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Ei, was blüht denn da in Frankfurt? Birken sind es jedenfalls nicht.

Ärger über Birken

Heuschnupfen: Allergiker in Frankfurt fordern resolutes Vorgehen gegen die Birkenblüte

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Militante Allergiker in Frankfurt wollen wegen ihres Heuschnupfens Birken schlachten – und was sonst so wächst und nervt.

  • Frankfurt: Allergiker ärgern sich über Birkenblüte
  • Umweltdezernentin: Nicht nur Birken auf der Todesliste
  • Was besser gegen Heuschnupfen hilft

Wir müssen jetzt stark sein. Noch sollen in Frankfurt einige Birken stehen, heißt es. Aber so kann es nicht weitergehen. Diese Bäume – die müssen doch weg! Jedenfalls wenn es nach den Leuten geht, deren Namen wir hier nicht erwähnen.

Allergiker, und der Autor dieser Zeilen gehört seit 40 Jahren zu der Gruppe Auserwählter, Allergiker wie wir also freuen sich jedes Jahr auf die Blütezeit der Birken. Nicht. Es kommt dann nämlich zu körperlichen Reaktionen (Niesen, Husten, Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Zombie-Augen), die schon unter normalen Umständen wenig erbaulich sind, zurzeit aber noch unangenehmer, wenn das jemand mitkriegt. Die T-Shirts „Kein Corona, bei mir ist es nur Heuschnupfen!“ waren leider schon wieder ausverkauft.

Heuschnupfen in Frankfurt: Birken einfach abhacken?

Was kann man da machen? Na – wir hacken diese Bäume einfach kurz und klein! Schlagen jedenfalls einige Menschen vor, die in der Nähe von Birken arbeiten. Sie gehen davon aus, dass die Blütezeit zum massiven Problem wird, bitten das Grünflächenamt, aktiv zu werden, und zwar, Sie verzeihen, wenn hier kurz gebrüllt wird, „JETZT, BEVOR ES ZU SPÄT IST“. Zitat Ende.

Nun muss man verstehen: Die Menschen sind ernsthaft besorgt. Wenn Heuschnupfen auf Corona trifft, wer weiß, was dann passieren wird? Die Befürworter des großen Birkenschlachtens jedenfalls befürchten ein höheres Risiko schwerer Krankheitsverläufe. Das sollte niemand ins Lächerliche ziehen.

Ob die vorgeschlagene Gegenmaßnahme allerdings wirklich ernstgemeint ist – entscheiden Sie am besten selbst: Bis zur Birkenblüte „wäre eine Entnahme bzw. Kürzung aller Zweige der Birken durch die Städte, Bauamt, Forstämter, Gartenbaubetriebe aber auch Bürger kostengünstig und schnell möglich“.

Frankfurt: Neben Birken stehen auch Pappeln auf der Todesliste

Mit anderen Worten: allen Birken alle Zweige absägen. Im Frühling. Besser schon vor drei Wochen. Sonst, wie gesagt, „ist es zu spät“. Wir haben erst jetzt davon erfahren. Pardon. Ist es jetzt schon zu spät?

Was sagt die Umweltdezernentin dazu? Die Birke sei beileibe nicht die einzige Pflanze auf der Todesliste. „Wir bekommen jedes Jahr von verschiedenen Seiten Aufforderungen, die Blüte verschiedener Baumarten zu ,verhindern‘“, berichtet Rosemarie Heilig. Begründung: weil diese Bäume für Allergiker eine Belastung darstellen oder – und jetzt bitte gut anschnallen – „weil sie den Autolack beschädigen“. Was? Deutsche! Die Pappeln wollen eure Autos kaputtmachen!

Heuschnupfen in Frankfurt: Birken ausweichen und einfach drinnenbleiben

„Ich kann natürlich verstehen, dass die Menschen mit Allergien leiden“, sagt die Stadträtin von den Grünen, „aber wollen wir ernsthaft im Frühjahr die Bäume und Sträucher roden?“ Was kommt als nächstes, überlegt sie: „Im Sommer das Blühen der Wiesen verhindern und kein Getreide mehr anbauen, weil die Samen Allergien verursachen?“ Ob die Angehörigen unserer Spezies tatsächlich diese Sache mit der Biologie verstanden hätten, fragt sie sich: „Ohne Pflanzen gäbe es den Menschen nicht. Ist das wirklich nicht bekannt?“

Bleibt die Frage, was zu tun ist statt des Baumgemetzels. Erfahrenen Allergikern fällt da relativ schnell etwas ein: Wenn die Pollen fliegen – einfach drinnenbleiben. Soll gegen die schlimmsten Plagen unserer Zeit gerade sehr gut helfen. Und später im Sommer gibt es dann ein wunderbares Mittel gegen Hitze: den Schatten der Bäume. 

Thomas Stillbauer

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