Mehr als 4000 Personen haben bislang eine Petition für den Erhalt der Städtischen Bühnen unterschrieben.
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Mehr als 4000 Personen haben bislang eine Petition für den Erhalt der Städtischen Bühnen unterschrieben.

Erhalt der Bühnen

Tausende unterschreiben für den Erhalt der Bühnen in Frankfurt

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Eine Initiative will den Abriss von Oper und Schauspiel verhindern und bekommt Unterstützung – Tausende haben bereits eine Online-Petition unterschrieben.

Der Abriss der Städtischen Bühnen in Frankfurt ist beschlossen. Aber das ging Philipp Oswalt zu schnell. Den Stadtverordneten im Römer hätten nur fünf Seiten Presseinformation und einige Powerpoint-Folien vorgelegen, bevor sie Ende Januar über das Ende der Theaterdoppelanlage von ABB-Architekten am Willy-Brandt-Platz abstimmten, sagt der Architekturtheoretiker, der an der Uni Kassel lehrt. Eine 16-seitige Begründung, die auch Varianten zum Neubau enthält, wurde den Stadtverordneten erst zehn Tage später nachgereicht.

Gemeinsam mit weiteren Initiatoren hat Oswalt die Petition „Zur Zukunft der Städtischen Bühnen in Frankfurt am Main“ auf change.org ins Leben gerufen. Mehr als 4000 Bürgerinnen und Bürger haben mittlerweile unterschrieben, darunter zahlreiche Architekten, Theatermacher, Wissenschaftler, Künstler und Kuratoren. Aus Frankfurt sind die Grünen-Politiker Tom Koenigs und Rupert von Plottnitz sowie DJ Ata Macias mit dabei.

Website zur Theateranlage

Petition

Website der Initiative: www.zukunft-buehnen-frankfurt.de

Die Städtischen Bühnen abzureißen zeuge von „Geschichtsvergessenheit“, sagt Oswalt. „Dieses Haus mit der tiefsten Sprechtheaterbühne der Republik, mit dem Foyer, aus dem der Blick auf die benachbarte Skyline der Finanzwelt fällt, mit den verwinkelten Gängen und unterschiedlichen Deckenhöhen, die sich nicht zuletzt aus dem Ineinander mehrerer Theaterbauten und der mit ihnen verbundenen Vorstellungen ergeben, bildet als solches – buchstäblich verbautes Gebäude – die Geschichte ab, die sich an diesem Ort abgespielt hat.“

Mit einer neuen Website wollen Oswalt und die weiteren Initiatoren Maren Harnack (Frankfurt University of Applied Sciences), Carsten Ruhl und Nikolaus Müller-Schöll (beide Goethe-Universität Frankfurt) die Bürgerinnen und Bürger über die Theateranlage informieren. Im Winter sind Veranstaltungen zur künftigen Konzeption des Theaters, zum Künstler Zoltán Kemény, der das Wolkenfoyer erschaffen hat, und zum Interim geplant.

Denkmalwert soll geklärt werden

An die Politik stellen die Initiatoren mehrere Forderungen. So sollen die Abschlussberichte des Planungs- und Evaluierungsteams unverzüglich veröffentlicht werden. Eine unabhängige Kommission aus Theaterproduzenten und -rezipienten soll in einem öffentlichen Dialog eine Konzeption entwickeln, was die Spielstätte künftig ausmachen soll. Der Denkmalwert der Theateranlage soll zeitnah geklärt werden, einschließlich der Kunst am Bau. Auch soll die Politik prüfen lassen, ob sich ein Teilneubau bei weitgehendem Erhalt der denkmalwerten Bauteile errichten lasse. Die Politik müsse auch darlegen, wo das Produktionszentrum hinkommen solle. Für ein Operninterim seien die Varianten zu prüfen.

Die CDU im Römer dämpfte die Erwartungen. „Wir teilen die Wertschätzung für die traditionsreichen Bühnenanlage am Willy-Brandt-Platz und hätten uns eine Sanierung gewünscht“, sagte deren kulturpolitischer Sprecher Thomas Dürbeck. Aber schon die Machbarkeitsstudie von 2017 sei von einer 13-jährigen Sanierung im laufenden Betrieb bei Kosten in Höhe eines Neubaus ausgegangen. Die Stabsstelle sei zum gleichen Ergebnis gekommen. Die Abschlussberichte solle die Stabsstelle indes veröffentlichen, sagte er. Das Großprojekt müsse für Bürgerinnen und Bürger transparent sein.

Kay Voges wäre zurzeit eigentlich als Regisseur für die Bühnen Frankfurt tätig. Im Interview spricht er darüber, wie die Corona-Krise das Theater verändert.

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