+
Ramona Zirk in ihrem Laden für Selbstgemachtes.

Ausstellerin bei "Kreativ Welt"

Die Selbermacherin: Ramona Zirk vom „Oständ“

  • schließen

Selina Zirk ist Künstlerin aus Frankfurt: Mit allerlei Techniken erstellt sie liebevoll Handgemachtes. Auch bei der "Kreativ Welt" stellt sie aus.

Frankfurt - Es fing mit einem Turnbeutel an. Da war Ramona Zirk 20. Unbedingt wollte sie damals einen Turnbeutel haben. „Doch es war wie oft kein Geld für so etwas da“, sagt die heute 30-Jährige. Da drückte ihr die Mutter ein altes Hemd in die Hand, erklärte ihr, wie die Nähmaschine funktioniert, und sagte, sie solle mal machen. Und sie machte. „Dinge selber zu machen, das gab es bei uns schon immer.“

Ramona Zirk stellt bei der "Kreativ Welt" in Frankfurt aus 

Zirk hat das beibehalten. Aus Malervlies, alten Vorhängen und Sofas nähte sie Rucksäcke. Und sie lernte auch neue Handarbeitstechniken dazu. Inzwischen betreibt sie mit vier anderen den Kreativ-Store „Oständ“ an der Sonnemannstraße. In einem ehemaligen Autolackebetrieb gibt es Zirks Werke zu kaufen. Aquarelle etwa – gemalt hat sie schließlich auch schon immer gerne –, Kissen, Wandbilder und Mäppchen, die mit der Punchneedle hergestellt wurden, Linoldrucke, selbst geschnitzte Stempel. Bei der Messe „Kreativ Welt“ in Frankfurt wird sie von Donnerstag bis Sonntag an ihrem unter anderem ihre Do-it-yourself-Sets anbieten. „Die sind der Renner“, sagt sie.

Denn schließlich gibt es viele Selbermacher wie sie. Aber nicht immer ist es leicht, eine neue Handarbeit auszuprobieren. „Dann kauft man viel zu viel oder das Falsche und stellt dann fest, dass es einem nicht liegt“, sagt sie. Das ging ihr schließlich schon selbst so. Mit dem Stricken hat sie angefangen, sich alles an Materialien besorgt – und es dann wieder sein lassen. „Ich bin dafür zu ungeduldig, das dauert mir zu lange“, erläutert Zirk und rutscht wie zum Beweis unruhig auf dem Stuhl am selbst gebauten Tisch im Oständ herum. „Ich brauche schnell ein Ergebnis.“

Franfurt: Ramona Zirk stellt Punchneedle-Kunst bei "Kreativ Welt" aus

Bei ihr gibt es die DIY-Sets für Punchneedle, Linoldruck und Bienenwachstücher. „Da ist alles drin, was man braucht, und man kann ohne Frust starten.“ Etwa mit der Punchneedle. Wer noch nie davon gehört hat: „Das ist Malen mit Wolle“, sagt Zirk und zeigt das Wollbild eines schwarz-weißen Schwertwals. Muster und Motive werden mit einer Stanznadel in Schlaufen gestickt. „Vor zwei Jahren hatte noch niemand davon gehört, jetzt schwappt das aus den USA herüber“, berichtet sie. „Da stürzen sich gerade alle drauf.“

Kissen, Teppiche, Wandbehänge kann man damit herstellen. Zirk macht daraus auch Aufnäher für Kinderkleidung. Seit eineinhalb Jahren ist sie Mutter eines Sohnes und der Alltag mit Kind verschafft ihr viele neue Inspirationen. Ein Babybuch hat sie illustriert, in dem Eckdaten der ersten Lebensmonate festgehalten werden können. Eine Tasche für Windeln genäht, damit alles Wesentliche fürs Wickeln direkt zur Hand ist. Und dann ist da noch Detlef.

Kreativa in Frankfurt: Kunst ist "sehr befriedigend"

Zirk springt auf und zerrt Detlef aus dem Regal. Detlef ist eine Bettwurst. Oder viel mehr: ein gestopfter Bettdackel. 2,70 Meter lang, aus verschiedenen Stoffmustern, weich gefüllt. Ihr Sohn schläft auch gerne mit dem Bettdackel im Arm ein. Sie hat Detlef entworfen und die ersten Exemplare selbst genäht. „Andere machen Yoga, ich nähe eben“, sagt sie. Es sei eine Art Meditation. „Man denkt nicht dabei, das ist eine große Genugtuung.“ Und am Ende etwas in der Hand zu halten, sei „sehr befriedigend“.

Aber Detlef geht nun in Produktion. Zirk lässt sie ihn in der Mode-Kreativ-Werkstatt des Diakonischen Werks in Frankfurt herstellen. Dort nähen Frauen, die lange keine Arbeit hatten. „Sie bekommen die Möglichkeit, wieder Fuß zu fassen“, sagt sie.

