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Polizisten bewachen den Zugang zum Audimax, während Kollegen den besetzten Hörsaal räumen. Journalisten durften nicht dabei sein.

Diskussion an der Fachhochschule Frankfurt

Inakzeptabler Umgang mit der Presse

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Trotz Jörg Meuthen: Die Diskussion an der Fachhochschule Frankfurt war gut, der Umgang mit Journalisten jedoch inakzeptabel. Ein Kommentar.

Es mutet schon seltsam an, wenn Hochschulpräsident Frank E. P. Dievernich meint, einen Politiker zu einer Diskussion einladen zu müssen, dessen Position er offenbar für unterirdisch hält. Zumindest ließ er zu Beginn der Diskussion über die Europawahl an der Frankfurter Fachhochschule wissen, er könne nicht alle Teilnehmer mit der Grußformel „Sehr geehrte Damen und Herren ...“ ansprechen. Es braucht nicht viel Fantasie, um zu wissen, wen Dievernich meinte. Wenn aber AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen nach Dievernichs Ansicht noch nicht einmal ein Mindestmaß an Höflichkeit und Respekt verdient: Warum muss er dann auf dem Podium sitzen?

Die zahlreichen Studierenden, die am Freitag gegen den Auftritt des AfD-Politikers protestierten, haben völlig recht: Es gibt die Pflicht, eine Partei, die in ein Parlament gewählt wurde, eben dort sprechen zu lassen. Aber es gibt für eine Hochschule keine Pflicht, einen Vertreter dieser Partei zu einer Diskussion einzuladen. Und um die Meinungsvielfalt, auf die Dievernich immer wieder hingewiesen hatte, hätte man sich bei einer Diskussion mit Politikern wie Dietmar Bartsch (Linke) und Nicola Beer (FDP) wirklich keine Sorgen machen müssen. Beide trennen Welten.

Spannende Diskussion über Europa - trotz Jörg Meuthen

Die Fachhochschule hat sich anders entschieden – und es ging gut. Im vollbesetzten Audimax gab es eine spannende Diskussion über Europa. Nicht wegen Meuthen, sondern trotz ihm. An dem Erfolg der Veranstaltung hatte auch Dievernich seinen Anteil. Seine Begrüßung, in der er sich klar gegen Nationalismus und Rassismus aussprach, war sehr stark. Und Michel Friedman war der richtige Moderator für den Abend. Er gab auf der Bühne den eigentlichen Gegenpart zu Meuthen.

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So mag man an der Fachhochschule ein positives Fazit der Veranstaltung ziehen. Mehr als ein fader Beigeschmack war aber der Umgang mit Journalisten während der Besetzung des Audimax am Nachmittag. Pressevertreter durften bei der Räumung durch die Polizei nicht dabei sein. Und das war – man muss es ganz klar sagen – keine Entscheidung der Polizei. Womöglich fanden es die Beamten gut, dass ihnen Konflikte mit Journalisten, die es bei derartigen Aktionen fast immer gibt, erspart blieben.

Die Entscheidung, ihr Hausrecht auszuüben und auch die Presse vom Audimax fernzuhalten, traf aber die Hochschulleitung. So bleibt für uns nur die Feststellung: Ob es bei der Räumung Polizeigewalt gab, wie Studierende behaupten, wissen wir nicht. Wir waren nicht dabei. So souverän Dievernichs Begrüßung am Abend war, so inakzeptabel war sein Umgang mit der Presse am Nachmittag.

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