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Das Land- und Amtsgericht Frankfurt am Main.

Gericht

Urteil: Geheimnisverrat eines Polizisten

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Geheimnisverrat eines Polizisten verursacht keinen Schaden. Das Verfahren wird nach mehrstündiger Verhandlung eingestellt.

Manchmal bedarf es nur eines einzigen Satzes, und die komplexesten Sachverhalte finden eine einfache Lösung. Oder sie lösen sich in Wohlgefallen auf.

Der Kriminalhauptkommissar Frank L. (48) und die Putzfrau Elena P. (33) sitzen auf der Anklagebank des Amtsgerichts – er wegen des Verrats von Dienstgeheimnissen, sie wegen Anstiftung dazu. Laut Anklage hat der Kommissar, der ein „persönliches Verhältnis“ mit der Putzfrau unterhalten habe, im April 2017 auf deren Wunsch hin einen Blick in die geheimen Datenbanken der Ermittler geworfen. P. habe in Erfahrung bringen wollen, was aus ihrem Bekannten Romulus R. geworden sei. Der sei nämlich verschwunden, und wenn so einer wie Romulus R. verschwinde, könne das mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit an der Polizei liegen.

Tue es auch, habe Frank L. nach einem Blick in die Daten bestätigt, R. war festgenommen worden, weil er wohl einen seiner Kollegen am Bau, der unvorsichtigerweise dessen Familie beleidigt habe, dermaßen verprügelt hatte, dass das Opfer seines Augenlichts und beinahe seines Lebens verlustig gegangen war. Was Elena P. mit dieser Information angefangen hat, ist nicht bekannt. Aber laut Anklage sei die Information geeignet gewesen, die damals noch „laufende Fahndung nach möglichen Komplizen“ zu gefährden. Als im Laufe der internen Ermittlungen Frank L.s Kollegen Elena P.s Handy einkassierten, auf dem auch WhatsApp-Chats mit dem Kommissar gespeichert waren, hatte dieser versucht, das Telefon wiederzubekommen.

Vor Gericht gibt Elena P. ein seltsames Bild ab. Deutsch scheint ihr vollkommen fremd, aber auch die Dolmetscherin für das Rumänische kann da nicht weiterhelfen: P. scheint die einfachsten Fragen nicht zu verstehen, und wenn sie Antworten gibt, ergeben die nicht den geringsten Sinn.

Frank L. ist immerhin des Deutschen mächtig, seine Geschichte klingt dennoch wirr. Er leugnet nicht, der Putzfrau auf deren Frage nach ihrem Bekannten gesagt zu haben, dass dieser inhaftiert sei, und ihr eine Telefonnummer gegeben habe, unter der sich dessen Ehefrau nach ihm erkundigen könne – mehr aber auch nicht. Ein Verhältnis leugnet er. Den Chatverkehr versucht er dadurch zu erklären, dass er einmal beobachtet habe, wie Elena P. trotz Rückenschmerzen sein Büro gewienert und er ihr daraufhin eine Salbe aus der Apotheke besorgt habe – um sich anschließend per WhatsApp immer wieder danach zu erkundigen, ob sie nach dem Auftragen der Salbe auch brav die Hände gewaschen habe, wie die Apothekerin es empfahl.

So langsam verliert das Amtsgericht die Lust an diesem Fall, bei dem ja auch kein Schaden entstanden ist, außer bei Frank L., der laut seinem Verteidiger „nach unten versetzt“ wurde und gegen den ein Disziplinarverfahren läuft, weshalb er schon „gestraft genug“ sei. Der Richter ist nicht abgeneigt, das Verfahren wegen Geringfügigkeit einzustellen, aber die Staatsanwältin wüsste gerne noch, ob denn der Geheimnisverrat die Ermittlungen im Fall Romulus R. behindert habe, was gegen eine Einstellung spräche. Zu diesem Behufe wird einer von zehn als Zeugen geladenen Polizisten nach mehrstündiger Wartezeit dann doch noch kurz gehört.

L.s Vorgehen habe „keine Auswirkungen gehabt“, sagt er. Das Verfahren wird eingestellt.

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