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Bei Touristen aus Asien ist Frankfurt sehr beliebt.

Tourismus in Frankfurt

Wie der Tourismus in Frankfurt wachsen soll

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Die Stadt Frankfurt will ihr Profil als Tourismusdestination schärfen. Helfen soll ein Masterplan, der Strategien aufzeigen soll, wie der Tourismus mit Qualität wachsen kann.

Die Stadt Frankfurt lässt einen Masterplan für die künftige touristische Entwicklung erstellen. Zwei Büros sollen die Stärken und Schwächen des Standorts analysieren und helfen, das touristische Image der Stadt zu schärfen und Strategien zu erarbeiten, wie der Tourismus in der Stadt mit Qualität wachsen kann. Das Konzept soll bereits in einem Jahr vorliegen. Bezahlt wird es aus Mitteln des Tourismusbeitrags.

Die Ausgangssituation ist prima. Getrieben von einem weltweiten Trend zu Städtereisen und einem wachsenden Tagungs- und Kongress-Geschäft ist die Zahl der Übernachtungen in Frankfurt in den vergangenen Jahren auf immer neue Rekordwerte gestiegen. Vergangenes Jahr verkauften die Frankfurter Beherbergungsbetriebe erstmals mehr als zehn Millionen Übernachtungen. Und noch ist trotz abschwächender Konjunktur und internationaler Krisen kein Ende dieses Trends abzusehen. Kein Wunder, dass Investoren in großem Stil neue Hotels in der Stadt planen und bauen.

Schon die Bestandsanalyse zeigt aber, wie Cornelius Obier vom Büro „Projekt M“ am Dienstag beim Frankfurter Tourismustag im Römer sagte, durchaus noch Entwicklungspotenziale und Herausforderungen. Der Berater wies etwa darauf hin, dass gerade kleinere Großstädte zuletzt noch stärker an Übernachtungen zugelegt haben als Frankfurt, Frankfurt also Marktanteile verliert. In Bewertungsportalen schneide die Stadt sogar unterdurchschnittlich bei Touristen ab.

Ziel der Arbeit, die das „Projekt M“ gemeinsam mit dem Büro „Dwif“ angeht, werde es sein, eine klare Vision zu entwickeln, wofür Frankfurt inhaltlich stehen soll, sagte Obier. Es gelte, das Profil des Tourismusstandorts noch deutlicher herauszuarbeiten.

Zunächst soll eine Potenzialanalyse erstellt werden. Für diese werden 500 Frankfurter Übernachtungsgäste und 1500 Menschen außerhalb Frankfurts befragt und die Ergebnisse mit denen anderer Städte verglichen. Als deutsche Städte, mit denen sich Frankfurt touristisch vergleichen kann, gelten dabei Hamburg, Köln und Düsseldorf, international gelten Brüssel, Wien und Zürich als potenzielle Benchmarks. Stark beschäftigen wollen sich die Büros zudem mit den Zielgruppen für Aufenthalte in Frankfurt. Ziel ist es, diese mit verschiedenen Marketingformaten gezielter ansprechen zu können.

In einem zweiten Schritt soll eine Positionierungsstrategie erarbeitet werden. Dabei wird es, wie Obier erläuterte, darum gehen, herauszuarbeiten, mit welchen Angeboten sich Frankfurt von den Wettbewerbern unterscheidet, und Entwicklungsziele zu benennen. Am Ende sollen eine Strategiekarte sowie Schlüsselprojekte stehen, mit deren Hilfe diese Ziele erreicht werden können.

Instagram-Motive wichtig

Hinweise, wie Frankfurt attraktiv für Reisende bleiben kann, gab Zukunftsforscher Andreas Reiter. Dieser wies im Römer etwa auf die riesige Bedeutung der „Millenials“, der heute 18- bis 34-Jährigen hin. 60 Prozent der chinesischen Auslandsreisenden seien in diesem Alter. Die erste Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist, reise anders. So sei es für 40 Prozent der Reisenden in dem Alter entscheidend, dass eine Destination „instagramfähige Orte“ zu bieten hat, also Fotomotive, die sich gut über soziale Netzwerke teilen lassen.

Immer mehr Touristen suchten das Besondere, also bedeutungsvolle Erlebnisse. Gleichzeitig gebe es einen Trend, dass Reisende sich gern als „Einheimische auf Zeit“ fühlen, den Alltag einer Stadt erspüren wollen. Frankfurt könne mit seiner neuen Altstadt unter anderem vom „Zeitalter der Nostalgie“, der Sehnsucht nach dem Alten, Dauerhaften profitieren, sagte Reiter.

Der Frankfurter Tourismuschef Thomas Feda kündigte an, dass sich die Stadt mit Hilfe eines Start-ups stärker mit der Besucherlenkung beschäftigen werde, also der Frage, wie sich die Touristen über die Stadt verteilen, was genau sie sich ansehen in Frankfurt. Die Ergebnisse flössen in ein neues touristisches Leitsystem ein, sagte er.

Feda sprach zudem davon, die Werbung für die Touristendestination Frankfurt/Rhein-Main neu aufzustellen. Eng zusammenarbeiten will Frankfurt dabei mit den Landkreisen Groß-Gerau und Offenbach, dem Wetteraukreis und den Städten Darmstadt, Hanau und Offenbach. Die Arbeit werde künftig zudem hauptamtlich betrieben, sagte Feda.

Zahlen

Die Zahl der Gästeund Übernachtungen in den Frankfurter Beherbergungsbetrieben ist neun Jahre in Folge gestiegen. Und alles spricht dafür, dass das Jahr 2019 mit dem zehnten Tourismusrekord in Folge endet. 

Tourismuschef Thomas Fedarechnet damit, dass die Hoteliers in diesem Jahr 10,6 bis 10,7 Millionen Übernachtungen verkaufen könnten. Allein im September wurden mehr als 960 000 Übernachtungen gezählt. Noch im Jahr 2008 wurden lediglich 7,5 Millionen Übernachtungen verkauft. 

Nur Berlin, München und Hamburgziehen noch mehr Übernachtungsgäste an als Frankfurt. In keiner deutschen Großstadt ist das Übernachtungsaufkommen pro Einwohner so hoch wie in Frankfurt. Kleinere Großstädte wie Fürth, Recklinghausen, Wolfsburg und Kiel haben die Übernachtungszahlen zuletzt aber noch stärker steigern können als Frankfurt. 

Frankfurtprofitiert vom starken Messe- und Tagungsgeschäft, aber auch vom stark gestiegenen Städtetourismus. Sehr gut läuft das Geschäft mit Reisenden aus dem Inland. Wichtigster Auslandsmarkt sind die USA. 

Die Bettenzahlist zuletzt stärker gestiegen als die Zahl der Übernachtungen. Entsprechend sinkt die Auslastung leicht. Ende August gab es bereits 308 Beherbergungsbetriebe in Frankfurt mit zusammen mehr als 59 314 Betten. Und viele große Häuser sind in Bau oder geplant.  

Nun hat eine Statistik belegt: Zahlreiche Klischees über Frankfurt stimmen tatsächlich.

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