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Ein Kaiserschnitt in einem Krankenhaus (Symbolbild).

Klinik-Drama

Tod nach Kaiserschnitt: Freispruch für drei Ärztinnen in Frankfurt

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Der Tod einer Patientin nach Kaiserschnitt hat wahrscheinlich noch ein zweites juristisches Nachspiel.

Frankfurt - Der Prozess gegen drei Ärztinnen des Markus-Krankenhauses endete am Dienstagmorgen weit früher als geplant – und mit einem krachenden Freispruch. Den Gynäkologinnen war fahrlässige Tötung durch Unterlassen vorgeworfen worden: Eine 31 Jahre alte Frau war im Juli 2014 nach einer Geburt durch Kaiserschnitt an inneren Blutungen gestorben.

Frankfurt: Vorwurf gegen Ärztinnen - Nach Kaiserschnitt falsch reagiert?

Die Staatsanwaltschaft hatte den drei Frauen im Alter zwischen 64 und 37 Jahren – einer leitenden Ärztin, einer Ober- und einer Assistenzärztin – vorgeworfen, nicht rechtzeitig und angemessen auf die Komplikationen reagiert zu haben. Die Frau war von einem gesunden Jungen entbunden worden, sie war nach der Geburt ansprechbar gewesen, hatte ihr Kind gesehen und mit ihrem Mann gesprochen. Erst danach verschlechterte sich ihr Zustand rapide; sie starb noch in der Nacht nach der Geburt.

Bereits zu Verhandlungsbeginn hatten die Verteidiger der Ärztinnen angemahnt, dass hier – wenn denn schon jemand auf der Anklagebank sitzen müsse – die falschen säßen. Denn die fehlerhafte Reaktion auf die starken inneren Blutungen der Frau sei nicht der Gynäkologie, sondern der Anästhesie anzulasten. Eine Meinung, die auch die medizinischen Sachverständigen in diesem Prozess eindeutig bestätigt hatten. Dabei war es der anästhesistische und nicht der gynäkologische Sachverständige gewesen, der die drei Angeklagten maßgeblich entlastet hatte: Der zweifellos begangene Kunstfehler sei seiner Fachrichtung anzukreiden.

Frankfurt: Ärztinnen haben nach Kaiserschnitt richtig gehandelt

Und so war es die Staatsanwältin, die am Dienstagmorgen das erste Plädoyer der Verteidigung hielt: Die Vorgehensweise der drei Ärztinnen habe absolut „dem ärztlichen Standard entsprochen“, sie hätten „alles getan, was sie tun mussten“ und sich „keine Sorgfaltspflichtverletzung“ zuschulden kommen lassen. „Die Versäumnisse lagen allein bei der nicht angeklagten Anästhesistin“, sagte die Staatsanwältin, die auf Freispruch plädierte. Ob es nun ein weiteres Strafverfahren gegen diese Ärztin geben wird, ist derzeit noch unsicher, aber wahrscheinlich. Zivilrechtlich hatten sich das Krankenhaus und die Hinterbliebenen der Frau bereits vor dem Strafprozess geeinigt.

Viel mehr konnten dann auch die Verteidiger der Angeklagten nicht tun – bis darauf, die Frage zu stellen, ob die Staatsanwaltschaft im Vorfeld des Prozesses „ihrer Sorgfaltspflicht Genüge getan“ habe. Das Ergebnis der Verhandlung sei abzusehen gewesen, und für ihre Mandantinnen, die ohnehin schon sehr unter dem Tod ihrer Patientin gelitten hätten, sei der Prozess eine Zumutung gewesen. Nicht zuletzt, weil eine Zeitung die Vornamen der drei Angeklagten, den ersten Buchstaben des Nachnamens und ihren Arbeitsplatz genannt habe – da könne man sich die Anonymisierung auch gleich sparen.

Frankfurt: Anklage nach Tod durch Kaiserschnitt bleibt „ein Unbehagen“

„Es bleibt bei uns ein Unbehagen, dass es so kommen musste“, räumte denn auch der Vorsitzende Richter Daniel Trosch ein, dessen sensible Prozessführung alle Prozessbeteiligten einhellig lobten. Doch Trosch nahm auch die Staatsanwaltschaft in Schutz. „Die Dinge waren nicht so klar, wie sie jetzt klar sind.“ Nach dem medizinischen Gutachten, das der Anklageerhebung zugrunde lag, sei eine strafrechtliche Schuld der Gynäkologinnen nicht auszuschließen gewesen. Der Tod der Frau sei zweifellos vermeidbar gewesen, aber bei der Schuldfrage ist sich Trosch auch am Ende der Verhandlung nicht ganz sicher: „Ist es die Struktur unseres Gesundheitswesens?“ Oder die Schuld der Anästhesistin, die ja durchaus der Patientin Hilfe geleistet habe – wenn auch „zu zögerlich, zu spät, zu wenig“.

Es ist eine noble Geste der Verteidiger, als sie nach der Urteilsbegründung eine Lanze für die Anästhesistin brechen, der nun möglicherweise juristisches Ungemach drohe. Diese arbeite ebenso wie ihre Mandantinnen bis über die Grenzen der Erschöpfung hinaus, und niemand könne ihr vorwerfen, leichtfertig den Tod eines Menschen in Kauf genommen zu haben. Wo gearbeitet werde, passierten Fehler.

Frankfurt: Beeindruckender Einsatz der Mediziner nach Kaiserschnitt

Und wenn die Krankenhausprotokolle in diesem Prozess eines bewiesen haben, dann, dass sämtliche beteiligten Mediziner in dieser tragischen Nacht einen beeindruckenden Einsatz gezeigt hatten, um das Leben der Patientin zu retten – wenn auch letztlich ohne Erfolg.

Von Stefan Behr

Klinik-Drama in Frankfurt: Eine Frau verblutete nach Kaiserschnitt im Markus-Krankenhaus. Wer trägt die Schuld? Das Urteil ist gefallen. 

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