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Felix Semmelroth

Frankfurt

Felix Semmelroth wird 70 Jahre alt

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Der langjährige Frankfurter Kulturdezernent feiert mit Melancholie und Partisanentaktik.

Er wird schmerzlich vermisst in der Frankfurter Kommunalpolitik von nicht wenigen. Felix Semmelroth hat als Kulturdezernent in den zehn Jahren von 2006 bis 2016 viel geleistet für die Kulturlandschaft. Er hat die viel zitierten „Leuchttürme“ der Kulturstadt gehegt und gepflegt, also etwa die Oper und die großen Museen. Seine Sache war weniger die reichhaltige freie Kulturszene der Kommune – hier sorgte er erst spät für bessere Verhältnisse durch höhere Zuwendungen. Am heutigen Freitag wird der CDU-Politiker 70 Jahre alt. Leider hat ihn eine schwere Krankheit gezwungen, sich nach kurzer Zeit vom Amt des Antisemitismus-Beauftragten der Landesregierung und aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen.

Es war einst die „Kultur für alle“ des damaligen Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann (SPD), die Semmelroth nach Frankfurt gelockt hatte. Als er 1989 als Literaturreferent bei der Stadt begann, war der gebürtige Kasseler Sozialdemokrat. Die besondere Liebe des Literaturwissenschaftlers gilt der Kultur Englands.

Eine gewisse britische Distinguiertheit zeichnet denn auch Semmelroth aus, der stets stilvoll gekleidet auftritt. Im Herzen ist er ein Wertkonservativer, der auf den schmählich empfundenen Niedergang von Sprache in Zeiten des Internets mit Weltschmerz reagiert.

Sein Umgang mit den Fährnissen der Welt schwankte zwischen leichter Melancholie und einem gewissen Sarkasmus.

Semmelroth zeigte freilich früh, dass er im Stahlbad der Kommunalpolitik durchaus durchsetzungsfähig war. Kein Mann offener Konfrontation, sondern eher einer stillschweigenden Partisanentaktik. So agierte er, nachdem ihm Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) die Sorge für die Städtischen Bühnen anvertraut hatte.

Bald darauf stand der Sozialdemokrat vor einer Gewissensentscheidung: Er musste die SPD verlassen und in die CDU eintreten, um Kulturdezernent in Frankfurt zu werden.

Semmelroth vollzog diesen Wechsel ohne erkennbare Erschütterung – mit den sozialistischen Blütenträumen mancher Sozialdemokraten fremdelte er ohnehin stark.

Mit viel Geschick verteidigte der Stadtrat in den nächsten zehn Jahren manche Kulturinstitution gegen Sparbegehren. Er musste auch Niederlagen einstecken. Konnte das neue Museum für Weltkulturen nicht durchsetzen, musste lange um das Romantikmuseum kämpfen.

Am Ende verbitterte es Semmelroth, wie leicht die CDU 2016 in den Koalitionsverhandlungen das Kulturdezernat an die Sozialdemokraten preisgab. Konsequent und stolz trat er von sich aus zurück. So musste der Homme de Lettres politisches Lehrgeld bezahlen.

Er verhärtete freilich nicht. Er blieb leidenschaftlich der englischen Literatur wie auch der Welt der klassischen Musik verhaftet. Von der Warte des 70-Jährigen kann er mit Stolz auf seine Arbeit für Frankfurt zurückblicken.

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