Michael Simon (am Rednerpult) wird in der Paulskirche von Peter Feldmann (SPD) verabschiedet.
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Michael Simon (am Rednerpult) wird in der Paulskirche von Peter Feldmann (SPD) verabschiedet.

Abschiedsfeier

Frankfurt: Amtsleiter Michael Simon in der Paulskirche verabschiedet

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Beim Abschied des Amtsleiters Michael Simon wird dessen Distanz zu Baudezernent Jan Schneider (CDU) deutlich. Ehemalige Mitarbeiter und Vertreter der Stadt bedauern seinen Abgang.

Im Song „Dantes Prayer“ der kanadischen Liedermacherin Loreena McKennitt heißt es: „When the dark night seems endless, please remember me“ („Wenn die schwarze Nacht endlos erscheint, erinnere dich bitte an mich“). Mit diesem Titel eröffnet das Duo Balladeire eine außergewöhnliche Abschiedsfeier in der Frankfurter Paulskirche. Michael Simon, der von Baudezernent Jan Schneider (CDU) abgelöste Leiter des städtischen Amts für Bauen und Immobilien (ABI), hat sich diesen Auftakt gewünscht. Er gibt einen Einblick in die Gemütslage des Architekten, klassischen Trompeters und CDU-Mitglieds Simon.

Die Stunde, die dann folgt, macht deutlich, dass das Ausscheiden des 42-Jährigen nach nur zweieinhalb Jahren für die Stadt Frankfurt ein Verlust ist. Etliche Amtsleiter, Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD), viele ABI-Mitarbeiter sind gekommen, aber auch der Vorsitzende des städtischen Gesamtpersonalrats, Christian Barthelmes, was als außergewöhnliche Geste gewertet werden darf. Schon vor der Paulskirche schütteln Beschäftigte noch einmal die Hand des Managers. „Vielen Dank für alles, was Sie für uns getan haben“, sagt einer. Nach dem Abschied eines ungeliebten Vorgesetzten sieht das nicht aus.

Eher nach der Vertreibung eines Mannes, der Veränderungen wollte, aber auf Beharrungskräfte und Widerstand stieß. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) zeichnet denn auch in seiner Rede genau dieses Bild. „Ich finde es schade, dass Sie gehen, ich hätte mir gewünscht, dass Sie bleiben“, sagt der Sozialdemokrat. Er würdigt Simon als Reformer mit „Wertekompass“. Der Amtsleiter habe „auf Offenheit und Transparenz gesetzt“. Der OB lobt ihn als „gestandenen Konservativen“ und bittet den Geschassten um „Nachsicht für unsere Medien“. Die hatten freilich gar nicht Simon kritisiert, sondern Schneider und dann Feldmann, weil er die Paulskirche als Abschiedsort gewählt hatte.

Widerstrebenden Teile  zusammengeführt

Simons Verdienst bleibe, dass er die widerstrebenden Teile des neuen Amts zusammengeführt habe, dass heute vier Kitas zu den Kosten von zweien gebaut werden könnten. Auch mit konservativen Überzeugungen könne man anecken, urteilt der OB, es brauche aber Menschen mit „Selbstbewusstsein gegen Mächtige“. Nicht nur Simon, sondern das gesamte ABI hätten Außergewöhnliches geleistet.

Der scheidende Manager widersteht der Versuchung, mit der Stadt Frankfurt abzurechnen. Der Vater von vier Kindern spricht nur einmal das Wort „Gegenwind“ aus. Ihm sei die Würde des Menschen und die Würde des Amtes wichtig gewesen. Dann hält Simon eine kluge Rede über das Verhältnis von Musik und Architektur. Beide stellten universelle Sprachen dar, die Emotionen vermittelten. Simon spannt einen Bogen vom griechischen Philosophen Pythagoras im sechsten Jahrhundert vor Christus bis zum Architekten Daniel Libeskind in der Gegenwart, der gesagt habe: „Musik ist nahe an dem, wie ich mir Architektur vorstelle.“ Sowohl das Amt wie auch die Stadt Frankfurt seien für ihn ein Kraftwerk gewesen, urteilt der Scheidende. Er verlasse das ABI mit mehr Energie, als er sie bei seinem Antritt besessen habe.

Nach der Rede, die Beifall auch von Journalisten erhält, kann man sich vorstellen, dass Baudezernent Schneider und Simon sich nicht so viel zu sagen hatten. Der Baudezernent ist nicht erschienen, er befindet sich offiziell im Urlaub. Die Frankfurter CDU hat als einzigen Vertreter ihren ehrenamtlichen Stadtrat und Bankier Lutz Raettig entsandt.

Wie wird der weitere Weg von Michael Simon nach seinen ernüchternden Erfahrungen sein? Mit der Stadtverwaltung, sagt der ehemalige Amtsleiter im Gespräch mit der FR, wolle er nichts mehr zu tun haben. Simon lebt seit Jahren in Würzburg und pendelte jeden Tag. Er werde „der Stadt Frankfurt verbunden bleiben“, die er sehr schätze. Von Simon wird man also in der Kommune noch hören.

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