EhrenamtsmesseFR-13_121020
+
Einige Stände mussten abgebaut werden, um den Corona-Bestimmungen Rechnung zu tragen.

Rundgang

Anderen helfen statt Fernsehen gucken

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
    schließen

Zum 14. Mal findet die Ehrenamtsmesse im Römer statt. Diesmal mit dem Fokus auf junge Menschen, die sich engagieren wollen. An insgesamt 32 Ständen informieren sich Neugierige.

Sich dort zu engagieren, wo man lebt und damit kein Geld zu verdienen, ist für Nils Hornig selbstverständlich. Der 29-Jährige ist am Samstag zur Ehrenamtsmesse in den Römer- und Schwanenhallen gekommen. Zum 14.-mal findet die Messe statt, bei der sich gemeinnützige Vereine, Stadtteilinitiativen und weitere ehrenamtliche Organisationen etwa mit Umweltschutz- und Bildungsprojekten sowie Unterstützung für Geflüchtete vorstellen. Nach längerer Zeit im Ausland möchte sich Hornig über ein mögliches Ehrenamt informieren. Mit seinem Kumpel Michael, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte, steht Hornig am Stand der „Kinderhelden“.

Aufmerksam hören die beiden Männer Stefan Mönkediek von Kinderhelden zu. Der 50-Jährige ist Vorsitzender des Fördervereins, der sich um „Kinder mit herausfordernden Rahmenbedingungen“ kümmert, wie es Mönkediek formuliert. Rund 70 Mentoren bilden derzeit mit Mädchen und Jungen von vier Frankfurter Grundschulen Tandems, erledigen gemeinsam die Hausaufgaben und machen Ausflüge.

„Ideal ist, wenn ihr euch pro Woche eineinhalb bis zwei Stunden Zeit nehmt“, sagt Mönkediek. Ein Jahr lang sollten die Tandems mindestens bestehen, fügt er hinzu. Die Zusammenkünfte müssten nicht kostspielig sein: „Vier bis fünf Euro pro Treffen reichen aus.“ Eine Radreparatur mit einer anschließenden Tour sei viel mehr wert, als den „Geschenkeonkel“ zu mimen. Er selbst betreue als Ehrenamtlicher seit vier Jahren denselben Jungen, berichtet Mönkediek später. „Eine persönliche Beziehung aufzubauen und gemeinsam die Welt zu entdecken“, sei ihm dabei als Mentor wichtig.

Fehlende Erfahrungen kein Ausschlusskriterium

Nils Hornig, der als Controller in einem Pharmaunternehmen arbeitet, kann sich diese freiwillige Tätigkeit gut vorstellen – auch weil er Erfahrung im Umgang mit Kindern hat. „Ich habe früher viel für meinen kleinen Bruder gesorgt, weil meine Mutter alleinerziehend war“, sagt er. Nachhilfe für jüngere Schüler habe er daneben jahrelang gegeben. „Ob ich die zweite Stunde Netflix gucke oder meine Zeit sinnvoll verbringe, da kümmere ich mich lieber für ein paar Stunden pro Woche um jemanden“, sagt Hornig. Sein Freund Michael sagt, „ich habe noch nicht so viel Erfahrung mit Kindern“. Der 31-jährige Chemie-Ingenieur wolle das Ehrenamt, das er übernehme „motiviert und gut machen“. Für Mönkediek sind fehlende Erfahrungen jedoch kein Ausschlusskriterium. Viel wichtiger sei „Zuverlässigkeit“.

An insgesamt 32 aus Holz gezimmerten Ständen können sich Interessierte informieren. „In dem Corona-Jahr sind es weniger Stände“, sagt Leslie Catherman, vom Bürgerbüro der Stadt. Ursprünglich seien 40 Stände geplant gewesen. Um die Abstandsregeln einzuhalten, seien diese um acht Stände reduziert worden. Weitere sechs Aussteller hätten lediglich Infomaterial geschickt. Catherman rechnet in diesem Jahr auch mit weniger Besuchern. Rund 1000 seien es im vergangenen Jahr gewesen.

Auch Süßes gab es, für die Stärkung zwischendurch.

Das Motto der Messe lautet dieses Mal „jung.aktiv.engagiert“. Birgit Bloß, vom Bürgerbüro, sagt, „im Ehrenamt engagieren sich häufig mehr ältere Leute, weil sie mehr Zeit haben“. Mit dem Motto wolle man gezielt Jüngere ansprechen. Durch die Säulenhallen im Römer schlendern am Samstag tatsächlich zahlreiche jüngere Besucher.

Saidra Krassnig hat auf einem Flyer, auf dem „Schülerpaten“ steht, gerade mit einem Kugelschreiber einen Haken gesetzt. Die Studierende, die an der Goethe-Uni aktuell am Ende ihres Jura-Masterabschlusses steht und in ihrem Herkunftsland Mexiko bereits als Rechtsanwältin für Menschenrechte gearbeitet hat, sagt, „ich interessiere mich vor allem für die Integration von Personen mit Migrationshintergrund“. Sie ergänzt: „Wichtig ist, dass sie sich zu Hause fühlen“. Dafür wolle sie sich die engagieren. Auch Nachhilfe für Schüler in Englisch und Spanisch könne sie sich vorstellen, sagt die 32-jährige Bockenheimerin.

Am Stand des Vereins „Über den Tellerrand“, der Geflüchtete unterstützt und unter anderem mit ihnen kocht, muss die Mitarbeiterin Riham Istanbouli eine Frau, vor der ein Kinderwagen steht, nicht lange überzeugen. Schnell trägt sich Reka Eröss-Demmler in eine E-Mail-Kontaktliste ein. „Ich koche gern“, sagt die 31-Jährige und lacht. „Ich habe auch ein bisschen Migrationshintergrund“, fügt sie hinzu und erzählt, dass sie aus Ungarn komme, während ihr Mann den sechs Monate alten Sohn auf dem Arm trägt. Zeitlich sei sie durch den jungen Nachwuchs aktuell noch sehr eingeschränkt und suche deshalb eine Tätigkeit, die sie „flexibel gestalten“ könne. Clara Speer, von „Über den Tellerrand“, sagt, „was Zeit und Interessen angeht, kann man individuell schauen, wie man sich einbringt“. Es gebe feste Tandemprogramme, aber auch einzelne Veranstaltungen wie Stammtische und Ausflüge. „Kochen ist wegen Corona ausgesetzt“, sagt Speer. Stattdessen würde ihr Verein Picknicks unter freiem Himmel organisieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare