1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Anderen zu Selbstbewusstsein verhelfen

Erstellt:

Von: Steven Micksch

Kommentare

Zoë Cross coacht andere Menschen mit Behinderung.
Zoë Cross coacht andere Menschen mit Behinderung. © privat

Zoë Cross coacht Menschen mit und ohne Behinderung, damit sie sich nicht mehr verstecken. Ihr Selbstbewusstsein trotz eigener Beeinträchtigung inspiriert.

Von ihrer eigenen Diskriminierungserfahrung spricht Zoë Cross ganz offen, ohne sie als solches zu geißeln. Die 50-Jährige hat eine angeborene Gesichtslähmung (Möbius-Syndrom) und erlebte bei einem früheren Arbeitgeber, dass sie – trotz perfekter fachlicher Qualifizierung – nicht in den Kundenkontakt durfte. Am Ende entschied man sich für eine Kollegin, die zwar nicht so qualifiziert war, aber keine Behinderung hatte. Situationen wie diese erleben Menschen mit Behinderung häufig. Cross, die in Frankfurt wohnt, möchte anderen als Business Coach helfen.

Mit ihrem Coaching spricht sie vorrangig Frauen mit oder ohne eine Behinderung an. Sie thematisiert Mobbing und möchte zeigen, wie man im Job Erfolg haben kann. „Wir sind so viel mehr als nur unsere Behinderung“, sagt die gebürtige Münchnerin, die einen Großteil ihrer Kindheit in Großbritannien verbrachte. Mit neun Jahren kam sie mit ihrer Familie zurück nach Deutschland, ins Rhein-Main-Gebiet.

Sie besuchte ein Gymnasium in Wiesbaden, studierte in England, arbeitete für japanische Unternehmen und begann 2016 nebenberuflich mit dem Coaching. Mit ihren eigenen Erfahrungen, aber auch ihrem spürbaren Selbstbewusstsein versucht sie, anderen zu mehr Selbstvertrauen zu verhelfen. Sie stärke das Mindset, die Denkweise der Menschen, wie sie selbst sagt. Und es falle nicht nur Frauen mit einer Behinderung schwer, sich vor eine Kamera zu stellen, eine Präsentation zu halten oder auch nur in einem Meeting etwas zu sagen.

„Ich weiß, was es heißt, abgelehnt zu werden“, sagt Cross. Vielleicht ist sie deswegen anderen eine Inspiration. Die 50-Jährige sagt, sie habe als Jugendliche Situationen erlebt, in denen sie angespuckt, beleidigt und zu Boden geworfen wurde. Aber sie erlebte auch Positives. Ein Ereignis blieb ihr besonders in Erinnerung. Als Schulkind hatte sie mit anderen Kindern einen Tanz eingeübt. „Beim Auftritt habe ich mich hinter der Bühne versteckt. Ich dachte, dass die anderen perfekt und ,normal‘ aussahen und ich nicht.“ Nach dem Auftritt bemerkte sie die Verwunderung vieler aus dem Publikum, dass sie nicht zu sehen gewesen war. „Die Menschen waren traurig, dass ich nicht auf der Bühne stand.“

Hilfen und Anlaufstellen

Die Lebenshilfe Frankfurt bietet Plätze in Kindereinrichtungen, Wohnmöglichkeiten und ambulante Angebote. Kontakt über die Geschäftsstelle Gut Hausen, Friedrich-Wilhelm-von-Steuben-Straße 2, Tel. 069/174 892 500, E-Mail:

info@lebenshilfe-ffm.de und online unter www.lebenshilfe-ffm.de

Die EUTB (Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung) berät Menschen mit Behinderungen oder Angehörige kostenlos und in allen Fragen der Teilhabe und Rehabilitation. Kontakt über den Frankfurter Verein, Mainzer Landstraße 233, Tel.: 069/73 94 367 28,

E-Mail: info@eutb-frankfurt.de und online unter www.eutb-frankfurt.de

Der Internationale Bund (IB) hat ein Betreuungs- und Beratungszentrum in Frankfurt. Die dortigen Pädagog:innen helfen bei Behördengängen, in Krisensituationen und bei allen Fragen rund um die Teilhabe. Kontakt zum Zentrum in der Hanauer Landstr. 146 per Tel.: 069/90 43 98 40 oder E-Mail: bub-zentrum-frankfurt@ib.de

Der Club Behinderter und ihrer Freunde (Cebeef) bietet Assistenzen, Pflege, Eingliederungshilfen, einen Fahrdienst und mehr an. Kontakt zur Zentrale in Frankfurt, Königsberger Str. 2, per Tel. 069/97 05 22 0, E-Mail: empfang@cebeef.de und unter www.cebeef.de im Internet. mic

Das habe etwas in ihr ausgelöst. Später in Deutschland verbrachte sie ihre Jugend auf der Bühne, war mutig und selbstbewusst. Jene Eigenschaften, die sie auch ihren Kund:innen beibringen möchte, damit diese ihr Leben in Freiheit und Würde bestreiten können. „Es ist nie zu spät zu schauen, was man wirklich aus seinem Leben machen will“, sagt sie. Und man solle sich nicht von außen sagen lassen, was man tun und nicht tun kann.

Die Frankfurterin zieht selbst Kraft aus den Rückmeldungen der Teilnehmer:innen ihres Coachings. „Das motiviert mich, weiterzumachen.“ So berichten ihr die Menschen, dass sie sich die Haare kürzer geschnitten haben, um sich nicht mehr dahinter zu verstecken, oder dass ihre persönliche Geschichte über ihren ersten Kuss mit 41 Jahren eine Frau ermutigt hatte, sich einen Partner zu suchen.

Cross will helfen, Menschen mit Behinderungen sichtbarer zu machen. „Es ist normal, dass ein Mensch mit Behinderung die Nachrichten liest, Model wird oder auf der Bühne steht.“ Sicherlich könne die Politik mehr tun, um diesen Menschen das Leben zu erleichtern. Aber Menschen mit Behinderung müssten auch selbst etwas dafür tun. Cross will dabei helfen. Weil sie eben mehr sind als nur ihre Behinderung.

Auch interessant

Kommentare