Defekt

Millionenschaden durch Tunnelbohrer in Frankfurt

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Seit Weihnachten steht der kaputte Tunnelbohrer im Europaviertel still. Die Untersuchung des Defekts soll Aufschluss bringen, wer die Kosten zu tragen hat.

Der Schaden an der Tunnelbohrmaschine wird die U-Bahn-Verlängerung ins Europaviertel erheblich verteuern. „Wir gehen davon aus, dass die Kosten um einen zweistelligen Millionenbetrag steigen“, sagte Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Vor allem die zeitliche Verzögerung und damit verbundene Folgekosten führten zur Preissteigerung.

Schneidrad abgenutzt

Vor dem Defekt hatte die zuständige Stadtbahn Europaviertel Projektbaugesellschaft (SBEV) die Kosten mit 373,5 Millionen Euro angegeben. Ursprünglich waren 281,4 Millionen Euro vorgesehen. Doch Schadstoffe im Boden des ehemaligen Güterbahnhofs, Funde von Weltkriegsbomben, allgemeine Preissteigerungen und eine geringere Förderung vom Bund ließen die Kosten wachsen.

Dann kam der Baustopp. Bei einer Inspektion an der Tunnelbohrmaschine kurz vor Weihnachten stellte die SBEV fest, dass das Schneidrad der Tunnelbohrmaschine stärker abgenutzt war, als es hätte sein sollen.

Über das Projekt

Von 2019 bis 2025leitet die Stadtbahn Europaviertel-Projektbaugesellschaft (SBEV) den U-Bahn-Bau ins Europaviertel. Die SBEV ist eine Tochterfirma der Verkehrsgesellschaft Frankfurt und der Stadt Frankfurt.

Unterirdisch gebautwerden zwei Tunnelröhren, 837 und 860 Meter lang, zwischen Europaallee und Platz der Republik, sowie die Station Güterplatz.

Insgesamt ist die Strecke2,7 Kilometer lang und verläuft oberirdisch entlang der Europaallee mit drei weiteren Stationen.

Die Tunnelbohrmaschinewurde auf den Namen Eva (Europaviertel anbinden) getauft.

Seit September hatte sich die 80 Meter lange und 580 Tonnen schwere Tunnelbohrmaschine der Firma Herrenknecht durch die Erde von der Europaallee zum Güterplatz gegraben. Rund 240 Meter legte sie zurück – das war weniger als die eigentlich vorgesehenen fünf bis sieben Meter pro Tag. Wieso aber ging das Schneidrad kaputt? „Das können wir momentan noch nicht beantworten“, sagte Oesterling, und verwies auf die Dokumentation des Schadens.

Raum unter Tage

Aktuell würden die Beweise gesichert, führte SBEV-Sprecherin Anna Holthaus aus. Schälmesser und Schneidrollen würden überprüft. Dafür werde unter Tage ein Raum geschaffen, der gegen eindringendes Grundwasser schütze, und groß genug sei, um das Schneid-rad zu untersuchen. Anschließend folge die Schadensdokumentation. Danach werde das Schneidrad wieder instandgesetzt.

Den Tunnelbau führt die „Arbeitsgemeinschaft U5-Europaviertel“ aus, die aus den Firmen Porr Deutschland und deren Tochterfirma Stump-Franki Spezialtiefbau besteht.

Wie die SBEV-Sprecherin weiter mitteilte, wird der Tunnelbau voraussichtlich im Sommer wieder aufgenommen. Die ersten Züge der Linie U5 sollen 2025 – und damit ein Jahr später als geplant – auf der Strecke vom Hauptbahnhof bis ins Europaviertel fahren. Vier Stationen sind vorgesehen; es ist aber auch möglich, die Strecke mit zwei weiteren Haltestellen zum Römerhof zu verlängern.

Unklar ist, wer die Kosten für den Schaden zu tragen hat. Dabei wird eine Rolle spielen, ob die Bauteile fehlerfrei waren, die Tunnelbohrmaschine sachgerecht bedient wurde und ob das durchbohrte Erdreich weitgehend aus Ton und Schluff bestand oder steiniger war.

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