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Etwa 100 Menschen kamen zur Kundgebung und hörten den Reden, unter anderem von Ulrich Gottstein (vorn, 2.v.l.) zu. 

Frankfurt

Frankfurt: Protest im Schatten der Bomben

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Auf dem Paulsplatz gedenken etwa 100 Menschen den Opfern der Atombombenabwürfe über Nagasaki und Hiroshima. 

Grau und kalt stehen die beiden Nachbildungen von Atomsprengkörpern an der Paulskirche. Die eine, „Little Boy“ genannt, war die Bombe, die über Hiroshima explodierte und mehrere zehntausend Menschen tötete. Die andere, eine Replik der Wasserstoffbombe vom Typ B61, ist deutlich schlanker, aber kann eine bis zu zehnmal höhere Sprengkraft als die Hiroshima-Bombe haben. Und einige von diesen modernen Atomsprengköpfen sind auch in Deutschland, in Büchel, stationiert.

Die beiden 1:1-Nachbildungen des Vereins Kunstgriff aus Oberursel thronen mit ihren mehr als drei Metern über den Rednern der Kundgebung auf dem Paulsplatz und symbolisieren die Gefahr, die über den Menschen schwebt. Gestern vor exakt 74 Jahren warfen die Amerikaner ihre zweite Atombombe über Japan ab. Damals – in Nagasaki – starben auch mehrere zehntausend Menschen. Bis heute mahnen die Ereignisse in den beiden japanischen Städten, wie verheerend eine Anwendung von Nuklearwaffen ist.

Freidensbewegung aktiv wie lange nicht

Etwa 100 Menschen sind gekommen, um zu gedenken und den Rednern zuzuhören. Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen (SPD) berichtet, dass sie Gänsehaut bekomme, wenn sie darüber nachdenke, dass solche Waffen noch in Büchel lagern. Sie erzählt von einer Zeitzeugin, die den Atombombenabwurf überlebt hat. Die Überlebende, Yoshiko, habe sich aus einer eingestürzten Fabrik befreit und auf der Straße schließlich nackte, verbrannte Menschen gesehen, die Stadt war verschwunden. „Das Wettrüsten hat wieder angefangen“, sagt Nissen angesichts der Aufkündigung des INF-Vertrags seitens der US-Amerikaner. Man müsse als Gesellschaft nun noch entschiedener Nein zu Atombomben sagen.

Roland Blach von der Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) sagt, dass die Friedensbewegung aktiv wie lange nicht mehr sei, allein an den Massen, die wieder wie in den 80er Jahren auf die Straße gehen, fehle es noch. Er wirbt dafür, sich noch enger mit den Aktivisten von Fridays for Future zu vernetzen.

Der 94 Jahre alte Ulrich Gottstein von der ärztlichen Friedensorganisation IPPNW verdeutlicht, dass man den Menschen die Auswirkungen der Atombomben wieder deutlicher zeigen müsse. Sie dürften nicht dem Irrglauben aufsitzen, dass die Waffen nur zur Abschreckung dienten. „Wir sind mit Atombomben besetzt.“ Er forderte die Stadt auf, sich dem ICAN-Städteappell anzuschließen. Dadurch solle Druck auf die Bundesregierung entstehen, damit diese endlich den UN-Atomwaffenverbotsvertrag unterzeichnet.

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