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Zur Kinderkunstnacht in der Kunsthalle Schirn geht es bald kostenlos für junge Menschen.

Kultur- und Freizeitticket

Minderjährige dürfen in Frankfurt bald umsonst ins Museum

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Das städtische Kultur- und Freizeitticket soll jungen Menschen unter 18 Jahren kostenlosen Zutritt zu Frankfurter Museen ermöglichen.

Frankfurt - Der ganz große Wurf ist der Kulturdezernentin verwehrt worden. Nach langen Querelen und Verhandlungen in der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen hat Ina Hartwig (SPD) das Kultur- und Freizeitticket (Kufti) im Magistrat durchgesetzt. Es soll Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren freien Eintritt in 19 nichtstädtische Museen und den Zoo gewähren. Das kulturpolitische Ziel ist ganz klar: Mehr junge Leute, die sonst nie ein Museum kennenlernen würden, sollen angelockt werden.

Museen Frankfurt: Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche 

Falls das Stadtparlament am 12. Dezember zustimmt, könnte das Kufti von Februar 2020 an ausgegeben werden. Freilich nur an Kinder und Jugendliche mit Wohnsitz in Frankfurt am Main oder aber an solche, die in der Stadt eine Kita besuchen oder an einer Frankfurter Schule unterrichtet werden. Haushalte mit mehr als 4500 Euro Nettoeinkommen im Monat müssen jährlich 29 Euro bezahlen.

Die Sozialdemokraten in der Stadtregierung wären gerne weiter gegangen. Ihr Ziel war es, den Besuch in den nichtstädtischen Museen für alle Kinder und Jugendliche kostenfrei zu machen. Also auch für junge Leute von außerhalb Frankfurts und aus der ganzen Welt. Denn die Häuser in der internationalen Kulturstadt Frankfurt besuchen auch Familien aus der Volksrepublik China, aus den USA oder Spanien.

Museen Frankfurt: Kulturticket nicht für alle

Doch da spielt die CDU nicht mit. Ihr geht eine solche Öffnung zu weit, sie verursache zu hohe Kosten. Nils Kößler, der Fraktionsvorsitzende, bringt es im Gespräch mit der FR auf den Punkt: „Wir haben nicht die Pflicht, für Menschen, die nicht aus Frankfurt stammen, ein kostenloses Kulturticket anzubieten.“ Schließlich, so Kößler, müsse das Kufti von den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern finanziert werden.

Kinderkunstnacht in der Kunsthalle Schirn in Frankfurt.

Die Fachleute im städtischen Kulturamt rechnen bei der kleinen Variante mit 10.000 bis 20.000 Antragstellern bis zum Jahr 2021. Sie glauben, dass sich das Ticket bei den Familien in der Stadt als beliebtes Angebot etablieren wird. Würde man den Eintritt tatsächlich für alle jungen Leute aus nah und fern freigeben, hätten es nach Einschätzung der Experten 40.000 Tickets werden können.

Die Kosten für die kleine Lösung liegen nach Berechnung des Kulturamts bei 1,45 Millionen Euro bis 2021. Diese Summe könnte auf 2,29 Millionen Euro steigen, gäbe es bei den Nutzern weder eine Gemarkungs- noch eine Einkommensgrenze.

Museen in Frankfurt: Kinder und Jugendliche mit Kulturticket zur Kultur bringen

Kulturdezernentin Hartwig sagt ganz klar: „Es ist ein Kompromissmodell.“ Die Sozialdemokratin ist dennoch zufrieden. „Es geht darum, Kindern und Jugendlichen so früh wie möglich die Berührung mit Museen zu ermöglichen und dabei keine sozialen Einschränkungen zu machen.“

Ausdrücklich beruft sich Hartwig auf die Formel von der „Kultur für alle“ eines legendären Vorgängers. Der frühere Frankfurter Kulturdezernent Hilmar Hoffmann (SPD) hatte in einem berühmt gewordenen Buch von 1979 gefordert, dass alle Menschen unabhängig von ihrem sozialen Status, ihrer Herkunft und ihrem Einkommen Zugang zu Kulturinstitutionen bekommen sollten.

