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Alternative Antriebe im Test: Ein mit Wasserstoff betriebener Bus fährt am Peter-Behrens-Bau vorbei. 

Frankfurt

Wasserstoff für Bus und Bahn in Frankfurt

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Infraserv Höchst eröffnet eine Wasserstofftankstelle für Züge. Die Industriepark-Manager testen ab 2021 auch eine Anlage, die aus erneuerbaren Quellen Methan herstellt. Das könnte den Energieträger Erdgas ersetzen.

Bei der Energiewende hat in Hessen der Verkehrssektor besonderes Gewicht, sagt Jens Deutschendorf (Grüne). Der Staatssekretär im hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen ist zum Gespräch in den Industriepark Höchst gekommen. Eingeladen hat die Agentur für Erneuerbare Energien. Die hat eine Rundfahrt unternommen zu Projekten, die Sektorenkopplung betreiben. Die also Strom, Wärme und Verkehr miteinander verknüpfen.

„Mehr als die Hälfte unseres Energiebedarfs“, sagt der Staatssekretär, entfalle in Hessen auf den Verkehr. Auf Flughafen, Bahn, das Straßennetz, die zentrale Lage in Europa. Doch nur 2,4 Prozent des Energiebedarfs haben die Verkehrsteilnehmer 2018 aus erneuerbaren Energien gewonnen. „Da liegen wir zurück.“

Das muss anders werden. Im Industriepark etwa soll die Eisenbahn künftig Wasserstoff tanken können. Der Verkehrsverbund RMV hat 27 Züge bestellt, die das können. Sie sollen Dieselzüge ersetzen, die auf nicht elektrifizierten Strecken fahren. Etwa von Königstein nach Höchst und von Höchst nach Bad Soden. Ab 2022 rollt in Hessen die „weltweit größte Brennstoffzellen-Zugflotte“, lobt Deutschendorf.

ENERGIEWENDE
Um die Klimaschutzziele des Bundes bis 2030 zu erreichen, benötigt es nicht nur einen Ausbau der erneuerbaren Energien. Die bislang meist einzeln betrachteten Sektoren Verkehr, Wärme und Industrie müssen auch stärker gekoppelt werden, um so Synergien herzustellen. Die Fachwelt spricht von Sektorenkopplung.

Im Heizkraftwerk Niederrad produziert die Mainova etwa mit überschüssigem Ökostrom Fernwärme. Ein

anderes Beispiel bietet der Industriepark Höchst, in dem in großen Mengen Wasserstoff als Nebenprodukt der Chlorproduktion anfällt. Damit fahren Busse übers Werksgelände und künftig auch 27 Züge des RMV. sky

Wasserstoff fällt im Park in großen Mengen an, als Nebenprodukt aus der Chlorerzeugung. Das Gas verwenden die Unternehmen vor Ort teilweise weiter, verkaufen es aber auch. Im Lastwagen fährt es durchs Land oder kommt aus der Zapfsäule der Agip-Tankstelle im Süden des Parks. Vor zehn Jahren hat Infraserv die eröffnet. „Da waren wir unserer Zeit voraus“, sagt Joachim Kreysing, einer der Geschäftsführer.

Nun investiert Infraserv einen zweistelligen Millionenbetrag in Tankgleise, damit die Züge vorfahren können. In Höchst kommen sie ohnehin mindestens einmal am Tag vorbei, erklärt Thomas Bayer, bei Infraserv für die Wasserstoff-Projekte zuständig. Mit einer Tankfüllung kommen sie etwa 900 bis 1000 Kilometer weit. Das ist „vergleichbar“ mit einer Dieselbahn, die mit einer Tankfüllung etwa 1200 Kilometer fahre, sagt Bayer.

Auf dem Industrieparkgelände verkehrt auch eine kleine Busflotte, die mit Wasserstoff betrieben wird. Sechs Fahrzeuge sind im Einsatz, zwei weitere dienen als Ersatzteile-Reservoir.

Ein anderes Wasserstoffprojekt soll 2021 anlaufen, eine Anlage, die Methan aus erneuerbaren Quellen herstellen kann. Das könnte als Ersatz für Erdgas dienen. Die Anlage soll netzdienlich sein, das heißt Schwankungen ausgleichen helfen. Etwa wenn kein Wind geht und keine Sonne scheint. Sie soll aber auch helfen, die Technik zu testen. „Es fehlen Erfahrungen“, sagt Bayer, wie eine Anlage variabel zu betreiben wäre. Sie soll ja nicht ständig voll laufen und das Netz so überlasten.

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