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Das Amtsgericht in Frankfurt.

Posse vor Frankfurter Amtsgericht  

Helen B. kommt wegen der Hitze mal wieder nicht zum Amtsgericht

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Eine junge Frau soll sich vor Gericht verantworten - doch die Dame ist nur schwer zu fassen. 

Sonst kommt sie doch immer“, wundert sich der Richter am Amtsgericht. Aber heute scheint Helen B. mal eine Ausnahme zu machen - und wie sich später herausstellen wird, ist die Aussage des Richters so auch nicht ganz zutreffend.

Eigentlich hätte B. am Mittwochmorgen um 9 Uhr vor dem Amtsgericht antanzen sollen, um sich wegen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte zu verantworten. Die damals 24-Jährige hatte sich im Mai 2017 bei dem erfolgreichen Versuch, eine Scheibe einzuschlagen, verletzt – wollte aber weder von Sanitätern noch von Polizisten etwas wissen. Die Polizisten, die sie nichtsdestotrotz mit zur Wache nahmen, warnte die junge Frau: Bereits „die letzten Bullen“, die sich mit ihr angelegt hätten, hätten später „vor Gericht verloren“. Sie sei öfter bei Gericht. Dort könnten einem die schlimmsten Sachen passieren, nur ihr nicht, weil „die Spasten bei Gericht eh zu dumm sind“.  

Polizisten machen sich auf die Suche

So was hört man nicht gerne, vor allem nicht am Amtsgericht, aber gerne hätte man die junge Frau gefragt, wie sie denn zu dieser Einschätzung gelangt sei. Die als Zeugen geladenen Polizisten scheinen da eine leise Ahnung zu haben. Einer hat sich die Mühe gemacht, eine Liste der Taten mitzubringen, durch die Helen B. in der jüngsten Vergangenheit auf dem Revier unangenehm aufgefallen ist. Die Liste ist mehrere Seiten dick. Der Polizist zeigt einem Kollegen die letzte: „Da: schon wieder drei Widerstände und Körperverletzungen!“

Der Richter gibt Helen B. bis 9.20 Uhr Zeit, zu erscheinen - schließlich ist es sehr heiß und es gibt U-Bahn-Probleme. Um 9.30 Uhr ist die Angeklagte wider Erwarten immer noch nicht erschienen. Eine Streife wird losgeschickt, um sie abzuholen. Die Zwischenzeit nutzt das Gericht, um über eine Sache zu reden, die wohl demnächst vor dem Schöffengericht verhandelt wird: Es geht um Helen B. und „die Masche mit den Gutscheinkarten“, die aber nicht präzisiert wird.

Umsonst gekommen - mal wieder

Mehr als zwei Stunden nach geplantem Prozessbeginn kehrt die Streife unverrichteter Dinge und ohne B. retour. Überraschenderweise war die Frau unter den beiden Adressen, die sie der Polizei beim letzten Mal als Orientierungshilfe genannt hatte, falls die sie mal wieder festnehmen wolle, nicht anzutreffen.

Der Prozess platzt. Der Richter sagt den zahlreichen als Zeugen angereisten Polizisten, die sich schon auf ein Wiedersehen gefreut hatten, dass sie umsonst gekommen seien. „Schon wieder!“, gibt eine Polizistin ihrem Unmut eine Stimme. Dann fragt der Richter, ob die Zeugen erstattbare Auslagen gehabt hätten. Ja, wie jedes Mal, knurren die Zeugen etwas unwirsch.

So gesehen hat die Polizei schon wieder gegen Helen B. verloren. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, der Kampf geht weiter.

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