Menschenleer und verlassen zeigt sich die Klappergasse im Frankfurter Kneipenviertel Alt-Sachsenhausen. In ganz Deutschland hat ein vierwöchiger Teil-Lockdown begonnen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen.
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Menschenleer und verlassen zeigt sich die Klappergasse im Frankfurter Kneipenviertel Alt-Sachsenhausen. In ganz Deutschland hat ein vierwöchiger Teil-Lockdown begonnen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen.

Gastronomie

Angst vor früherer Sperrstunden in Alt-Sachsenhausen

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Gastronome in Alt-Sachsenhausen sehen sich als Sündenböcke. Sprecherin des Ordnungsdezernats gibt Entwarnung.

Thomas Winterscheid hat seit März keine Einnahmen mehr aus seinem Tanzclub Ponyhof in der Klappergasse. Doch jetzt sagt Winterscheid: „Die Pandemie ist gar nicht mehr das Riesenproblem.“ Denn die Stadt Frankfurt erwägt offenbar, die Sperrstunde in Sachsenhausen von 5 Uhr auf 3 Uhr oder noch früher vorzuverlegen. Hintergrund soll ein Wunsch der Polizei sein. Die Polizei bestätigte am Montag auf FR-Anfrage einen entsprechenden Vorschlag, da „die Stimmung im Vergnügungsviertel in den frühen Morgenstunden, auch begünstigt durch Alkoholkonsum, kippt und die Gefahr, dass es vermehrt zu körperlichen Auseinandersetzungen kommt, steigt“, heißt es.

Für Winterscheid und seinen Ponyhof wäre das eine einschneidende Maßnahme. Das Tanzlokal öffnet um 23 Uhr, bis 1 Uhr füllt sich der Laden zunächst. Eine Vorverlegung der Sperrstunde „trifft genau in meine Hauptgeschäftszeit“. Andere Wirte in Alt-Sachsenhausen wären nicht ganz so hart betroffen, doch einen entsprechenden offenen Brief, der sich gegen eine Vorverlegung der Sperrstunde richtet, haben gleich 36 Gastronomiebetriebe in Alt-Sachsenhausen unterschrieben. Sie fordern, die Sperrstunde lieber ganz aufzuheben. Denn zu Tumulten komme es immer dann, wenn größere Personengruppen auf den Straßen aufeinander treffen. Und das sei dann der Fall, wenn zur Sperrstunde um 5 Uhr viele Personen gleichzeitig die Bars und Kneipen verlassen müssten.

Alt-Sachsenhausen

In Alt-Sachsenhausen gibt es derzeit rund 80 Gastronomiebetriebe. Zu Hochzeiten des Viertels im vergangenen Jahrhundert waren es über 90. Auch der Mix der Betriebe hat sich ein Stück weit verschoben, Shisha-Bars gab es in dem Viertel früher keine.

400 bis 450 Personen arbeiten als Festangestellte in Alt-Sachsenhausen, der Jahresumsatz der Betriebe lag 2019 bei geschätzten 20 bis 22 Millionen Euro.

In der Tat entzündet sich die jüngste Diskussion an einem Vorfall am Morgen des 20. September. Als ein Wirt um kurz vor fünf Uhr die Gäste bittet zu gehen, kommt es zu Tumulten. Als die Polizei helfen will, sollen sich laut Polizeibericht rund 50 Personen solidarisiert und mit Gläsern, Glasflaschen und Steinen auf die Beamten geworfen haben.

Wirt Oliver Thiess von der Klapper 33 weist darauf hin, dass die Gastronomen schon vor Jahren den Vorschlag eines Flaschenverbots auf den Straßen von Alt-Sachsenhausen gemacht hätten. Denn das überwiegend jüngere Klientel decke sich an Kiosken mit Alkohol ein und laufe dann damit durch das Vergnügungsviertel.

Die Wirte in Alt-Sachsenhausen fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt, wie auch Gastronom Jürgen Vieth bestätigt: „Als der Opernplatz zeitweise geschlossen wurde, hatten wir massiv mehr Leute, das war aber nicht unsere Klientel.“ Die Politik schiebe die Probleme weiter, anstatt sie zu lösen, so Vieth, der gleich sechs Gastronomiebetriebe im Viertel hat. Den Wirten südlich des Mains nun auch noch eine frühere Sperrstunde einzubrocken, wo es für die Clubs in der Innenstadt gar keine gebe, sei einfach ungerecht.

Laut Andrea Brandl, Sprecherin von Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU), sind die Sorgen der Wirte aber wohl unbegründet. Die Überlegungen für eine vorgezogene Sperrstunde gebe es lediglich im Rahmen der Pandemie, so Brandl auf FR-Anfrage.

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