Prozess

Frankfurt: Angeklagter verpasst nach Drogenfahrt seinen Gerichtstermin

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
    schließen

Herr B., von kolumbianischer Grippe geplagt, schwänzt seinen Gerichtstermin am Amtsgericht Frankfurt. Im vergangenen Jahr war er mit Kokain am Steuer erwischt worden.

Herr B. erscheint nicht zu seinem Amtsgerichtstermin. Sein Verteidiger auch nicht. Der Verteidiger hatte wenigstens am frühen Morgen die Amtsrichterin angerufen und dargelegt, er sei leider verhindert, sein Sohn habe Schnupfen, ob man den Termin nicht verlegen könne. Und als die Amtsrichterin „Och, nö“ geantwortet hatte, sagte der Anwalt, er faxe gleich mal einen Befangenheitsantrag rüber und melde sich noch mal, hat dann aber beides unterlassen. Vielleicht ist der Schnupfen schlimmer geworden. Vielleicht hatte der Anwalt aber auch Besseres zu tun.

Herr B. hat eigentlich auch Besseres zu tun, er ist CEO eines großen Immobilienunternehmens. Er hat aber auch oft Schnupfen: Immer wieder erwischt Herrn B. die kolumbianische Grippe. Im November 2019 befuhr er mit seinem AMG-Mercedes die Kennedyallee, aber nicht sehr gut. Er hatte zwar nur 0,28 Promille Alkohol im Blut, aber dafür jede Menge Kokain. 2,2 Gramm Koks fanden die kontrollierenden Polizisten dann noch in seiner Anzugstasche.

Eigentlich hatte Herr B. um den Gerichtstermin gebeten. Das Amtsgericht hatte ihm einen Strafbefehl über 70 Tagessätze à 100 Euro und eine Führerscheinsperre von sieben Monaten zugestellt. Herr B. hatte Einspruch eingelegt. Nicht des Geldes, sondern des Lappens wegen.

Nun deutet eine Tagessatzhöhe von mageren 100 Euro darauf hin, dass die Immobiliengeschäfte derzeit nicht so toll laufen könnten. Unwahrscheinlich: Das Faktenmagazin Focus hat Herrn B.s Unternehmen kürzlich zu den „Top-Arbeitgebern des Mittelstandes 2020“ erklärt. Wahrscheinlicher ist wohl die Macht der Gewohnheit. Der 40-jährige Herr B. fährt seit seiner Jugend gerne verschnupft Auto, der erste Strafbefehl gegen ihn stammt noch aus D-Mark-Zeiten, und die damalige Tagessatzhöhe entsprach in etwa den jetzigen 100 Euro. Wohl der Einfachheit halber ist man dann dabei geblieben.

Herr B. hat schon etliche Strafbefehle erhalten: entweder wegen Drogenkaufs oder wegen Fahrens unter Drogeneinfluss oder wegen Fahrens ohne Führerschein. Dauerhaft abgeben musste er den Führerschein nie. Vielleicht denkt das Gericht, wenn einer schon CEO sei, müsse man ihn nicht auch noch mit MPU belästigen. Vielleicht hat das Gericht aber auch Besseres zu tun.

Angesichts des Fernbleibens des Einsprucherhebers bestätigt das Amtsgericht Strafbefehl und Führerscheinsperre. Zwei Monate ist der Führerschein bereits weg, in fünf Monaten also bekommt Herr B. ihn retour. Dass er ihn zurückbekommt, ist so sicher wie das Amen in der Kirche, denn bei Herrn B. schein sich die Fahrerlaubnis ebenso hartnäckig eingenistet zu haben wie der Schnupfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare