch heute. Erhard, Richter am Frankfurter Landgericht, leitete vor fünf Jahren den Prozess um Schmiergeldzahlungen in der Cargo City Süd. Auf der Anklagebank saß unter anderem Ardi Goldman. Die meisten Investoren, die neben ihm saßen, legten Geständnisse ab und kamen mit Bewährungsstrafen davon. Goldman sagt bis heute, er habe „nichts Kriminelles getan – ich wurde zu Unrecht verurteilt“. Das Gericht um Erhard, dem Goldman bei der Urteilsbegründung auch noch die Meinung geigte, verurteilte ihn wegen Bestechung zu zwei Jahren und acht Monaten Haft. In einem Interview sagte er kurz vor Haftantritt: „Ich möchte auf keinen Fall die Judenkeule schwingen, aber klar ist: Als Nichtjude wäre ich nicht so hart bestraft worden.“ Für das Gericht sei er als „reicher Jude“ das Feindbild gewesen. Das sind harte Worte und schwere Vorwürfe. Aber so empfindet Ardi Goldman, dessen Vater das Warschauer Ghetto überlebte, das Urteil bis heute.

Ardi Goldman über seine Zeit im Gefängnis: „Das war knallhart“

Knapp zwei Monate musste Goldman im geschlossenen Vollzug verbringen. „Geht ja noch“, murmelt der FR-Reporter im Gespräch lakonisch. Goldman sieht ihn entgeistert an. Zwei Monate in Haft ohne Ausgang, das sei knallhart. „Ich wurde von einem Albaner begrüßt, mit dem ich die Zelle teilte, der sagte: ,Ich kenne keine Juden, aber ich hasse Juden‘.“ Immer wieder wollten die Mithäftlinge Geld von ihm, dass Ardi Goldman reich ist, hatte sich schnell rumgesprochen. Doch der Mann, den die Wärter wegen seines besonderen Kleidungsstils, an dem er auch im Gefängnis festhielt, „Hollywood“ nannten, zahlte nicht. Die anderen Insassen arrangierten sich mit ihm.

Lange Zeit war unklar, ob Goldman nach der Haft nach Frankfurt zurückkehrt. Aber wo sollte er hin? Goldman hatte sich in Frankfurt sein Reich aufgebaut, nur hier konnte er daran weiterbauen.

Dazu gehört auch, dass er sich kritisch mit der Stadtpolitik auseinandersetzt. Dem Frankfurter Oberbürgermeister bescheinigt er, keine Visionen zu haben. Und sein misslungener Smalltalk mit der ZDF-Moderatorin Marietta Slomka vor einem Interview im „Heute Journal“, der ohne Feldmanns Wissen aufgezeichnet und später veröffentlicht wurde, führe dazu, „dass kein großer Sender mehr in Frankfurt anrufen wird“.

Enwticklung des Frankfurter Bahnhofsviertels: Ardi Goldman spricht von „inakzeptablen Zuständen“

Große Sorgen macht sich Goldman ums Bahnhofsviertel, wo er einst sein Hotel „25 Hours“ eröffnete. Völlig heruntergekommen sei der Stadtteil. Dass die Drogenabhängigen vor den Hilfseinrichtungen lagern, ist für ihn inakzeptabel. Und dann musste er sich von Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) auch noch anhören, er sei „Teil des Problems“, weil er Gentrifizierung betreibe. „Ich bin Teil der Lösung“, entgegnet Goldman. Die Drogenabhängigen hätten ihren Platz im Viertel, aber der Stadtteil brauche Veränderungen und deshalb Investitionen. Majers Äußerung, im Bahnhofsviertel dürfe „kein zweites Nordend“ entstehen, sei jedenfalls daneben.

Das Gespräch mit Goldman endet. In den Tagen bis zur Veröffentlichung des Textes schickt er dem FR-Reporter noch viele Nachrichten, um klarzumachen, was er wie gemeint hat. Ardi Goldman möchte nicht mehr missverstanden werden wie damals vor Gericht oder wie unlängst von Stefan Majer. Und vor allem möchte er endlich das „Fortuna Irgendwo“ eröffnen, das so viel mehr als ein Club sein soll. (Georg Lepppert)

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