+
Visualisierung: Wo heute vorrangig Ackerflächen sind, soll Grün entstehen, mit Gartenanlagen und Wildnisflächen.

Stadtentwicklung

Ein riesiger Park für den Frankfurter Norden

  • schließen

Architekt Richter hat Pläne für die Niddaauen: Gärten, Wald und einen Stadtrand-Bauernhof.

Karl Richter hat viele Ideen für Frankfurt, und jetzt hat er wieder eine neue. Der Architekt und Städtebaukundige spricht sich für einen riesigen Niddaauenpark im Norden der Stadt aus. Es geht um das Grüngürtelgebiet zwischen der Autobahn 661 im Westen, Bonames und Harheim im Norden, Berkersheim im Osten und dem Neubauquartier Hilgenfeld mit der Bahntrasse nach Bad Vilbel im Süden.

Richters Plan: Flächen für Freizeit, Sport und Erholung auf 262 Hektar anstelle des Großteils der jetzigen landwirtschaftlichen Nutzung. Das entspricht der Größe von 350 Fußballfeldern oder der doppelten Frankfurter City innerhalb der Wallanlagen. Parks, Waldstücke, Klein- und Freizeitgärten, Wildnis, Permakultur, auch ungeplante Freiflächen, Platz für Sport und Spiel, sogar Badestrände entlang der Nidda, wo das Ufer nicht bewachsen ist.

Frankfurt braucht Platz für Wohnraum und mehr

„Die Idee ist aus einem Vortrag entstanden, den ich im Frühjahr hielt“, sagt der Architekt. „Mich hat irritiert, dass man in dieser Stadt 100 000 Menschen unterbringen, aber nichts antasten will, nichts umwandeln, ob Gewerbegebiet oder Freibereich.“ Sein Credo: Wo viele Leute neu hinziehen, brauchen sie auch Erholungsflächen – und die ließen sich aus dem Zentrum nach außen verlagern. Damit gewönne man innen Platz für Wohnraum, beispielsweise auf dem Gebiet, das heute Kleingartenanlagen einnehmen.

Soll das heißen, die Kleingärten sollen aus dem zentralen Stadtgebiet verschwinden? Und was würde aus der Landwirtschaft im künftigen Auenpark? „Kleingärten sind oft supergut an den öffentlichen Personennahverkehr angeschlossen“, sagt Richter. „Ist es noch richtig, sie in solchen Traumlagen zu subventionieren?“ Und was die Äcker angeht: „Stadtbewohner sollten lieber etwas für sie Nutzbares haben.“ Statt Anbauflächen, die zudem oft mit umweltschädlichen Herbiziden behandelt seien.

Frankfurt: Mehr Brücken für die Nidda, Kleinbusse, S-Bahn-Stationen

Genau 30 Jahre nach der Frankfurter Bundesgartenschau schwebt Richter wieder etwas in der Art einer Gartenausstellung vor, die Gelegenheit schafft, Bereiche neu zu ordnen und Freiflächen zu schützen. Mehr Brücken würden dann die Nidda queren, ein Kleinbus brächte die Menschen von den S-Bahn-Stationen in den Park. Die Gärten würden ökologisch nach bewährtem Schrebermuster oder als Gemeinschaftsparzellen betrieben. Wildnisflächen böten Platz für Tiere.

Aber nicht nur Grün ist in Richters Plänen vorgesehen. An günstiger Stelle würde er Lastenfahrräder bereitstellen, Tauschplätze einrichten, Umsonstläden, Werkzeugbibliotheken und Materiallager für Upycling vorsehen, sprich: solidarisches Wirtschaften fördern. Es gäbe Gemeinschaftsgewächshäuser, Wintergärten mit Café, Pflück- und Schmeckgärten und auch einen Stadtrandbauernhof.

Nachfolgeprojekte in der ganzen Stadt Frankfurt geplant

In jedem Fall soll die Frankfurter Bevölkerung weite Teile selbst planen und sich aneignen. „Ein derartiger Bottom-up-Ansatz wäre in der Anlage von Parks und Gärten einmalig“, schwärmt Richter, also ein Projekt, das „von unten“ getragen und ein hohes Maß an Identifikation mit dem umgestalteten Grüngürtel ermöglichen würde. „Das Gartenreich Niddaauenpark wird Strahlkraft auf die gesamte Stadt Frankfurt haben und zu Nachfolgeprojekten anstiften“, ist Richter überzeugt.

Der 49-Jährige hatte bereits alternative Pläne zur Bebauung des Rebstockgeländes und für den sogenannten Neuen Stadtteil an der Autobahn 5 vorgelegt, war aber nicht zum Zug gekommen. Wie sieht er die Chancen für den Niddaauenpark? „Ich bin kein Politiker“, sagt er, „ich habe nur eine Idee.“ Auf Reaktionen sei er gespannt.

Von Thomas Stillbauer

Auch dieses Projekt wird konkreter: Der Ausbau zur Verlängerung der U5 in Frankfurt schreitet voran. Der Nutzen-Kosten-Faktor für den Ausbau zum Frankfurter Berg ist gut. Nur zwei Stationen zum Wohnviertel am Römerhof.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare