Schulen öffnen wieder

Schulstart in Frankfurt inmitten der Corona-Krise: Das Abstandhalten fällt schwer

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Zurück an der Schule müssen sich Schülerinnen und Schüler erst an neue Regeln gewöhnen. Es fällt nicht immer leicht, den Abstand einzuhalten. In der Pause etwa.

  • Dank der Corona-Lockerungen geht in Hessen die Schule zumindest teilweise wieder los
  • Auch die Schulen in Frankfurt öffnen trotz des Coronavirus wieder ihre Pforten
  • Doch je nach Schule sieht der Schulstart oft sehr unterschiedlich aus

Die Hälfte der Fahrradständer am Adorno-Gymnasium ist an diesem Montagmorgen belegt. Neun Wochen lang waren sie verwaist, stand kein einziges Fahrrad da. Doch nun sind die Schülerinnen und Schüler zurück im Gymnasium auf dem Campus Westend in Frankfurt. Zumindest die Hälfte.

Schulstart dank Corona-Lockerungen: Im Adorno-Gymnasium in Frankfurt sind die Türen offen – Aus Hygienegründen

Am Montag ging der Unterricht wieder für Viertklässler und alle weiteren Jahrgänge der weiterführenden Schulen in Hessen los. Unter Einhaltung von Hygienevorschriften und Abstandsregeln. Am Adorno stehen die Türen offen, damit niemand eine Klinke anfassen muss. Schulleiter Mathias Koepsell hat die Klassen geteilt, damit nie mehr als 15 Schüler in einer Lerngruppe sind. Die Schüler sind im wöchentlichen Wechsel an der Schule: Die eine Hälfte einer Klasse kommt diese Woche täglich fünf bis sechs Stunden, die andere Hälfte ist nächste Woche mit Präsenzunterricht dran. 300 der 600 Schüler sind täglich anwesend.

Koepsell sitzt an diesem Morgen in seinem Büro im Erdgeschoss und schaut aus dem Fenster auf den Hof. Er ist gespannt, „wie das klappen wird“. Gleich ist zum ersten Mal Pause. Sie beginnt zeitversetzt für die Klassen, im fünf Minuten-Takt kommen sie in den Hof. Nach 15 Minuten sind alle 300 Schülerinnen und Schüler unten.

Der Schulleiter beobachtet das Geschehen. Einige Schüler haben es sich auf Sitzmöbeln bequem gemacht, andere schlendern in Gruppen über den Hof. Die Jüngeren kraxeln aufs Klettergerüst und hüpfen herum. Geplapper und Gekreische hallt ins Büro. Koepsell seufzt ein wenig. „Unser Verdacht bestätigt sich, dass das mit dem Abstand nicht so richtig funktionieren wird – aber sie tragen Masken.“

Schulstart in Frankfurt: Fast überall in der Schule gilt die Maskenpflicht

Den geforderten 1,5-Meter-Abstand, den halten einige nicht ein. Sie sitzen zwar nicht aufeinander, sie liegen sich auch nicht in den Armen, aber sie sind einander dennoch zu nah. Eine Lehrerin breitet im Hof die Arme aus und zeigt an: So weit muss der Abstand sein. Ein Lehrer weist Schüler auf der Bank an, auseinander zu rücken. Wenigstens Mund- und Nasenschutz, ja, haben sie alle.

Die Schüler dürfen die Maske nur absetzen, wenn sie an ihrem Tisch im Klassenraum sitzen. Das handhabt jede Schule etwas anders. An einigen dürfen die Schüler die Masken nie absetzen. An der Schule am Mainbogen ist das in jeder Klasse anders. „Auf dem Schulgelände müssen alle Masken tragen“, sagt Leiterin Christine Georg. In der Klasse darf sie abgenommen werden, wenn keine Kinder oder Lehrer dort sind, die der Risikogruppe angehören.

Schulstart dank Corona-Lockerungen: Schüler in Fechenheim halten sich an Abstandsregeln

An der integrierten Gesamtschule in Fechenheim sind die Neunt- und Zehntklässler seit dem 27. April bereits wieder in der Schule. Am Montag kamen die Siebtklässler und die Intensivklassen zurück. Sie haben nun drei Tage in Folge in geteilten Klassen Unterricht, danach folgen andere Jahrgangsstufen. „Wir machen das zunächst in Blöcken, damit sie sich wieder an Schule gewöhnen“, sagt Georg. Wenn die Abschlussklassen nach ihren Prüfungen nächste Woche nicht mehr kommen, wird es einen täglichen Wechsel der Gruppen geben: Jeder Schüler ist alle drei Tage für sechs Stunden da.

Der Einstand der Siebtklässler verlief ohne große Probleme. „Alle waren pünktlich, alle haben sich an die Spielregeln gehalten“, sagt Georg. „Auch wegen des Abstands mussten wir gar nicht schimpfen.“ Allerdings sei der Schulhof auch „riesengroß“. Für die Klassen sind Punkte auf dem Boden aufgebracht. Dort warten die Schüler im Abstand, dass sie einzeln in die Klasse eingelassen werden. „Und in der Pause haben sie in einem großen Kreis gestanden und sich unterhalten.“

Corona-Lockerungen: Schulstart in Frankfurt sieht je nach Schule sehr unterschiedlich aus

In manchen Schulen müssen alle in der Pause in der Klasse am Tisch bleiben. An einigen dürfen sie nur manchmal in den Hof. Auch wie viel Präsenzunterricht jeder Schüler hat, ist unterschiedlich. Die einen gehen zweimal die Woche vier Stunden in die Schule, die anderen dreimal die Woche drei. Oder eben im wöchentlichen Wechsel. „Wenn wir ein voll ausgebautes Gymnasium wären, könnten wir nicht so viel leisten“, sagt Koepsell. Dann wären viel mehr ältere Lehrkräfte da, die der Risikogruppe angehören, dann hätte die Oberstufe immer Vorrang. Die 2015 gegründete Schule besteht bisher aber erst aus fünf Jahrgängen und das Kollegium ist jung.

Koepsell blickt wieder aus dem Fenster. Die Pause ist vorbei. Die letzten Schüler gehen in ihre Klassenzimmer. Mit Abstand. „Wenn es in den nächsten Wochen weiter so läuft, bin ich zufrieden“. Noch klemme es ein wenig bei der Abstandsregel, „aber sie fassen sich immerhin nicht an“.

Von Sandra Busch

In Corona-Zeiten täuscht die Euphorie von Politikern bei der Digitalisierung über schwerwiegende Mängel im System hinweg. Ein Gastbeitrag über Schulen im Sinkflug*.

Nach den Corona-Lockerungen wird es in Bussen und Bahnen im Rhein-Main-Gebiet wieder voller. Werden Maskenpflicht und Abstandsregeln eingehalten? Wir haben nachgefragt.

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Rubriklistenbild: © Rolf Oeser

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