+
Nur das Reifenabrollen ist zu hören: Elektrobus im Test.

Verkehr

Traffiq testet Elektrobus in Frankfurt

  • schließen

Traffiq testet „ieTram“ auf der Linie 75. Die Ladetechnik soll im neuen Betriebshof installiert werden.

Katja Lennig hievt den Kinderwagen am Montagmorgen in den schwarzen Elektrobus, der auf der Linie 75 zwischen Campus Westend und Bockenheimer Warte fährt. Der Gelenkbus ist mit 18 Metern deutlich länger als die Elektrobusse, die seit Dezember auf der Linie fahren. Er hat drei Stellflächen für Kinderwagen, Räder und Rollstühle. 155 Fahrgäste können stehen oder sitzen. Außerdem fährt er elektrisch.

„Das gefällt mir besonders gut, neben den Abstellflächen“, sagt Katja Lennig. Sie wohne an der Strecke der Linie 75. Seit die neuen Elektrobusse führen, sei es deutlich leiser geworden, sagt sie.

Noch bis Donnerstag fährt die „ieTram“ des spanischen Herstellers Irizar durch die Stadt. Danach will die Nahverkehrsgesellschaft Traffiq weitere Fahrzeuge testen. Ob sich der 18 Meter lange Gelenkbus eignet oder ein zwölf Meter langer elektrischer Standardelektrobus, will Traffiq herausfinden, und ob die Reichweite genügt. Zuletzt hatte Traffiq ein Konzept veröffentlicht, nach dem der Busverkehr in der Stadt bis 2030 komplett mit Strom oder Wasserstoff betrieben werden kann.

Doch alternative Antriebe brauchen alternative Technik. Die „ieTram“ zum Beispiel wird mit einem Stromabnehmer, auch Pantograf genannt, geladen. Das dauere etwa zehn Minuten für eine 80-prozentige Ladung der Batterie, sagt der Verkehrsexperte Frank Nagel von der Frankfurter CDU. Während dieser Gelenkbus eine Reichweite von 80 Kilometer habe, kämen andere Elektrobusse nach Angaben des spanischen Unternehmens mit einer Ladung bis zu 250 Kilometer weit.

Elektrobus hat Reichweite von bis zu 150 Kilometern

Die Elektrobusse Solaris Urbino 12 electric, die auf der Linie 75 fahren, hätten eine Reichweite von bis zu 150 Kilometern. Sie müssen im Betriebshof der städtischen Busgesellschaft ICB nachts an die Steckdose.

Wasserstoffbusse gibt es in Frankfurt bislang nicht. Sie haben laut Nagel eine Reichweite von rund 350 Kilometern, sind dafür aber teurer als Elektrobusse, die wiederum teurer als Dieselbusse sind.

Auch der neue Betriebshof der ICB (In-der-City-Bus) soll für alternative Ladetechnik sorgen. Bislang ist die ICB am Rebstock untergebracht, soll aber umziehen, weil die Stadt dort Wohnflächen entwickeln will. Ein neuer Standort ist dem Vernehmen nach gefunden. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) will ihn nach Ostern bekanntgeben. Am neuen Standort müsste neben der Dieseltankstelle auch für die Ladung der Elektrobusse per Steckdose, Induktion oder Pantograf gesorgt werden beziehungsweise für die Versorgung mit Wasserstoff, falls dafür nicht auf die vorhandene Infrastruktur zurückgegriffen wird. Wasser tanken kann jedermann schon jetzt bei Shell an der Hanauer Landstraße 334 und bei Agip in der Otto-Horn-Straße im Süden des Industrieparks Höchst.

Die Größe des neuen Betriebshofs hängt auch damit zusammen, ob die Stadt weitere Buslinien rekommunalisiert, also nicht mehr öffentlich ausschreibt. Die Stadt hatte zuletzt beschlossen, die Hälfte der Buslinien direkt an die ICB zu vergeben. Insgesamt fahren rund 350 Busse durch die Stadt.

Mit welchem Antrieb die Busse fahren, ist für manche Fahrgäste nicht so relevant. „Ich finde es wichtiger, dass sie groß genug sind und viele Fahrgäste hineinpassen. Ob die Busse elektrisch sind, ist mit egal“, sagt die 22-Jährige Yaren, die Grundschullehramt studiert. Der 23 Jahre alte Informatikstudent Ivo sagt zum Erscheinungsbild der „ieTram“: „Wie der Bus aussieht, ist mir egal, Hauptsache, er fährt.“

Lesen Sie auch:

Probefahrt mit dem E-Bus: Beim 5. Tag der Elektromobilität präsentieren Privatpersonen, Initiativen und Unternehmen bewährte und innovative Lösungen für die Fortbewegung

Erster E-Bus in Darmstadt im Einsatz: Heag Mobilo beginnt mit dem Testbetrieb

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare