+
Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann.

Wohlfahrtsverband

AWO-Affäre in Frankfurt: Vorwürfe weiten sich auf OB Feldmann aus

  • schließen

Die Arbeiterwohlfahrt in Frankfurt soll der Frau von Oberbürgermeister Peter Feldmann ein besonders hohes Gehalt gezahlt und einen Dienstwagen gestellt haben.

Noch am Sonntag hatte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ausschließlich lobende Worte für die Arbeiterwohlfahrt (AWO) gefunden. Es galt, den100. Geburtstag der AWO Hessen zu feiern, und in einer Mitteilung des städtischen Presseamts wird das Stadtoberhaupt wie folgt zitiert: „Die AWO ist 100 Jahre alt, aber immer auf der Höhe der Zeit, wenn es darum geht, gesellschaftliche Verhältnisse zu kritisieren, wenn soziale Schieflagen da sind. Die AWO wird sowohl als Träger von Einrichtungen als auch als soziale Stimme in der Gesellschaft gebraucht.“

Nur zwei Tage später geht es in einer Pressemitteilung der Stadt wieder um die AWO, doch diesmal ist der Ton ein anderer. Der für Samstag im Römer geplante Empfang anlässlich des hundertjährigen Bestehens der Frankfurter AWO sei auf Wunsch des Kreisverbands verschoben worden. „Aufgrund der aktuellen Ereignisse sei derzeit eine Feier in angemessener Würde nicht möglich“, heißt es im städtischen Newsletter.

AWO in Frankfurt: Oberbürgermeister Peter Feldmann und seine Frau im Mittelpunkt

Die „aktuellen Ereignisse“ dürften zum einen die Ermittlungen sein, die die Staatsanwaltschaft Frankfurt nun aufgenommen hat. Dabei geht es um mögliche Ungereimtheiten bei städtischen Zahlungen für den Betrieb von Flüchtlingsheimen. Am Dienstag rückten dann auch Feldmann und seine Frau Zübeyde in den Mittelpunkt besagter Ereignisse.

Kommentar: Das Schweigen von OB Peter Feldmann ist ein Ausdruck von Arroganz*

Wie die „Hessenschau“ auf ihrer Online-Seite berichtete, hatte die AWO Zübeyde Feldmann als Leiterin einer deutsch-türkischen Kindertagesstätte ein deutlich höheres Gehalt zugesprochen als Mitarbeitern in vergleichbaren Positionen. Bereits zwei Jahre nach Beginn ihrer Tätigkeit soll sie die höchstmögliche Tarifgruppe erreicht haben. Für gewöhnlich brauche es 17 Jahre, um die darin vorgesehene Bezahlung zu erreichen, berichtet die „Hessenschau“. Außerdem soll sie über einen Dienstwagen verfügt haben.

AWO in Frankfurt: Auch gegen Peter Feldmann gibt es Vorwürfe

Auch gegen den Oberbürgermeister selbst gibt es Vorwürfe. Er soll vor seiner Wahl zum Stadtoberhaupt bei der zur AWO gehörenden Johanna-Kirchner-Stiftung eine Stelle angetreten haben, die es zuvor nicht gegeben hatte und die auch nach seinem Wechsel in den Römer nicht wieder besetzt wurde. Dabei ging es um Belegungsmanagement in Altenheimen. Die „Hessenschau“ zitiert eine Mitarbeiterin, die anonym bleiben will, mit den Worten: „Er war nicht der Erste aus der SPD, der versorgt wurde.“

Der AWO-Kreisverband teilte auf FR-Anfrage mit, er könne „aus Datenschutzgründen“ keine Stellung nehmen. Das OB-Büro meldete sich bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht.

Oberbürgermeister Peter Feldmann äußert sich trotz steigendem politischen Drucks nicht zu den Vorwürfen gegen ihn und seine Frau. Auch eine Stellungnahme der AWO lässt viele Fragen offen. Inzwischen hat auch OB Feldmann eine Erklärung abgegeben - daran gibt es harsche Kritik.

Die Frau von Frankfurts OB Peter Feldmann ist als Leiterin einer Awo-Kita mit einem Dienstwagen in ihre Elternzeit gestartet.

Der FR-Newsletter

Das Wichtigste des Tages direkt aus der FR-Redaktion per Mail: Erhalten Sie eine Auswahl der spannendsten Texte und der wichtigsten Themen, ergänzt mit Analysen und Kommentaren unserer Autorinnen und Autoren – kostenlos. Jetzt den täglichen Newsletter abonnieren unter www.FR.de/newsletter

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare