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David Garrett, der Geiger, dessen Noten Schott Music verlegt hat.

Musikmesse

David Garrett präsentiert ein Notenheft auf der Musikmesse

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Ein erster Rundgang über die Musikmesse: Ort des Hörens, Sehens und Vergehens. Und Stargeiger David Garrett ist auch da.

Es ist ein bisschen wie das Warten aufs Christkind, und der Zusammenhang kommt einem auch irgendwie bekannt vor. Die Musikmesse und David Garrett – ach richtig, 2017 hat der Stargeiger den Frankfurter Musikpreis erhalten. Diesmal ist er der Stargast am ersten Messetag, denn bei Schott Music in Halle 3.1 gibt es ganz neu: ein David-Garrett-Notenheft. „Best of Violin“.

Aber wo bleibt er? Der SchottStand füllt sich mit Hunderten Menschen, wie auch immer sie von dem Ereignis erfahren haben. Ach so, da steht’s ja im Internet. Unter starbesuch.de. Und wo isser? „So, da isser“, sagt Verleger Peter Hauser-Strecker und führt kurz ins Thema ein. „Wir haben ihn schon mal verlegt, und wir verlegen ihn jetzt auch.“

Gar nicht verlegen meistert der Star das Blitzlichtgewitter und erklärt: „Ich fühle mich wie zu Hause auf der Musikmesse.“ Er sei schon oft gefragt worden: Gibt’s dafür Noten? „Es gab sie hier oben“, sagt Garrett und zeigt auf sein Gehirn. Jetzt gibt es sie auch gedruckt, 16 Arrangements aus zehn Alben. „Nichts für Vier-, Fünf-, Sechsjährige, schränkt der Meister ein. Aber mit Grips und Bedacht produziert: Im Vorabdruck (Tico Tico von Zequinha de Abreu und Beethovens Fünfte) ist eine Seite leer. „Aus wendetechnischen Gründen“, erfahren Siebenjährige und Ältere.

Scorpions-Gitarrist Matthias Jabs mit einer Gibson Les Paul Standard.

Es wird durchaus Geige gespielt am Eröffnungstag, wenn auch nicht von Garrett, aber beispielsweise von Laurent Barnadac. Er arbeitet für 3DVarius, eine Firma, die Geigen mit dem 3D-Drucker ausdruckt. Was? Na, das muss ja toll klingen – aber in der Tat, es klingt wirklich interessant. Wenn auch nicht direkt nach Geige, sondern abwechselnd nach Bass, Gitarre und Schlagzeug, das lässt sich alles über Effektgeräte steuern, die das Geigensignal kabellos auffangen. Preis für eine gedruckte Violine aus Epoxidharz: 7000 Euro. Mit Holzgriffbrett und gedrucktem Zubehör gibt es sie auch schon für 2500.

Gitarren, die wie Gitarren klingen, findet man auf der Messe auch, zum Beispiel im Foyer der Halle 4.1 in der „World of Vintage Guitars“. Da steht eine Fender Stratocaster von Bob Dylan aus dem Jahr 1962 mit Gold-sparkle-Lack, da stehen jede Menge feine Gibson-Modelle zum Ausprobieren, und da ist auch Matthias Jabs, Gitarrist der Scorpions, mit seiner eigenen Kollektion. Er ist enorm zugänglich und sympathisch im Gespräch, und er verrät sogar, wofür er, als Old-School-Gitarrist, die moderne Technik einsetzt, die die Musikmesse so sehr verändert. Aber weil die Kollegen am Dienstag schon gemosert haben, wir hätten zu viele Gitarren in der Zeitung, kommt Matthias Jabs am Samstag noch mal ganz in Ruhe ausführlich in der FR zu Wort. Bleiben Sie dran!

Und damit raus aus dem Foyer der Halle 4.1, vorbei am Studio von Virus Musik, das die ganze Woche live von der Musikmesse sendet, rüber zur Prolight+Sound, der jüngeren Schwester der Musikmesse. Da dräut mal wieder der weltgrößte mobile Bildschirm auf der Agora: The Black Diamond, 144 Quadratmeter, in einer guten Stunde aufgebaut, kristallklares Bild. Bisschen groß fürs Wohnzimmer, aber Hut ab.

In Halle 12 hat der Lichtgigant Kobe eine Art riesenhafte Geisterbahn aufgebaut und veranstaltet regelmäßig Lightshows. Bei Vioso, Halle 4.0, führt ein Mann mit einem Lichtlaufband als Namensschild auf der Brust (Jürgen) eine Apparatur vor, die mit vielen Projektoren diverse Animationen in eine Kuppel zaubert. Die blöde Frage, was das mit Musik zu tun hat, beantwortet sich der FR-Reporter selbst: nichts, denn dies ist ja die Abteilung Licht. „Der Content“, sagt Jürgen, also der Inhalt, der in die Kuppel projiziert wird, „ist völlig egal. Sie können die Kamera auch auf einen Fußball stellen und sich wegschießen lassen.“ Verlockende Vorstellung. „Die Realität ist nur eine Illusion, allerdings eine ziemlich hartnäckige“, flimmert abschließend über die Kuppel. Albert Einstein.

Vioso-Projektion. Sagenhaft, was man heute mit Licht machen kann.

Ein paar Stände weiter tanzt eine Frau im Halbdunkel, und hinter ihr vollführt erst eine abstrakte Figur, dann ein Katzenbär und schließlich ein Eisbär mit Flipflops fast die gleichen Bewegungen. Wie, zum... – ach so, Sensoren am Körper der Frau lassen die Animationen tanzen. Wofür braucht man’s? Für Trickfilme. In Frankfurt haben Sie’s zuerst gesehen.

So wie die „Lösung für spektakuläre 3D-Mapping-Shows“ bei ODB, ebenfalls Halle 4.0. Was kann man da? Da kann man sich einen Outdoorbeamer zulegen, um damit sein Haus, seine Villa oder seine Hundehütte von außen anzustrahlen.

Sonst noch was, das man fürs tägliche Leben braucht? Preise: Die Brat- oder Rindswurst, das Bier und die Cola kosten in diesem Jahr 3,50 Euro, das Bizzelwasser 2,50 Euro. Man kann sich auch Klamotten kaufen, etwa Rennfahrer-Lederjacken wie einst Jackie Stewart oder Damenkleider im Stil der 70er Jahre. Damit gehen Mann und Frau dann in die Festhalle, wo es zur halben und vollen Stunde die berühmte PRG-Show zu sehen und zu hören gibt: Lichtspektakel vom Feinsten mit sekundenkurzen Feuersbrünsten, die von der Bühne bis zum Saaleingang einheizen, dass man für einen Augenblick um seine Brauen fürchtet, aber alles okay. Und ein Festhallensound, der die Älteren seufzen lässt: Hätten sie das mal damals bei der „Razor’s Edge“-Tour von AC/DC auch nur halb so gut hingekriegt.

Termine der Musikmesse

Vier Tipps für den heutigen Mittwoch aus dem riesigen Angebot: 

11 Uhr: Gestohlen, verloren, vergessen oder einfach weg – Was kann ich tun? Instrumentenklau.de – Erste Hilfe und Prävention. Messe, Networking Area 4.1 – Speakers‘ Corner. 

14.30: Mothertones – Die wichtigsten Röhrenverstärker aller Zeiten. Messe, Networking Area 4.1 – Speakers‘ Desk. 

18 Uhr: Ida Nielsen Trio, die frühere Prnce-Bassistin mit Begleitung, Funk,
Messehalle 3, Circle Stage 3.0. 

20 Uhr: Gastone, Frankfurter Band, spielt beim Musikmesse-Festival „Musik aus dem Bauch“ und „Pasta für die Ohren“ im Horst, Kleyerstraße 15.

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