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Frankfurt am Wochenende: Freiluft-Partys mit zwei Schwerverletzten

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Von: Sabine Schramek

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Am Friedberger Platz war es am Freitagabend mal wieder rappelvoll.
Am Friedberger Platz war es am Freitagabend mal wieder rappelvoll. © Rainer Rueffer

Nach einer Messerstecherei im Grüneburgpark zeigt die Polizei Präsenz. Am Hafenpark ist die Toilettenanlage defekt.

Am Freitagabend drängen sich Männer und Frauen dicht an dicht auf dem Friedberger Platz. Die Geräuschkulisse gleicht um 22 Uhr einem riesigen Vogelschwarm, als Wagen mit orangefarbenem Blinklicht deutlich machen, dass der Platz jetzt sauber gemacht wird. Stadtpolizisten sprechen die Feiernden an. Murrend weichen sie den FES-Fahrzeugen aus und den Männern, die Tüten mit leeren Flaschen füllen.

Zur Überzeugung lässt die Stadt Gutscheine für Taxis verteilen, die für fünf Euro bis zu vier Personen an die Hauptwache bringen, um dort bei DJ-Musik die „Nachtschicht Hauptwache“ weiter zu feiern. Das Angebot hat die Stadt kürzlich auf die Beine gestellt, um die jungen Leute aus dem Nordend-Wohngebiet wegzulocken.

Nur wenige nutzen die Gutscheine. Die meisten bleiben bis lange nach Mitternacht am Luisen- und Matthias-Beltz-Platz. Auf der Hauptwache steppt dennoch der Bär. Junge Leute tanzen und trinken fröhlich Apfelwein. Im Günthersburgpark sitzen viele Gruppen auf der Wiese, hören Musik oder spielen Ball in der Nähe von Laternen. Es ist friedlich, niemand ahnt, dass zur selben Zeit drei Kilometer weiter westlich im Grüneburgpark plötzlich ein Streit eskaliert. Zwei junge Männer (18) werden durch Messerstiche schwer verletzt.

Die Polizei sperrt die Eingänge und fahndet nach dem oder den Tätern – bisher vergeblich. Eines der Opfer muss operiert werden. Beide sind noch im Krankenhaus, aber laut Polizei außer Lebensgefahr. Die Mordkommission ermittelt wegen versuchten Totschlags.

Am Samstagabend ist der Grüneburgpark wieder offen, Jugendliche treffen sich. „Es ist schon ein komisches Gefühl,“, sagt Tanja (19). „Ich verstehe nicht, warum es überhaupt erlaubt ist, Messer dabei zu haben.“ Mit Einbruch der Dunkelheit fährt die Polizei ununterbrochen mit starken Scheinwerfern durch den Park Streife, kontrolliert Ausweise. „Gemütlich ist anders“, findet ein Pärchen. „Aber so kommt wenigstens keiner auf blöde Gedanken.“ Auf den Wiesen wird gekichert und gelacht, es ist stockdunkel. „Es wäre sinnvoll, wenn es Laternen gäbe“, sagt ein Beamter und blickt Richtung Bänke mit jungen Leuten, die völlig von der Dunkelheit verschluckt werden. Einzig die Lichter der Einsatzwagen und Taschenlampen lassen erkennen, wie viele Menschen im Park sind.

Anders an der Honsellbrücke. Da leuchten Laternen, die roten LED-Fenster-Umrandungen vom Kunstverein Lola Montez strahlen zusätzlich auf den Vorplatz. Nicht weit entfernt legt ein DJ in einem kleinen Pavillon auf. Die Salsafans haben einen neuen Ort gefunden, um den Abend unter freiem Himmel zu genießen. Voriges Jahr hatten sie ausgerechnet die Holocaust-Gedenkstätte an der EZB ausgewählt, die an die Deportation von 10 000 Frankfurter Juden im Zweiten Weltkrieg in KZs und Lager erinnert. Die Stadt hatte dort das Tanzen aus Respekt vor den Opfern verboten.

Polizeistreifen fahren durch die dunklen Gebiete im Hafenpark, leuchten über die Wiesen, halten immer wieder an, kontrollieren. Die Stimmung ist friedlich und entspannt. Außer bei einigen Frauen. Sie haben ein veritables Problem: Die Toilettenanlage ist noch immer verschlossen. Erst wegen Vandalismus, dann laut Grünflächenamt wegen eines technischen Schadens. (mit dpa)

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