Als Hoffmann 1990 nach 20 Jahren sein Amt aufgab, war dieses Ziel noch nicht erreicht – und ist es auch heute noch nicht. Noch immer existiert gerade für Menschen aus bildungsfernen Schichten eine „Schwelle“, die sie von Kultureinrichtungen trennt, wie es Hartwig sagt. Ihr Ziel ist es, gerade so viele junge Leute wie möglich „über diese Schwelle zu bringen“. Über den freien Eintritt für den Zoo sollen auch Eltern wie Kinder und Jugendliche auch für die Museen interessiert werden.

Museen in Frankfurt: Mehr Kinder und Jugendliche in den Häusern

Bereits am 1. Januar 2017 war der Eintritt in 16 städtischen Museen unter 18-Jährige freigegeben worden. Dieser Schritt hat einen deutlichen Effekt ausgelöst. Kamen im Jahr 2016 insgesamt 47.394 Kinder und Jugendliche in die Museen, waren es im darauffolgenden Jahr 71.769 junge Menschen. Das entspricht einem Anstieg von 48 Prozent. Die Kulturdezernentin spricht von einem „Riesenerfolg für die Häuser“. Die Erwartungen seien bei weitem übertroffen worden.

Kinder vertonen Stummfilme im Deutschen Filmmuseum.

Bei den Einzelbesuchern zählten die städtischen Häuser im Jahr 2016 noch 18.236 junge Leute, ein Jahr später waren es 39.273. Die Zahl der Gruppenbesucher stieg ebenfalls an: von 29.158 im Jahr 2016 auf 30.230 im Jahr 2017.

Nach den Daten des jüngsten Mikrozensus leben in Frankfurt etwa 100 000 Kinder und Jugendliche, die als potenzielle Besucherinnen und Besucher der Museen infrage kommen. Das Kulturdezernat schätzt, dass 80 Prozent der jungen Leute das kostenlose Kulturticket zusteht.

Museen in Frankfurt: Juristen haben Zweifel an Kulturticket

Die städtischen Juristen haben große Zweifel daran, dass es rechtlich haltbar sein wird, nur Kindern und Jugendlichen aus Frankfurt den kostenlosen Eintritt zu gewähren und denjenigen, die in der Stadt Kitas und Schulen besuchen. Nach gültigem EU-Recht müsse allen jungen Besuchern dieses Privileg eingeräumt werden. Sie sagen voraus, dass ein Gericht gegen die Stadt Frankfurt entscheiden werde, sobald etwa Eltern von außerhalb auf freien Zugang auch für ihre Kinder klagten. Nils Kößler, den CDU-Fraktionsvorsitzenden im Römer, kümmert das nicht. „Ich gehe davon aus, dass das Kulturticket handwerklich solide gemacht wird, die Verantwortung dafür liegt bei der Kulturdezernentin“, argumentiert er. Das rechtliche Risiko zu beurteilen, sei jedenfalls „nicht Sache der Stadtverordneten“.

Zentraler Ansprechpartner für das Kufti soll das Kulturamt sein. Dort werden für diese Aufgabe mit dem neuen städtischen Doppelhaushalt 2020/2021 zwei neue Stellen geschaffen, die allerdings zeitlich befristet sind.

Die CDU hatte bei den Verhandlungen in der Römer-Koalition während der Klausur in Bad Nauheim bis zuletzt darauf bestanden, dass Haushalte mit mehr als 4500 Euro Nettoeinkommen für das Kulturticket zahlen sollten. Wäre es nach den Sozialdemokraten gegangen, gäbe es überhaupt keine Einkommensgrenze. Der künftige Preis von 29 Euro im Jahr für begüterte Familien richtet sich nach dem durchschnittlichen Preis einer Jahreskarte für die nichtstädtischen Kultureinrichtungen. Er beträgt gegenwärtig 30 Euro.

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