+
Alex Azary vor dem Momem an der Hauptwache.

Momem in Frankfurt

Frankfurt wartet auf das Museum für moderne elektronische Musik

  • schließen

Wenn die Stadt von Sven Väth, dem Omen und dem Dorian Gray ein Museum für elektronische Musik ankündigt, dann ist das Interesse riesig. Doch Frankfurt wartet weiter auf das Momem.

Ein paar Witzbolde ziehen schon wieder Vergleiche. Berlin. Flughafen. Aber es gibt keinen Grund, sich lustig zu machen. Gut, damals, auf der Musikmesse 2015, hieß es, das Momem solle 2017 eröffnet werden. Und im vorigen Frühjahr hieß es: in einem Jahr. Aber wer jetzt die Räume im Zwischengeschoss der B-Ebene an der Hauptwache betritt, der stellt fest: Es sieht alles noch genauso aus wie damals.

Alex Azary redet dann auch gar nicht lang drumherum. „Das Gesamtbild wird wohl erst im Mai 2020 zu sehen sein.“ Aber: Im September wollen Azary und seine Mitstreiter Stefan Weil und Andreas Tomalla gern eröffnen. „Im September soll ein Pre-Opening sein, an den Termin wollen wir uns auch halten. Wir sind dann von diesem Zeitpunkt an hier, als Kulturzentrum mit Workshops, Vorträgen, Veranstaltungen.“

Mehr als nur ein „Techno-Museum“

Ein paar museale Gegenstände sollen dann auch schon einziehen auf die gut 800 Quadratmeter, die – das ist den Machern wichtig – kein Museum werden sollen und vor allem kein „Techno-Museum“, wie es oft kurz und griffig genannt wird. „Musik ist nicht das einzige Thema, es geht um Kunst und Kultur“, sagt Azary. „Die Techno-Musik von einst war nur der Kern, an den sich das ganze Kulturphänomen angedockt hat.“

Unordentlich sieht es aus im ehemaligen Kindermuseum. Jemand hat vor der Tür seinen Schlafplatz eingerichtet. Eine Wassersperre am Eingang schützt gegen drohende Überflutung – ein Konstruktionsmanko des in die Jahre gekommenen Architektur-Kuriosums „Loch an der Hauptwache“. Aber die Momem-Leute mögen den Ort. „Man kann den Platz so lassen, der hat Charakter“, sagt Alex Azary. „Paar neue Elemente drauf, ein wenig begrünen, als City Park Oase.“ Immerhin sei dieses Loch eine Visitenkarte der Stadt, viele steigen hier aus der S-Bahn und gehen auf dem Weg zum Römer und zur Paulskirche die Treppe hinauf. Die könnte beispielsweise blau und weiß werden, die Treppe, gestaltet wie ein Autobahnschild – eine Reminiszenz an den Hit der Techno-Vorreiter Kraftwerk. Na, Techno-Vorfahrer passt hier besser. Fahrn fahrn fahrn auf der Autobahn.

Die Tür vom Dorian Gray und etwas aus dem Cocoon

Und sonst, was soll drinnen zu sehen sein, welche Exponate? „Wir sammeln gerade.“ Da waren sie schon immer recht verschwiegen. Von der legendären Dorian-Gray-Eingangstür („Get into magic“) war mal die Rede. Im früheren „Cocoon“ haben sie sich umgesehen, Lager angemietet. „Aber wichtig ist, dass wir jetzt erst mal die Räume nutzen für Podiumsdiskussionen und Veranstaltungen.“

Das Interesse ist weiterhin riesig. Tausende Zeitungsartikel auf der ganzen Welt sind über den Momem-Plan erschienen, es gab Anfragen aus Berlin, Brüssel, sogar aus Dubai, das elektrisierende Haus doch lieber dort zu eröffnen. Die Philharmonie de Paris zeigt von nächster Woche an die Ausstellung „Electro“, die ganz nah dran ist am Momem-Konzept, mit Kraftwerk, Laurent Garnier, Daft Punk – alles Inhalte, über die sich die Franzosen in Frankfurt informiert haben. „Für die paar Monate geben die mehr Geld aus, als wir für unsere feste Einrichtung zur Verfügung haben“, sagt Alex Azary.

Er beklagt sich nicht, auch wenn er sich wünschen würde, die Stadt käme schneller zu Potte. Er schwärmt lieber von den Möglichkeiten der Zukunft. Das Momem als Marke, ähnlich wie Guggenheim, mit Ablegern überall auf der Welt. In Frankfurt sollen vorerst 20 bis 30 Leute im Projekt arbeiten. Näheres dazu auf der Messe? Ja, durchaus, aber weniger auf der Musik-, sondern vielmehr auf der Buchmesse, mit einem Stand bei der Zukunfts-Schau „The Arts+“. Man sieht: Es geht tatsächlich um mehr als Musik. Website: donate.momem.org

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare