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Meike Fiedler-Hermann in ihrem Laden an der Friedberger Landstraße. 

Einzelhandel

Kleine Läden: „Sehnsüchtig gewartet“

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    Judith Köneke
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Viele Frankfurter Händler freuen sich, wieder öffnen zu dürfen – und bereiten alles zum Schutz der Kunden und Mitarbeiter vor.

Als Meike Fiedler-Hermann gehört hatte, dass sie am Montag wieder öffnen könne, habe sie einen Luftsprung gemacht. Doch es gibt noch einiges zu tun, bevor die Inhaberin des Ladens Noord für ihre Kunden bereit ist. Vor der Kasse wird eine Plexiglasscheibe angebracht, Klebeband und Schilder sollen an den erforderlichen Abstand erinnern. Schöne Masken für ihre Mitarbeiter hat sie schon bei einem benachbarten Stoffladen in Auftrag gegeben, schließlich soll der Look einheitlich und schick sein – und zu Wohnaccessoires, Karten und Feinkost passen, die sie verkauft.

Ab kommender Woche dürfen Geschäfte bis zu einer Größe von 800 Quadratmetern wieder öffnen. Auf 20 Quadratmeter darf sich nur ein Kunde aufhalten. Das finde sie fast zu viel, sagt Fiedler-Hermann. Sie werde nicht mehr als zwei Kunden in ihre 80 Quadratmeter großen Räume an der Friedberger Landstraße lassen. Man müsse dann austüfteln, wie man den Kunden das mitteile. Ihren Mitarbeitern hatte sie freigestellt, ob sie arbeiten wollen. Einige warten lieber noch ab, bis etwa die Schulen wieder öffnen.

Die Öffnung am Montag käme gerade zur richtigen Zeit, denn langsam sei es kritisch geworden und sie hätte sonst einen Kredit aufnehmen müssen. Es war eine existenzielle Frage, schließlich hat die Schließung zu drastischen Einschnitten geführt. Die Soforthilfe sei noch nicht angekommen, also müsse sie den Kühlschrank und den Laden aus ihrem Ersparten befüllen. Interessant werde auch, wie die Beratung mit Abstand funktioniere. Aber sie ist zuversichtlich und freut sich, endlich wieder von Angesicht zu Angesicht zu beraten.

Kurzfristiger Beschluss

Viele kleine Händler bereiten sich in Frankfurt auf die Wiedereröffnung vor. „Ich denke, alle haben darauf sehnsüchtig gewartet“, sagt Andy Bule vom Kleider- und Schuhgeschäft Mina auf der Berger Straße. Er habe nie so recht nachvollziehen können, warum der Blumenladen oder Drogerien hätten verkaufen dürfen und er nicht. Obwohl er besser kontrollieren könne, dass der Abstand eingehalten werde.

Die Mitarbeiter des Einrichtungsladens Liebesdienste im Oeder Weg bereiten sich ebenfalls auf Montag vor. Von ihren drei Ebenen würden sie nur die Empore und das Erdgeschoss öffnen, sagt Inhaber Goran Djukic. Für ihn sei der Beschluss etwas kurzfristig gekommen. Aber er öffne für seine Kunden. Auch wenn das Einkaufserlebnis nicht so werde, wie die Stammkunden das gewohnt seien – mit Kosmetik testen, Feinkost probieren und Produkte entdecken. Dass der Umsatz dadurch wieder in die Höhe schnelle, glaubt er nicht, da doch nur ein kleiner Teil der ursprünglichen Kunden käme und kaufe.

„Letzte Wochen kräftezehrend“

Auch Kerstin Görling öffnet in der kommenden Woche ihren Modeladen Hayashi unweit der Frankfurter Börse wieder. „Die letzten Wochen waren kräftezehrend. Ich hatte zwar schon vor der Corona-Krise einen Onlineshop geplant, aber musste diesen dann innerhalb von zwei Wochen auf die Beine stellen. Alles neu organisieren, mit Päckchen verschicken.“ Sie ist froh, dass sie jetzt endlich wieder ihren echten Laden öffnen kann. „Ich hoffe, dass es zumindest ein bisschen weitergeht, aber ich habe keine große Hoffnung auf große Umsätze.“ Denn Events von Hochzeiten bis Partys fielen weg, also gebe es keine Anlässe, zu denen man schöne Kleider tragen könne. Auch online sei das Einkaufsverhalten sehr verhalten gewesen. „Die Krise kommt bei den Leuten langsam auch gehaltsmäßig an.“

Der Fahrradladen Per Pedale in Bockenheim durfte reparieren, ab Montag kann er wieder Räder und Zubehör verkaufen. Es sei Hochsaison, das Telefon klingele im Minutentakt, sagt ein Mitarbeiter. Er erwarte einen Ansturm. Chef Peter Leibe freut sich über die Öffnung, denn viele wollten neue Räder ja testen. Die Beratung per E-Mail und Telefon sei doch etwas schwierig. Er bereite alles vor, dabei sei Plexiglas nicht einfach zu bekommen. Hundert Masken hat er bereits bestellt. Aber er appelliert auch an die Kunden: „Es wäre schön, wenn sie die Läden nur mit Masken oder Schal betreten.“

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