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Drehen ist beim Squaredance wichtig, und die Kamera kann das durch bewusste Unschärfe noch unterstützen.

Spring Jubilee

Squaredancer treffen sich in Frankfurt

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700 Squaredancer treffen sich zum „Spring Jubilee“ in Frankfurt.  Eine so genannte „Callerin“ gibt die Figuren vor.

Right Hand-Star. Drive through. Four-Ladies-Chain“ – das sind einige der Fachausdrücke. 700 Squaredancer aus ganz Europa feiern beim „Spring Jubilee“ in Ginnheim. Was für Zuschauer fast meditativ wirkt, fordert beim Mitmachen höchste Konzentration: Beim Squaredance formieren sich Tänzer in Achtergruppen zum selben Muster – ähnlich einem Kaleidoskop. Die Farben liefern vor allem die bunten, weit ausgestellten Röcke der Frauen, die zum Rhythmus der Musik schwingen. Die Bewegungen sind fließend und schnell.

Damit die rund 200 Tänzer in der „Gudd Stubb“ am vergangenen Samstagnachmittag wissen, welche Figur als Nächstes getanzt wird, steht „Callerin“ (Ansagerin) Michi Unterberger auf einer Bühne in der größten Halle des Sportcampus der Goethe-Universität in Ginnheim. Dort fand das ganze Wochenende über das „Spring Jubilee“ statt, zu dem mehr als 700 Squaredancer aus ganz Europa angereist sind. In einer Art Sprechgesang bindet die Österreicherin die Ansagen in das Pop-Lied „Blurred Lines“ ein: „Weave the ring, make an ocean wave and swing through.“ Das sei das Tolle am Squaredance, findet Debora Rieser vom Verein „Beaux & Belles“ aus Preungesheim. „Kaum einer kennt sich hier, aber die Tanzfiguren sind universal.“

Knapp 70 Figuren – Kreise, Sterne, Wellen oder Wege – müssen für den Grundkurs wie Vokabeln auswendig gelernt werden. Beim „Spring Jubilee“ beherrschen sie alle, deshalb ist die Stimmung beim Tanzen ausgelassen. „Pass through, chase left, swing her now.“ In diesem Jahr wurde die Veranstaltung von den „Witches und Wizzards Rodgau“, den „Bernemer Squeezers“ und dem Preungesheimer Club „Beaux & Belles“ ausgerichtet.

Squaredance vereint verschiedene Volkstänze miteinander; viele haben die europäischen Einwanderer nach Amerika gebracht. Dort gehört der Gruppentanz zum Kulturgut und ist vor allem in den ländlichen Regionen beliebt. „Während des Zweiten Weltkriegs brachten die Amerikaner den Squaredance nach Deutschland“, weiß Daniela Schell. „Schon Mitte der 50er Jahre wurde ,Beaux & Belles‘ gegründet. Damals hat man sich noch in den Militäranlagen getroffen. Auch als ich in den 80ern damit anfing, gab es nur Kurse auf Englisch.“

Die rund 100 Mitglieder von „Beaux & Belles“ treffen sich jeden Freitagabend ab 19 Uhr im Haus Ronneburg im Preungesheimer Zentrum. Für Sabine Lepper ist das der perfekte Wochenabschluss. „Das ist Kopfsache. Man muss sich so konzentrieren, da vergisst man alle Sorgen“, sagt sie. Sie sei über Western-Musik auf den Tanz gestoßen. „Aber Squaredance passt zu jeder Musik, es kommt nur auf den Takt an.“

Dresscode Westernlook

Von Fats Domino bis Andreas Gabalier – die Bandbreite der Musik in den sechs Hallen ist groß. Nicht nur der klassische Squaredance, sondern auch seine Variationen und verwandte Tänze werden angeboten. „Beim Contra steht man sich in zwei Reihen gegenüber“, erklärt Debora Rieser. Sie tanzt seit ihrer Kindheit und beherrscht alle Tänze. „Clogging – der Name kommt von den holländischen Clogs – ist eine Art Stepptanz. Ich tanze am liebsten Round, einen Paartanz.“

Nur im „Gerippte“ beim Clogging tragen die Teilnehmer Sportkleidung. Auf dem restlichen Areal herrscht ein ganz bestimmter Dresscode. Regina Konway und ihr Mann betreiben in Obertshausen einen Squaredance-Shop und sind beim „Spring Jubilee“ mit einem Stand vertreten. „Die Herren tragen Westernlook mit markantem Gürtel.“ Zum Hemd gehöre eine Bolotie – eine Art Krawatte aus Schur mit dekorativer Brosche. „Die Damenkleider nähe ich selbst. Wichtig sind der Petticoat, der Gürtel und das Strumpfband.“ Die Motive: Federn und Blumen, Hufeisen, Pferde und Indianermuster.

„Klar gibt es welche, die amerikanischen Livestyle mögen oder Countryfans sind“, sagt Daniela Schell. Den meisten hier gehe es nur aber um den Tanz, den Spaß und die Begegnung. Das sieht man spätestens, wenn es heißt: „Pass the Ocean, Four-Ladies-Chain“.

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