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Der Virtuose Clemens Winter und sein Instrument.

Zeilsheim

Klassik einmal anders

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Clemens Winter lässt sein Akkordeon wie ein kleines Orchester klingen. Am Donnerstag Erklärkonzert im Saalbau Zeilsheim.

Clemens Winter kann nicht genau benennen, was in diesen zehn Tagen im vergangenen April passiert ist. Er ist zu Besuch in Frankfurt, schaut sich alles an, spaziert. Die Stadt gefällt ihm. Aber da ist mehr, etwas Mystisches. Wie er ins heimatliche Herrnhut bei Görlitz zurückkommt, hat er zum ersten Mal in seinem Leben das Gefühl, er muss jetzt nicht unbedingt zurückkehren.

Wenig später wagt der Musiker den Schritt: Der 29-Jährige zieht nach Frankfurt, genauer, nach Zeilsheim. Dabei passt ihm der Zeitpunkt gar nicht. Eigentlich hat er sich gerade verlobt. Doch ein Musiker braucht eine Bühne, beziehungsweise, so viele wie möglich. Und die hat das ländliche Herrnhut nicht gerade zu bieten. Und: Winter möchte Musik dorthin bringen, wo sie gebraucht wird. „Das ist der Sinn von Musik.“

Es müssen nicht einmal die großen Bühnen sein, findet Winter. Sein Instrument bietet den Vorteil, wie ein ganzes (kleines) Orchester klingen zu können. „Das Akkordeon hat Potenzial“, sagt er. Kleine Firmenfeiern kann er damit unterhalten, Vernissagen veredeln, Familienfeiern bespaßen und sogar Bestattungen begleiten. „Das ist ein Moment, in dem Leute Musik gut gebrauchen können“, sagt er.

Noch gehört das Akkordeon nicht zu den hippen Entdeckungen der just angelaufenen Frankfurter Musikmesse. Winter stört das nicht. „In zehn Jahren wird es vielleicht cool sein, Akkordeon zu spielen.“ Er hat selbst eine Weile gebraucht, um die Möglichkeiten all der Knöpfe und Register zu erkennen.

Winter ist das jüngste von fünf Geschwistern. Es ist eine musikalische Familie. Dass er ein Instrument lernt, ist klar, aber welches? Einzige Vorgabe: Es muss eins sein, das die anderen Winters nicht spielen. Für Blockflöte und Posaune fehlt ihm das Talent, sagt er, also landet der Neunjährige beim Akkordeon. Zufall. Ein Jahr später besucht er einen internationalen Wettbewerb mit Talenten aus aller Welt. Die Musikschule muss ihn fast dazu drängen. Mit Folgen.

„Das hat mir die Augen geöffnet.“ Oder die Ohren, das Herz allemal. Winter sieht und hört, was sein Instrument alles spielen kann, Jazz, Klassik, Caféhausmusik. Fortan nimmt er jedes Jahr am Wettbewerb teil, nicht um zu gewinnen, obschon er sich recht gut schlägt, einfach, um zu schwelgen und den wunderbaren Klängen zu lauschen.

Winter hat sein eigenes Spiel in der Klassik vertieft. Wenn es Jazz oder Pop sein sollen, setzt er sich eher ans Schlagzeug. Mit 16 Jahren beschließt er, nach dem Abitur Musik zu studieren. Nichts anderes, immerhin mit Instrumentalpädagogik, damit er unterrichten kann. „Vom Spielen alleine, kann man den Lebensunterhalt schlecht bestreiten.“

Noch möchte er sich allerdings nicht vertraglich an eine Musikschule binden. Er hält sich die Möglichkeit offen, mit seiner Band „Symphony of Nations“ auf Tour gehen zu können. Die christlich motivierte Gruppe vereint traditionelle arabische Melodien mit Gypsy, R&B, Jazz und Rock. Konzertreisen haben das Ensemble bereits nach Athen, Chicago, nach Polen, Tschechien, Slowakei, bis in die Ukraine geführt. Als nächstes steht aber ein Solokonzert in Zeilsheim an, nur Winter und sein Orchester, äh, Akkordeon.

Clemens Winter,„Die Vielfalt des Akkordeons“, Donnerstag, 4. April, 18.30-19.30 Uhr, Zeilsheimer Saalbau, Bechtenwaldstraße 17, Raum 5. Mehr Info unter: www.clemensbwinter.de

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