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Dieser Ahorn ist nicht mehr zu retten. Er ist einer von 40 Bäumen im Frankfurter Grüneburpark, der gefällt werden muss.

Bäume in ganz Frankfurt betroffen

Extreme Trockenheit: Im Grüneburgpark sterben die Bäume 

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Durch die Trockenheit müssen tote und kranke Bäume in Frankfurt gefällt werden – in manchen Gebieten doppelt so viele wie sonst üblich.

Frankfurt - Im Frühjahr hat er noch einmal gegeben, was er konnte. Viel war das allerdings nicht mehr. An der Rotbuche im Frankfurter Grüneburgpark nahe des Spielplatzes hängen noch ein paar grüne schlaffe Blätter. Und viele vertrocknete braune. Ein letztes Mal hatte der etwa vierzigjährige Baum versucht auszutreiben. Doch es reichte nicht zum Überleben. „Er hat keine Chance“, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). „Das sieht sogar jeder Laie.“ Nun hilft alles nichts mehr. Der Baum ist nicht zu retten und muss gefällt werden.

Insgesamt müssen im Grüneburgpark 40 Bäume gefällt werden

So wie 39 andere im Grüneburgpark. Birken, Ahorne, Fichten, Robinien, Kiefern – allen setzt die extreme Trockenheit derart zu, dass sie sterben. „Regen wäre die Rettung“, sagt Heilig am Dienstagvormittag im Grüneburpark im Westend. Und zwar richtig viel Regen. Denn mal zwei verregnete Tage würden nicht reichen. „Es müsste drei bis vier Monate durchgehend regnen.“

Frankfurt war die heißeste Stadt Deutschlands im vergangenen Jahr. Die mittlere Temperatur betrug in Deutschland 10,4 Grad. Im Frankfurt Nordend waren es 12.9. Trockenstress pur für die Bäume. „Die Folgen von Trockenstress machen sich aber nicht im selben Jahr bemerkbar“, sagt Heilig. Sondern in den Folgejahren. Und die Umweltdezernentin sieht nicht, dass sich in Punkto Regen etwas ändert. Zudem ist Frankfurt für Bäume sozusagen ein schwieriges Pflaster. „Geologisch gesehen steht Frankfurt auf Kies und Sandauen“, sagt Heilig. Kein Boden also, der Wasser speichert. „Das Wasser rauscht sofort nach unten durch.“ Ein bisschen Regen reicht da einfach nicht. Durch die extreme Trockenheit „befinden wir uns in einer Krisensituation“, sagt Heilig.

Bäumesterben ist Folge des Hitzesommers 2018

Und zwar nicht nur im Grüneburgpark, in dem 40 von 2850 Bäumen gefällt werden müssen. In allen Grünanlagen und Parks, im Stadtwald und am Straßenrand. Überall herrscht Baumschwund, es muss gefällt werden. Und zwar viel mehr als üblich, sagt Stephan Heldmann, Leiter des Grünflächenamtes. Müssten im Jahr ansonsten 0,7 Prozent der Bäume weichen, sind es im Grüneburgpark nun mehr als doppelt so viele: 1,5 Prozent. Im Heinrich-Kraft-Park „gibt es den stärksten Ausfall“, sagt Heldmann. Fünf Prozent der Bäume müssen entfernt werden.

Denn durch die Trockenheit sind die Pflanzen auch geschwächt und anfälliger für Schädlinge und Krankheiten. Vier Ahorne wurden im Grüneburgpark bereits wegen der Rußrindenkrankheit beseitigt. Sie wird durch einen Pilz ausgelöst, der nicht nur den Baum schädigt, sondern dessen Sporen „lungengängig“ sind, sagt Heilig. Es kann zu Atemwegsbeschwerden beim Menschen kommen. Dann ist da noch der Borkenkäfer, „der in Hessen zugeschlagen hat“, sagt Heilig. Und im Stadtwald Kiefern und Fichten vernichtet.

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig vor einer Rotbuche, die der Trockenheit nicht standhalten konnte.

Zum einen müssen die geschädigten Bäume gefällt werden, damit sich etwa die Krankheiten nicht ausbreiten, zum anderen damit die Sicherheit der Menschen nicht durch umfallende Bäume gefährdet ist. Zwei Millionen Euro hat die Stadt in diesem ersten Halbjahr bereits für Baumarbeiten wie Fällen und Entfernen von Ästen ausgegeben. Vergangenes Jahr waren es im gleichen Zeitraum 1,2 Millionen Euro. „Auch die Kosten steigen“, sagt Heldmann.

Noch ist meist auf den ersten Blick in den Parks kein großes Trockendrama zu erkennen. Heilig schaut sich im Grüneburgpark um und zeigt auf eine Linde, einen Nussbaum, eine Birke und eine Kastanie. „Die sehen gut aus, als Laie könnte man meinen: Was wollen die eigentlich alle?“ Doch so einfach seien Krankheiten nicht auszumachen. Die Rußrindenkrankheit zeige sich etwa nicht sehr schnell an der Oberfläche. Auch die Massaria-Krankheit bei Platanen „erkennt man nicht von unten“.

Stadt will mehr Baumkontrolleure einstellen

Deswegen gibt es Baumkontrolleure, die sich die Pflanzen mit professionellem Blick anschauen und Tests durchführen können. Zehn sind im Stadtgebiet unterwegs, dazu kommen 15 Baumpfleger und zusätzlich dafür beauftragte Firmen. Das alles reicht aber nicht, um die 230 000 Bäume, um die sich das Grünflächenamt kümmert, im Blick zu haben. „Wir müssen noch mehr Baumkontrolleure einstellen“, sagt Heilig.

