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Das Landgericht Frankfurt hat drei Männer wegen versuchten Mordes an dem 24-Jährigen Mert U. schuldig gesprochen. Die Täter hatten ihn ohnmächtig geprügelt und in den Main geworfen. 

Landgericht Frankfurt

24-Jähriger ohnmächtig in Main geworfen - Richter verurteilt Täter zu langer Freiheitsstrafe

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Am Landgericht Frankfurt endet der Prozess gegen drei junge Männer mit langen Freiheitsstrafen. Der Prozess deckt schreckliche Details auf. 

  • Drei Männer hatten Mert U. am 18. August 2019 ohnmächtig geprügelt und in den Mai n geworfen
  • Videos und Chats beweisen die Mordlust der Täter 
  • Das Landgericht Frankfurt hat jetzt sein Urteil gefällt

Frankfurt - Der Prozess gegen drei Männer, die einen Ohnmächtigen in den Main geworfen hatten, ist am Dienstag vor der Jugendkammer des Landgerichts mit einem Schuldspruch zu Ende gegangen. Wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung werden Alexander S. (27) und Alain J. (21) zu Freiheitsstrafen von siebeneinhalb Jahren, Marcel D. (18) zu einer Jugendstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verurteilt.

Das sturzbetrunkene und von Cannabis berauschte Trio hatte in der Nacht auf den 18. August 2019 den ihnen unbekannten 24 Jahre alten Mert U. bedrängt, bedroht, niedergeschlagen und mit Fußtritten ins Gesicht in die Ohnmacht geprügelt, um den Wehrlosen dann in den Main zu werfen. Der überlebte mit viel Glück: Er kam im Wasser wieder halbwegs zu Sinnen, Passanten zogen ihn mit einem Schal ans sichere Ufer.

Frankfurt: Landgericht urteilt es war versuchter Mord

Der Grund für die Tat? Nach Ansicht der Kammer derselbe, der die drei dazu getrieben hatte, wenige Stunden zuvor im Ostend einen ihnen ebenfalls Unbekannten anzupöbeln und niederzutreten: „Weil sie einfach Lust darauf hatten.“ Und zwar die ganz spezielle Lust, „Überlegenheit und Macht auszuüben“.

Die Kammer unter dem Vorsitz von Uwe Steitz konnte beim besten Willen nichts finden, was die Schuld der überraschenderweise nicht vorbestraften Angeklagten hätte mindern können. Selbst die Unmengen an Alkohol hätten die Gewohnheitstrinker nicht steuerungsunfähig gemacht – eine Polizeistreife, die sie an jenem Abend aus anderem Anlass kontrolliert hatte, hatte den Eindruck, die drei seien brotnüchtern gewesen.

Versuchter Mord: Landgericht Frankfurt verurteilt Täter zu langen Freiheitsstrafen

Zudem hatte Alain J. noch so viel Kontrolle, die komplette Tat mit dem Handy filmen zu können. Das tue er aus Gewohnheit, hatte er dem Gericht erzählt, er sei jeden Abend so besoffen, dass er alles aufnehme, um sich am nächsten Tag anzuschauen, was er so alles erlebt habe. Auf dem Video ist zu sehen, wie S. und D. auf den zu Boden Gegangenen eintreten, während J. sie begeistert anfeuert und „Schmeißt ihn Main!“ grölt. Als U. dann in den Fluten versinkt, ruft J. freudig erregt: „Der stirbt, rennt weg!“

Nach der Tat geht das Trio erst mal getrennte Wege. Alexander S. geht nach Alt-Sachsenhausen, um dort weiterzusaufen. Alain J. teilt das neue Video mit entfernten Freunden, um einen erfolgreichen Abend zu würdigen. Lediglich Marcel D. hat zumindest am nächsten Morgen ein ungutes Gefühl. Als seine Freunde ihn besorgt anchatten, ob er sich am Ende Gedanken um das Opfer mache, stellt D. aber klar: „Nicht wegen dem Typen, der ist mir egal“ – aber die Polizei ist ihm nicht egal. 

Frankfurter Richter: Videos und Chats beweisen Mordlust

Doch noch hoffen die Freunde, dass ihr Opfer tot ist: „Wenn der nicht rausgekommen ist, haben wir echt Glück gehabt.“ Und im Grunde ist das Trio auch schon wieder bereit zu neuen Taten: „Das war witzig, das nächste mal schmeißen wir einen mit Beton an den Füßen rein, das macht noch mehr Spaß.“

Es ist nicht zuletzt dieses selten schäbige Nachtatverhalten, das den Angeklagten zum Verhängnis wird. Video und Chats beweisen, dass die Täter den Tod ihres Opfers mindestens achselzuckend in Kauf genommen haben. Die nackte Mordlust ist zweifelsfrei ein niederer Beweggrund und dieser ein Mordmerkmal. 

„Wenn es einen Fall gibt, der eindeutig ist, dann dieses Tötungsdelikt“, sagt Steitz in der Urteilsbegründung. Steitz gilt nicht als ein Richter, der ohne Not allzu harte Urteile fällt, es ist ihm anzumerken, dass auch ihn dieser Fall an die Grenzen seiner Vorstellungskraft geführt hat. Nicht so die Angeklagten, die das Urteil ohne erkennbare Gefühlsregung aufnehmen.

Von Stefan Behr

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