Zirk ist in der bayrischen Rhön aufgewachsen. Mit 16 Jahren kam sie nach Frankfurt, machte im Palmengarten eine Ausbildung zur Gärtnerin für Zierpflanzenbau. Dann studierte sie Landschaftsarchitektur. Von Anfang an wohnte sie im Ostend. Eigentlich mag Zirk das Ostend, „aber so langsam nicht mehr“, sagt sie. „Es macht eine 180-Grad-Drehung.“

Kreativa in Frankfurt: "Oständ" vor Problemen

Durch die großen Scheiben des Oständs blickt sie direkt auf die Türme der Europäischen Zentralbank. Manchmal kommen Mitarbeiter herüber und kaufen ein Abschiedsgeschenk für einen Kollegen. Eines ihrer Frankfurt-Aquarelle zum Beispiel. „Früher bin ich gerne an den Main runter und habe da gemalt“, erzählt sie. Jetzt nicht mehr. Es ist ihr zu voll dort.

Sie mag alte Dinge. Alte knorrige Bäume, „die haben Charakter“. Und alte Möbel, alte Gebäude, den alten Boden im Oständ mit den Farbklecksen, die von der Geschichte des Raums mit Autolacken erzählen. Das alles hat für sie Charme. Doch ihr kommt es so vor, als müsse „alles gehen, was ich im Ostend mal schön gefunden habe“, bedauert sie.

Die Arbeiter können die Mieten nicht mehr bezahlen. Alte Cafés und Wirtshäuser auch nicht. Sie werden ersetzt durch neue, schicke Cafés und Wirtshäuser. Zirk kennt das Problem aus eigener Erfahrung. Das Oständ ist nur vorübergehend in den Räumen an der Sonnemannstraße untergekommen. Bis Dezember. Dann wird saniert. Danach ist es zu teuer. „Neue Räume zu finden, ist schwer“, befürchtet sie.

Vor Kreativa: In Frankfurt ist alles unbezahlbar

Nicht nur für das Oständ. Auch zum Wohnen. Die Dreizimmerwohnung mit den vielen selbst gemachten Möbeln – denn auch ihr Mann, ein Elektrotechnikingenieur, bastelt gerne – wird irgendwann zu klein sein. „Wir wollen ein Haus mit Garten und Werkstatt“, sagt sie.

Der Garten muss sein wegen der Liebe zu den Pflanzen. Eine Werkstatt muss sein wegen der Liebe zum Selbermachen. In Frankfurt alles unbezahlbar. „Wir werden hier wohl alles abbrechen müssen und zurück aufs Land ziehen.“

Noch bietet sie aber Workshops im Oständ an. Auch auf der „Kreativ Welt“ wird sie Besucherinnen und Besuchern beibringen, wie das mit der Punchneedle funktioniert. Und sie wird Bienenwachstücher mit ihnen herstellen. Dabei werden Stoffe bedruckt und mit einer Bienenwachs-Jojobaöl-Mischung beschichtet. Dann können die Tücher wie Frischhaltefolie genutzt werden – aber sie sind immer wieder zu verwenden. Es entsteht kein Plastikmüll. „Nachhaltig und vegan, da stürzen sich die Leute drauf“, sagt Zirk. Zumindest in Frankfurt. „Ich bin nicht sicher, ob man Punchneedle-Workshops wirklich auch auf dem Land braucht.“

Auf der Messe „Kreativ Welt“ gibt es Materialien und Inspirationen für Selbermacher. In rund 170 Workshops geht es ums Basteln, Backen, Handarbeit, Deko, Schmuck, Mode - und um aktuelle Trends.

Von Sandra Busch

Die Messe

„Kreativ Welt“ wird von Donnerstag, 31. Oktober, bis Sonntag, 3. November, auf dem Messegelände, Halle 1, veranstaltet. Der Eingang City liegt an der Ludwig-Erhard-Anlage 1.

Geöffnet ist die Messe von Donnerstag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr, am Sonntag von 10 bis 17 Uhr.

Die Tageskarte kostet 12 Euro, ermäßigt 9 Euro, Kinder unter 6 Jahren zahlen keinen Eintritt, die Zwei-Tages-Kombikarte gibt es für 16 Euro, ein Nachmittagsticket (Donnerstag oder Freitag ab 15 Uhr) kostet 8 Euro. Auf der Internetseite www.kreativ-welt.de gibt es alle Karten für einen Euro weniger.

Die Veranstaltung wird ausgerichtet von der Mediengruppe Frankfurt, zu der auch die Frankfurter Rundschau gehört. Die FR ist Medienpartner.

Ramona Zirk hat einen Stand unter ihrem Label „Halfbird“ in Halle 1.2, H10A. Das Oständ befindet sich in der Sonnemannstraße 73. Öffnungszeiten: Mittwoch und Donnerstag von 12 bis 19Uhr, Samstag von 11 bis 14 Uhr. http://oständ.de

Den Workshop „Punchneedle für Einsteiger“ bietet Ramona Zirk an allen vier Messetagen an: Donnerstag 11 Uhr, Freitag 15 Uhr, Samstag 11 Uhr und 14.30 Uhr, Sonntag 13.30 Uhr. Dauer 2,5 Stunden, Kosten 39 Euro, Anmeldung vor Ort möglich oder unter www.halfbird.de/workshops/.

Der Workshop „Stoff bedrucken und Bienenwachstücher herstellen“ findet statt am Donnerstag um 15 Uhr, Freitag und Sonntag um 10.30 Uhr, Dauer 1,5 Stunden, Kosten 35 Euro, Anmeldung vor Ort möglich oder unter www.halfbird.de/workshops/. sabu

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare