IS-Prozess in Frankfurt: Tahad al J. vertieft sich vor Verhandlungsbeginn in die Akten.
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IS-Prozess in Frankfurt: Tahad al J. vertieft sich vor Verhandlungsbeginn in die Akten.

Prozess in Frankfurt

IS-Kämpferin soll sich mit Gräueltat gebrüstet haben

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Eine IS-Kämpferin bringt ihren Ehemann unfreiwillig wegen Terror und Völkermord vor Gericht. Ein verdeckter Ermittler offenbart am Oberlandesgericht Frankfurt Details zu ihrer Beziehung.

  • Frankfurt: IS-Kämpfer steht vor Gericht
  • Ehefrau belastete den Mann unfreiwillig
  • Ermittler offenbart Details im Prozess gegen den 27-Jährigen

Im Prozess gegen Tahad al J. hat am gestrigen Verhandlungstag ein ermittelnder Polizist als Zeuge vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts ausgesagt. Dem 27 Jahre alten Iraker al J. wird vorgeworfen, er habe als Mitglied der Terrormiliz IS ein fünf Jahre altes Mädchen, das er gemeinsam mit dessen Mutter auf einem Sklavenmarkt gekauft haben soll, qualvoll verdursten lassen.

Da der Angeklagte sich, wie seine Verteidiger es nennen, „schweigend verteidigt“, wurde am Montag ein 57 Jahre alter Polizist gehört, der vor allem gegen al J.s damalige Ehefrau Jennifer W. ermittelt hatte. Ob die beiden noch ein Ehepaar sind oder es de jure überhaupt jemals waren, ist noch unklar; am ersten Verhandlungstag hatte es zumindest geheißen, al J. habe die heute 29 Jahre alte, aus einem Dorf in Niedersachsen stammende Konvertitin „nach islamischem Recht geheiratet“.

IS-Prozess in Frankfurt: Konvertitin nach Deutschland abgeschoben

Es war ebenjene Jennifer W., die – wenn auch unfreiwillig – dafür gesorgt hat, dass al J. nun auf der Anklagebank sitzt. Denn die Frau, die nach ihrem Glaubenswechsel nach Syrien gereist war, um den IS zu unterstützen, war 2016 in der Türkei festgenommen worden, nachdem sie dort in der deutschen Botschaft einen neuen Reisepass beantragt hatte – den alten hatte sie angeblich verloren – und nach Deutschland abgeschoben worden war. Sie hatte vor, wieder zurückzukehren, erzählte aber in einem verwanzten Auto einem verdeckten Ermittler wohl nicht ohne Stolz von der Gräueltat. Gegen W. wird derzeit vor dem Oberlandesgericht München verhandelt.

Der Polizist berichtete, Jennifer W.s Mutter habe sich im September 2014 an die Polizei gewandt. Ihre Tochter sei zum Islam konvertiert, nur noch vollverschleiert durchs Dorf marschiert und habe sich nun vermutlich dem IS in Syrien angeschlossen. Später informierte die verlorene Tochter ihre Mutter per Chat, es gehe ihr gut, sie befinde sich in einem islamischen „Frauenhaus“, wo Gotteskrieger aufpassten, dass sie nichts Unrechtes anstelle. Offenbar lernte sie dort auch ihren späteren Gatten kennen, der als „Leiter des Büros für schariagemäße Geisteraustreibungen“ beruflich viel in den Frauenhäusern zu tun hatte.

IS-Prozess in Frankfurt: Reisepass wieder aufgetaucht

Nach ihrer unfreiwilligen Rückkehr hatte der Polizist Jennifer W. als „sehr konservativ-religiös“ und „sicherlich nicht desillusioniert“ kennengelernt. „Sie war immer vollverschleiert, trug Handschuhe, verweigerte den Handschlag.“ Sie spendete wohl auch ordentlich für „islamische Hilfsvereine“ – und zwar so großzügig, dass ihre Bank eine Anzeige wegen des Verdachts auf Geldwäsche in die Wege leitete. W. unterhielt wohl auch Kontakte zu Schwestern im Glauben, etwa „einer radikalisierten 14-Jährigen“, die sie mit gottgefälligen Klamotten versorgte.

Doch bereits da war in der Beziehung zu ihrem Gemahl nicht mehr alles in schönster Harmonie. Als Jennifer W. abgeschoben wurde, war sie im siebten Monat schwanger, kurz darauf gebar sie eine Tochter. Als Tahad al J. zu seinem Entsetzen erfahren habe, dass sein Weib das Kind nicht eigenbrüstig stille, habe er gedroht, einen „Onkel aus Düsseldorf“ bei ihr vorbeizuschicken, der ihr das Kind wegnehmen werde. Dazu kam es nie.

Immerhin ist W.s verschwundener Reisepass wieder aufgetaucht. Eine laut Behörden „islamistische Gewalttäterin“ hatte vergebens versucht, damit nach Deutschland einzureisen.

Stefan Behr

Die Bundesanwaltschaft klagt einen 27-Jährigen unter anderem wegen Völkermord und Menschenhandel in Frankfurt an*. Zudem soll er ein fünfjähriges Mädchen brutal ermordet haben.

Das Oberlandesgericht Koblenz verhandelt systematische Misshandlungen* in einem Geheimdienstgefängnis in Damaskus zu Beginn des syrischen Krieges.

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