Frankfurts neues Theater

Michael Quasthofft hofft auf Hilfe der Stadt

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Nach abgesagter Eröffnung großer Schaden für die „Volksbühne“. Von der Kulturdezernentin keine Zusage für finanzielle Hilfe.

Es hätte so schön werden können. In Frankfurt sollte ein neues Theater eröffnen. Am 19. September wollte Michael Quast mit seiner „Volksbühne“ die erste Premiere feiern im Cantatesaal, Großer Hirschgraben 19.

Doch es kam anders. Die Bauarbeiten in Verantwortung der städtischen ABG Holding stockten immer wieder. Zuletzt wurde Schimmel im Untergeschoss entdeckt. Quast musste alles absagen. Keine Eröffnung. Das Ende ist offen.

Nun ist der notorische Komödiant und große Schauspieler Quast keiner, der leicht verzweifelt. Aber dem 60-Jährigen ist doch eine gewisse Ratlosigkeit anzuhören. „Wir hängen in der Luft“, sagt er nur.

Die Folgen der geplatzten Eröffnung sind gravierend. Auf eine sechsstellige Summe schätzt Quast den Einnahmeausfall. 2000 Eintrittskarten waren schon verkauft worden, jetzt ist auch das gestoppt. Bereits erworbene Karten behalten ihre Gültigkeit.

Für viel Geld hatte der Intendant der „Volksbühne“ aufwendige Programme drucken lassen mit allen Premierenterminen bis zum Oktober 2019. Alles perdu.

Quast hofft auf finanzielle Hilfe der Stadt. „Wir sind in Gesprächen, wie man das abfedern kann.“

Doch von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) gibt es dazu keinerlei konkrete Aussage. Der Dezernentin sei es wichtig, dass der Bau des Theaters trotz des Schimmelbefalls „zügig vorankommt“, sagt Hartwigs Sprecherin Jana Kremin lediglich. Zu einer möglichen finanziellen Hilfe der Stadt kein Wort.

Die Baustelle für den Cantatesaal besteht seit zwei Jahren. Es kam immer wieder zu Verzögerungen. Zahlreiche Gewerke im Cantatesaal, sagt Quast, seien noch nicht vollendet. „Da ist einiges noch nicht fertig.“

Wieso erst jetzt ein Schimmelbefall entdeckt worden sein soll, bleibt offen. ABG-Chef Frank Junker ist im Urlaub und nicht zu erreichen.

Der Bau des Deutschen Romantikmuseums unmittelbar neben dem Cantatesaal wird ebenfalls von der ABG verantwortet und verzögert sich, wie die FR bereits berichtet hat, sogar um zwei Jahre. Die Frankfurter Theaterszene reagiert auf „die totale Katastrophe“ (Quast) mit bemerkenswerter Solidarität. Schauspiel Frankfurt hat dem Ensemble der „Volksbühne“ eine Probebühne an der Schielestraße zur Verfügung gestellt.

Willy Praml, der Direktor des Naxos-Theaters an der Waldschmidtstraße, lässt die „Volksbühne“ am 25. Oktober die Naxoshalle bespielen. Der Abend ist schon ausverkauft. Im September ist die „Volksbühne“ im Kellertheater Frankfurt zu Gast, auch im Theater Alte Brücke (ausverkauft).

Am 26. Oktober gastiert das Ensemble im Deutschen Ledermuseum in Offenbach.

Quast dankt den „Kolleginnen und Kollegen, die uns in dieser turbulenten Zeit kurzfristig ihre Spielstätten zur Verfügung stellen“. Ob es in diesem Jahr noch etwas werden kann mit dem neuen Theater in Frankfurt, ist ungewiss. Intendant Quast setzt auf ein baldiges Gespräch mit Hartwig und Junker, in dem ein neuer Eröffnungstermin festgesetzt werden könnte.

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