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Die entschärfte 500 Kilogramm schwere Bombe hängt an der Baggerschaufel.
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Die entschärfte 500 Kilogramm schwere Bombe hängt an der Baggerschaufel.

Bombe in Frankfurt-Niederrad

Anspruchsvolle, aber schnelle Entschärfung

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Die Entschärfung des Zünders der Weltkriegsbombe in Niederrad verzögert sich nur wegen Personen in der Schutzzone. 4500 Personen mussten von 8 bis 14 Uhr evakuiert werden.

Alexander Majunke blickte an sich nach unten und antworte dann auf die Frage, was er als Erstes zu Hause machen werde: „Meine Schuhe ausziehen.“ Dann lachte der Feuerwerker des Kampfmittelräumdiensts, ansässig beim Regierungspräsidium (RP) Darmstadt. Der 42-Jährige hat am Sonntag zusammen mit einem Kollegen die 500 Kilogramm schwere US-amerikanische Weltkriegsbombe in Frankfurt-Niederrad gegen 14 Uhr am Sonntag erfolgreich entschärft. „Es hat alles wunderbar geklappt. Die Zünder sind entschärft und mussten nicht rausgeschnitten werden“, sagte der Dezernatsleiter für öffentliche Sicherheit und Ordnung beim Regierungspräsidium Darmstadt, Thomas Rech.

Der Blindgänger war am Dienstag bei Bauarbeiten in drei Meter Tiefe in der Saonestraße entdeckt worden. 4500 Menschen mussten deshalb im Stadtteil am Sonntag ihre Wohnungen verlassen. Es war bereits die dritte Bombenentschärfung in Zeiten der Coronavirus-Pandemie in Frankfurt. 110 Menschen kamen in der von der Johanniter-Unfall-Hilfe eingerichteten Betreuungsstelle in der Carl-von-Weinberg-Schule in Goldstein unter. Der Rest vertrieb sich die Zeit im Grünen, besuchte Verwandte oder Freundinnen und Freunde.

„Die Entschärfung war anspruchsvoll, da die Bombe ein größeres Kaliber gewesen ist“, erklärte Majunke. Zudem habe es neben einer Kopf-, auch eine Heckbezündung gegeben, die hinter einem Kragen steckte. „Das hätte zu Komplikationen führen können.“ Tat es aber nicht, so dass auch die Wasserstrahlschneidanlage nicht eingesetzt werden musste. Verkompliziert wurde die Entfernung der Zündmechanik, die um 12 Uhr begann, wegen vier Unterbrechungen, weil sich Personen in den Sperrzonen aufhielten. Es waren aber zu keinem Zeitpunkt Arbeiten, so Majunke, wo es in dem Moment kein Zurück mehr gegeben hätte, sondern die Unterbrechungen lediglich Zeit gekostet haben.

450 Einsatzkräfte vor Ort

„Das ist für alle komplett unnötig“, sagte Polizeisprecher Andrew McCormack. „Erstens verzögert es die Entschärfung, zweitens müssen alle länger warten und drittens ist es gefährlich.“ 25 Personen seien draußen von der Polizei kontrolliert worden. 14 erhielten einen Platzverweis. Gegen acht Personen wird eine Anzeige rausgehen, weil „sie sich vorsätzlich der Allgemeinverfügung der Stadt widersetzt haben“, erklärte McCormack.

Alles in allem sei der Einsatz entspannt verlaufen, was trotz des großen Radius an der relativ geringen betroffenen Personenzahl lag. 4500 Menschen mussten im Evakuierungsbereich spätestens um 8 Uhr ihre Wohnungen verlassen haben. Ab 11 Uhr galt für die Bewohner:innen der gelben Sperrzone, Fenster, Türen, Balkone und Terrassen geschlossen zu halten und sich auch nicht in deren Nähe aufzuhalten.

Durch die Bombenentschärfung kam es bis in die Abendstunden zu Ausfällen und Verspätungen im öffentlichen Nahverkehr sowie im Fernverkehr. Von 11 bis 15 Uhr war der Bahnhof Niederrad gesperrt. Betroffen waren die S-Bahn-Linien S7, S8 und S9, die Regional-Express-Linien RE2, RE3 und RE70, die Straßenbahnlinie 15 sowie die Buslinien 51, 78 und 84.

„Unterm Strich haben sich die allermeisten die Bürgerinnen und Bürger an Anordnungen gehalten“, bilanzierte Anne Walkembach, Pressesprecherin der Feuerwehr Frankfurt. Es habe schon komplizierte Evakuierungen mit Pflegeheimen, Krankenhäusern und mehr Menschen gegeben. Insgesamt waren 450 Kräfte von Gesundheitsamt, Feuerwehr, Stadt-, Landes- und Bundespolizei, die Hilfsorganisationen und der Kampfmittelräumdienst im Einsatz. Die Feuerwehr musste 50 Transportfahren für Personen machen, die sich nicht alleine fortbewegen konnten.

Die knapp 1,60 Meter lange Bombe mit einem Durchmesser von 38 Zentimetern wurde mit einem Lastwagen nach Romrod in den Vogelsbergkreis transportiert. „Dort ist unser Zwischenlager“, sagte Thomas Rech. Wenn sich wieder einmal genügend angesammelt haben, werden sie anschließend „fachmännisch entsorgt“. Die gefundene Bombe in Niederrad war bereits die dritte in diesem Jahr in Hessen.

Die Polizei sperrte das Gebiet um die Bombe großräumig ab.

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