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Frankfurt: An der Anerkennung des italienischen Abschlusses fast verzweifelt

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Von: Steven Micksch

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Katrin Göhlich (l.) und Semire Zarei haben Rosario Zito geholfen, ihr Anerkennungsjahr erfolgreich abzuschließen.
Katrin Göhlich (l.) und Semire Zarei haben Rosario Zito geholfen, ihr Anerkennungsjahr erfolgreich abzuschließen. © Steven Micksch

Rosario Zito hatte jahrelange Berufserfahrung, doch in Deutschland musste sie viele Hürden überwinden, um einen beruflichen Anschluss zu finden. Der Frankfurter Verein für berufliche Integration Beramí half ihr schließlich.

Eigentlich war das Arbeiten im Ausland für Rosario Zito nichts Außergewöhnliches mehr. Elf Jahre war die gebürtige Italienerin in London gewesen und verdiente ihr Geld als Sozialarbeiterin. Wegen der Arbeit ihres Mannes zogen beide 2015 nach Hessen. Doch was in London problemlos klappte, wurde in Deutschland zu Qual.

Zitos italienischer Hochschulabschluss als Sozialarbeiterin wurde in Deutschland nicht einfach anerkannt. Ihre Profession gilt als reglementierter Beruf und bedarf einer Anerkennung der beruflichen Qualifikation. Es vergingen Monate, in denen sie versuchte an alle geforderten Dokumente aus Italien zu kommen.

Schließlich wurde ihr die Wahl gelassen: Entweder ein Anerkennungsjahr in Italien oder drei Jahre als pädagogische Fachkraft arbeiten. „Ich war ohne Hoffnung“, beschreibt die 48-Jährige ihre damalige Gefühlswelt. Auf der Suche nach einer Lösung stieß sie zufällig auf Beramí. Der Frankfurter Verein für berufliche Integration ist seit gut 30 Jahren auf die Anerkennung ausländischer Abschlüsse spezialisiert.

Förderprogramme

Der Frankfurter Verein Beramí unterstützt seit 1990 Migrant:innen bei der beruflichen Qualifikation und entwickelt mit ihnen eine berufliche Perspektive.

Verschiedene Angebote von der Beratung über Deutschförderung bis zur beruflichen Integration werden durchgeführt.

Die Anerkennungsberatung ist Teil des Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung“. Es wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Bundesagentur für Arbeit.

Die spezielle Beratung wird in Hessen zusätzlich aus Mitteln des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst gefördert.

Mehr Informationen und konkrete Kontaktmöglichkeiten zum Verein gibt es unter www.berami.de im Internet. mic

Semire Zarei, Anerkennungs- und Qualifizierungsberaterin bei Beramí, erklärt: „In pädagogischen Berufen ist es schwierig eine sofortige Anerkennung zu bekommen.“ Andere Berufe hätten nicht solche Probleme. Im nicht-reglementierten Bereich wie bei einem BWL-Studium oder einem Abschluss im IT-Bereich brauche es keine formale Anerkennung. Auf der anderen Seite bräuchte ein Krankenpfleger ein Praktikum, wofür es aber kaum freie Plätze gebe. In Bereichen, wo sowieso ein Mangel herrsche, würde zu wenig getan, um vorhandene Hürden abzubauen.

„Es fehlen so viele Fachkräfte und dann gehen wir so mit qualifizierten Menschen um, die so engagiert sind“, kritisiert Katrin Göhlich, Leiterin der Kita Schatzkiste der evangelischen Kirchengemeinde Griesheim. Göhlich gab Zito die Möglichkeit, ihr Anerkennungsjahr in der Kita zu machen. „Sie war so verzweifelt“, erinnert sich Göhlich an ihre ersten Gespräche mit der 48-Jährigen. Die Kita-Leiterin bezweifelt stark, dass ein Anerkennungsjahr in Italien wirklich anerkannt worden wäre.

Eine weitere Schwierigkeit ergab sich bei der Abschlussprüfung. Dort brauchte Zito eine Sozialpädagog:in oder eine Diplom-Sozialarbeiter:in mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung, die als neutrale Beobachterin fungieren sollte – und sie musste diese selbst suchen. „Ohne diese Person wäre das ganze Jahr umsonst gewesen“, sagt Göhlich. Zum Glück half auch hier Beramí. Eine Mitarbeiterin stellte sich zur Verfügung. Die Prüfung gelang und Zito arbeitet mittlerweile als pädagogische Fachkraft.

Ihre berufliche Odyssee habe zwar ein glückliches Ende gefunden, doch auch Spuren hinterlassen. Finanziell, aber auch physisch und psychisch. Warum es von den Behörden keine wirkliche Hilfe und teilweise noch widersprüchliche Aussagen gab, kann Zito nicht verstehen. Sie hofft, dass anderen solch ein Weg erspart bleibt oder sie wenigstens genauso gut Hilfe bekommen. „Die Unterstützung von Beramí kann man nicht hoch genug einschätzen.“

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