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Das Bühnenbild für „Rodelinda“ von Georg Friedrich Händel in der Oper Frankfurt.

Städtische Bühnen

Städtische Bühnen Frankfurt: „Nicht mit Ängsten spielen“

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Die Frage nach Interims-Spielstätten der Bühnen bleibt unbeantwortet.

Es ist ein Thema, das kulturpolitische Sprengkraft birgt. „Ich bin höchst sensibilisiert“, sagt Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Es geht um die Frage, wohin der Betrieb der Städtischen Bühnen ausweicht, wenn am Willy-Brandt-Platz neue Gebäude für Oper und Schauspiel entstehen. Schauspiel-Intendant Anselm Weber hatte kürzlich im Gespräch mit der FR von den Kommunalpolitikern energisch Antworten auf diese Frage gefordert.

Die Kulturdezernentin und der Leiter der Stabsstelle Städtische Bühnen, Michael Guntersdorf, liefern am Dienstag erste Antworten auf die Frage nach dem Interim. Sie werden dem Schauspiel-Intendanten nicht gefallen haben. Denn Guntersdorf geht davon aus, dass es in jedem Fall das Schauspiel ist, das den Bauarbeiten weichen muss. Die Oper soll während der Bauarbeiten auf die Schauspiel-Bühne umziehen.

Guntersdorf schätzt die Dauer des nötigen Interims auf sechs Jahre. „Ich werde keiner Interims-lösung zustimmen, die das künstlerische Niveau der Bühnen einschränkt“, sagt die Kulturdezernentin entschlossen. Das hört sich gut an, aber ist es auch realistisch?

Hartwig erwähnt das Beispiel der Stadt Köln. Dort sind die Bühnen während der Sanierung auf bis zu 30 verschiedene Standorte ausgelagert. „Das ist Chaos pur“, urteilt die Frankfurter Kulturdezernentin. Zu solchen Verhältnissen dürfe es in Frankfurt auf keinen Fall kommen.

Hartwig und Guntersdorf präsentieren keine Lösung

Die vom Schauspiel-Intendanten geforderten konkreten Lösungen für das Interim legen Hartwig und Guntersdorf nicht vor. Eher machen sie deutlich, was nicht geht.

Zum Beispiel die diskutierte Auslagerung des Bühnenbetriebes in eine Halle auf dem Frankfurter Messegelände. In den Augen des erfahrenen Projektentwicklers und gelernten Architekten Guntersdorf ist das unrealistisch. Das Messegelände unterliege „besonderen Sicherheitsauflagen“.

Der Kommentar: Schlüssige Lösung

Auch beim Bockenheimer Depot reagiert Fachmann Guntersdorf sehr zurückhaltend. Hier geht es um die Frage, ob die heutige kleine Spielstätte von Oper und Schauspiel so erweitert werden könnte, um als Ausweichstandort für das Schauspiel insgesamt zu dienen.

Er erstattete Bericht: Michael Guntersdorf.

Etwas überraschend warnt die Kulturdezernentin an dieser Stelle davor, „Stimmung zu machen und mit Ängsten zu spielen“. Am Ende gar „Wahlkampf zu machen“ mit Blick auf die Kommunalwahl 2021.

Ob sich diese Warnung an Schauspiel-Intendant Weber richtet? Es bleibt offen. Der Stadträtin ist wohl bewusst, dass die Stimmung unter den 1200 Beschäftigten der Städtischen Bühnen nicht gut ist.

Sie verspricht in jedem Fall „Eine gute Interimslösung“, was immer das auch heißt. Repertoire-Theater müsse an diesen Standorten auch künftig „möglich sein“. Es brauche „eine gute Lösung für die Künstler“, sagt Hartwig noch einmal. Die Interims-Spielstätten müssten in jedem Fall in der Frankfurter Innenstadt liegen. „Sonst verlieren wir Publikum.“

Tatsächlich: Oper und Schauspiel Frankfurt haben viel zu verlieren. Sie stehen künstlerisch und wirtschaftlich gut da. Die Auslastung des Schauspiels liegt bei 91 Prozent, die Oper freut sich über 83 Prozent.

Sowohl Opern-Intendant Bernd Loebe wie auch Schauspiel-Chef Anselm Weber hatten sich unlängst öffentlich über die Folgen der städtischen Sparpolitik beklagt. Loebe forderte eine Vergrößerung des Opern-Orchesters und eine bessere Bezahlung der Musiker, die zum Teil auf Wohngeld angewiesen seien, um eine Unterkunft in Frankfurt zu finanzieren. Weber machte deutlich, dass die Sparvorgaben der Kommune die Arbeitsmöglichkeiten deutlich beschränken. Doch auf diese Kritik geht Dezernentin Hartwig vor den Journalisten nicht ein.

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