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Nach einem Kaiserschnitt starb eine Mutter in Frankfurt (Symbolbild).

Prozess

Tod nach Kaiserschnitt in Frankfurt

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In Frankfurt findet ein Prozess gegen drei Ärztinnen statt, denen unbewusste Fahrlässigkeit vorgeworfen wird. 

Frankfurt - Angesichts der beeindruckenden Kulisse einer Großen Kammer, dem Medieninteresse und der Tatsache, dass hier der Tod eines Menschen verhandelt wird, findet der Vorsitzende Richter Daniel Trosch am Mittwochmorgen in Frankfurt gute Worte zum Auftakt eines schwierigen Prozesses. Es gehe darum, sagt Trosch, ob „eine sehr persönliche Tragödie in irgendeiner Weise strafrechtlich relevant“ sei. 

Falls die drei angeklagten Ärztinnen in irgendeiner Weise für den Tod der Patientin Verantwortung tragen sollten, dann hätten sie höchstens in „unbewusster Fahrlässigkeit“ gehandelt. 

Tot nach Kaiserschnitt in Frankfurt: Komplizierter Fall

„Es geht hier nicht um den Bauern, der mit seinem Traktor vom Landweg in den Gegenverkehr gerät.“ Niemand werfe den Ärztinnen vor, den Tod eines Menschen auch nur in Kauf genommen zu haben. Es gehe darum, „ob der Tod der Patientin zu vermeiden gewesen wäre und wenn ja, wie“. Dass sich eine Große Kammer mit dem Fall beschäftigt, sei nicht der Schwere des Vorwurfs, sondern dessen Kompliziertheit und den zahllosen Akten geschuldet. Es handelt eine aktengewohnte Große Wirtschaftskammer. 

Und sie verhandelt diesen Fall: Im Juli 2014 kommt eine 31-Jährige zum Entbinden in das Markus-Krankenhaus. Laut Anklageschrift „entbindet sie einen gesunden Knaben“, ist nach der Kaiserschnitt-Geburt laut Akten „rosig und ansprechbar“, verschickt Whatsapp-Nachrichten. Doch es kommt zu Komplikationen: Die Frau bekommt schwere innere Blutungen, wird noch in der Nacht der Geburt zweimal operiert. Aber schließlich kollabiert ihr Kreislauf, die Reanimationsversuche fruchten nicht. 

Tot nach Kaiserschnitt in Frankfurt: Blutgerinnungsstörung diagnostiziert

Das Krankenhausprotokoll dieser Nacht erzählt nicht die Geschichte von drei pflichtvergessenen oder überforderten Ärzten. Das Protokoll erzählt, wie die Patientin regelmäßig untersucht wird, wie sich ihr zunächst guter Zustand rapide verschlechtert, wie die erste Operation scheinbare Besserung bringt. Und wie zwei der jetzt angeklagten Ärztinnen aus dem Feierabend zurückgerufen werden, um erneut zu operieren, nachdem der Zustand der jungen Mutter sich abermals verschlechtert hat.

Das Protokoll berichtet aber auch, dass bei einer Laboruntersuchung des Blutes der Mutter eine Blutgerinnungsstörung diagnostiziert worden sei. Diese Diagnose aber habe laut Anklage wohl nicht rechtzeitig den Weg vom Labor in den Operationssaal gefunden. Denn sonst wäre klar gewesen, dass die verabreichte Menge an Blut und Infusionen im Fall dieser Patientin nicht ausreichend war. 

Die drei Angeklagten – zwei Oberärztinnen und eine Assistenzärztin im Alter von 54, 49 und 37 Jahren – müssen sich wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen verantworten. Am ersten Verhandlungstag wollen sie sich zu den konkreten Vorwürfen nicht einlassen. Einer solchen Verteidigung könnte vermutlich auch nur ein Mediziner folgen.

Tot nach Kaiserschnitt in Frankfurt: Anklage gegen Unschuldige?

Ihre drei Verteidiger tragen kurze Statements vor, denen zu entnehmen ist, dass, wenn es überhaupt Richtige gebe, hier jedenfalls die Falschen auf der Anklagebank säßen. „Die postnatale Blutung ist eine interdisziplinäre Herausforderung“, doziert ein Verteidiger und sagt, dass die drei angeklagten Gynäkologinnen ihrem Beruf und ihrer Pflicht nach bestem Gewissen nachgegangen seien. Wenn hier jemand geschludert habe, dann die Anästhesisten, die für Bluttransfusion und Medikamentenvergabe verantwortlich zeichneten. Von den Kollegen aber sitze keiner hier. Ein Kollege des Verteidigers geht noch einen Schritt weiter: Die Justiz habe „die Ermittlungen gegen die Täter der Anästhesie eingestellt – und Anklage gegen Unschuldige erhoben“. 

Für den Prozess sind bislang zehn Verhandlungstage vorgesehen, ein Urteil wird frühestens für Ende des Jahres erwartet. Der Fall sei komplex, sagt Trosch, er beschäftige wohl die Hälfte der Handvoll namhafter Medizinrechtsexperten, die dieses Land habe, und der Richter gibt zu bedenken, dass nicht alle dieser Experten eine Alleinschuld bei der Anästhesie sähen. 

In den kommenden Tagen soll der Witwer als Zeuge aussagen. Der Mann tritt in dem Prozess nicht als Nebenkläger auf.

Am Mittwoch, 16.10.2019, hat das Landgericht in Frankfurt im Fall der 31-Jährigen verhandelt, die nach Komplikationen nach einem Kaiserschnitt starb. Verhandelt wurde im September auch im Fall des Niddapark-Mords: Zeugen stellen dem Angeklagten kein gutes Zeugnis aus.

Von Stefan Behr

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