Nicht nur die Stadtverwaltung, auch die Anwohner des Grüneburgparks sorgen sich um die Bäume. Katharina Bornscheuer und Susanne Lindern von der Bürgerinitiative Grüneburgpark etwa. Sie haben versucht, die zum Fällen vorgesehenen Bäume im Park ausfindig zu machen. „16 haben wir gefunden, die sind auf jeden Fall mausetot“, sagt Lindner. Bornscheuer findet, dass Baumpatenschaften an die Bürger vergeben werden sollten. „Damit sich konsequent jemand um den Baum kümmert und ihn gießt.“ Ein Baum im Park macht den beiden besonders Sorgen: Bei ihm befinden sich Sandbienen im Boden. „Das wäre jammerschade, wenn die durchs Fällen verschwinden würden“, sagt Lindner. Bernd Roser vom Grünflächenamt will schauen, ob man „den Wurzelstock ausfräsen kann“. Damit die Bienen bleiben können.

Nur Regen kann helfen

Die Stadt hat auch schon versucht, Bäume medizinisch zu versorgen. Statt sie wegen einer Krankheit fällen zu müssen. Eine Rotbuche im Brentanopark etwa. Der ganze Wurzelbereich wurde freigelegt und probiert, die Krankheit dort zu behandeln. „Doch es ist nicht gelungen“, sagt Heilig. „Es hilft nichts anderes als Regen.“

Normalerweise pflanzt die Stadt nach, wenn Bäume gefällt werden. Das will sie derzeit aber nicht tun. Schon jetzt müssen die jungen Bäume gegossen werden, damit sie überleben können. Im vergangenen Jahr wurden 480 000 Euro dafür ausgegeben, um die rund 5000 jungen Bäume in der Stadt zu gießen. Das schaffte die Stadt gar nicht alleine, musste Fremdfirmen beauftragen, die Freiwillige Feuerwehr und das Frankfurter Entsorgungs- und Service Unternehmen (FES) mussten helfen. Junge Pflanzen aus der Baumschule nun einzusetzen, will keiner riskieren. „Wir werden die Entwicklung bis in den Herbst abwarten“, sagt Heilig. Ob dann die Niederschlagsmengen ausreichen, damit die Wurzeln gut austreiben können?

Wenn nicht genügend Regen gefallen ist, dann will die Stadt etwas Neues probieren: Baumarten pflanzen, die Trockenheit und Hitze besser aushalten können. Amberbaum etwa. Oder Ungarische Eiche. Spanische oder griechische Arten seien aber wenig sinnvoll auszubringen, sagt Heilig. Denn die Bäume müssen nicht nur einen heißen Sommer, sondern auch einen Spätfrost überstehen können. „Der Klimawandel ist da“, sagt Heilig. „Und wir stecken mittendrin.“

Niedrigwasserstände: Frankfurter Bäche sind trocken

Bei zahlreichen Frankfurter Bächen hat die anhaltende Trockenheit zu kritischen Niedrigwasserständen oder abschnittsweisem Austrocknen der Bachbetten geführt.

Die starke Erwärmung der Gewässer und eine geringe Wasserführung sind ein hoher Stressfaktor für das Ökosystem der Fließgewässer, Pflanzen und Tiere in den Bächen sind gefährdet.

Das Frankfurter Umweltamt bittet die Bürger, kein Wasser aus den Bächen zu entnehmen. Das Wasserrecht räumt zwar eine Entnahme durch Schöpfen mit Handgefäßen ein – unter dem Vorbehalt, dass keine Beeinträchtigung der Gewässer zu erwarten ist. Für die Entnahme mittels Pumpen muss in jedem Fall bei der Wasserbehörde eine Erlaubnis beantragt werden. sabu

Kampf gegen die Trockenheit: Paten gesucht

Kostenlose Gießkannen hat die Stadt Bad Vilbel wegen der anhaltenden hochsommerlichen Temperaturen und der Trockenheit verteilt. 100 Exemplare spendierte sie an Bürger, die den Straßenbaum in der Nähe mit Wasser versorgen wollten. Schon im vergangenen Jahr war die Pflege der Grünanlagen, insbesondere die Baumbewässerung, zum Problem geworden. Die Idee: Anwohner mit Gießkannen übernehmen Verantwortung und werden zum Teil eines Bewässerungsnetzes für die Bäume im öffentlichen Raum. Gleichzeitig schärft die Aktion den Sinn für das öffentliche Grün in der Stadt.

Automatisierte Bewässerung hat Wiesbaden in einzelnen zentralen Grünflächen installiert. Die Tröpfchenbewässerung soll nachhaltige Schäden in den Staudenflächen verhindern. Zum Schutz vor den Folgen von Starkregen will sie Bachläufe renaturieren.

Baumpaten sucht die Stadt Flörsheim. Dem Bauhof fehle das Personal, um alle Straßenbäume zu wässern. Aufgrund der damit verbundenen fortschreitenden Trockenheit müssten sie vor dem Vertrocknen geschützt werden. Besonders viel Wasser benötigten die neu gepflanzten Bäume und Jungpflanzen am Straßenrand. Nach der extremen Trockenperiode im vergangenen Sommer seien sie sehr anfällig. Auch der Altbaumbestand sei in Gefahr. Damit das Wasser an die Wurzeln der Bäume vordringen kann, sei ein langsames Angießen sinnvoll bis die Feuchtigkeit in den Boden eingezogen ist. Empfohlen wird eine Wässerung in den frühen Morgenstunden oder am Abend, damit das Nass bei hohen Temperaturen nicht verdunstet. jur

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