Jürgen Graf organisiert die Kooperation im Gesundheitswesen.
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Jürgen Graf organisiert die Kooperation im Gesundheitswesen.

Krisenmanager im Porträt

Dieser Mann soll Hessen durch die Corona-Krise bringen

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Jürgen Graf leitet den Planungsstab Covid-19 im hessischen Sozialministerium. Ein Knochenjob in Zeiten der Corona-Krise, der selbst einem erfahrenen Manager einiges abverlangt.

  • Das Coronavirus breitet sich aktuell in Hessen  weiter aus 
  • Jürgen Gräf organisiert den Umgang des Bundeslandes auf die Pandemie 
  • Im Zentrum des hessischen Krisenplan s: die Frankfurter Uniklinik

Frankfurt -  Es gibt Dinge, die dulden keinen Aufschub. Im Moment sind es so viele, dass so gut wie alles Private unter den Tisch fällt. Wochenende? Fehlanzeige. Abends bei der Familie in Gießen sein? Läuft nicht. Es geht ums Ganze. Darum, die hiesige Bevölkerung möglichst vor einem Schicksal wie das der Menschen in Italien zu bewahren. Eine große Herausforderung. Ob sie gelingt, werden die nächsten Wochen zeigen. Jürgen Graf ist zuversichtlich. Und er ist für diesen Job der richtige Mann.

Hessen in der Corona-Krise: Dieser Mann leitet den Planungsstab Covid-19

Eigentlich hat der 50-Jährige bereits einen Vollzeitjob. Ein Ärztlicher Direktor der Frankfurter Universitätsklinik mit ihren vielen Baustellen hat jede Menge Aufgaben – viele davon sind administrativ. Auf Wunsch von Sozialminister Kai Klose (Grüne) hat er jetzt zusätzlich den Planungsstab Covid-19 Hessen übernommen. Eine große Verantwortung in einem Konstrukt mit vielen verschiedenen Spielern im Gesundheitswesen. In der Zeit der Pandemie ziehen alle an einem Strang.

Ein wenig ist das ein Stück zu den Wurzeln des Arztberufs. Denn alles ist einzig und allein darauf ausgerichtet, für die Patienten eine bestmögliche Versorgung bereitzustellen.

Jürgen Graf behält in der Corona-Krise für Hessen den Überblick

Graf ist ein Macher. Ein Manager. Und einer, der ständig gerne dazulernt. Ausbildung an der Universitätsklinik Aachen, Leiter des Medizinischen Dienstes der Deutschen Lufthansa in Frankfurt, Facharzt für Innere Medizin, Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Zusatzbezeichnung Notfallmedizin, Betriebsmedizin und Flugmedizin. Qualitätsmanager, Risikomanager, Pilotenschein. Professur an der Philipps-Universität Marburg. Drei Kinder, verheiratet mit Elke Roeb, Leiterin des Schwerpunkts Gastroenterologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Seit Juli 2016 ist der 50-Jährige Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Frankfurt.

Corona in Hessen: Uniklinik Frankfurt zum Covid-19-Haus umfunktioniert

Ein Mann mit reichlich Erfahrung. Doch was er und seine Mitstreiter in den vergangenen Wochen mit der Uniklinik anstellten, war auch für ihn etwas komplett Neues. Graf hat den Betrieb auseinandergenommen. In zwei Teile getrennt, um das Virus von den anderen Krankheiten, die es ja weiter an der Uniklinik gibt, zu trennen. Patienten und Mitarbeiter zogen in andere Liegenschaften auf dem weiten Campus um. Betten wurden verlegt, technisches Gerät. Inzwischen ist das Hauptgebäude, das Haus 23, zum Covid-Haus umfunktioniert. Nur wenige Funktionsräume sind an ihren alten Stellen geblieben.

Gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, den zentralen Überblick zu behalten. Deshalb, sagt Graf, habe er gerne zugestimmt, als Minister Klose mit der Bitte an ihn herangetreten sei, die Steuerung zu übernehmen. Liegt ja auch nah bei der einzigen Uniklinik im Eigentum des Landes Hessen, die nach der Privatisierung der Häuser in Marburg und Gießen vor 15 Jahren übrig geblieben ist.

Hessische Reaktion auf Corona-Pandemie: Zusammenarbeit von Ämtern und Rettungsdienst

Und so hat Graf in den vergangenen Wochen sich mit sehr vielen Kollegen ausgetauscht, im gesamten Land. Im Sozialministerium in Wiesbaden geht er im Moment ein und aus. Hat mit Vertretern der Niedergelassenen zusammengegessen, mit Rettungsdienst, Gesundheitsämtern, Infektionsschutz, Berufsverbänden. Mit dabei sind auch die Alten- und Pflegeheime, der Katastrophenschutz, auch die Rehakliniken könnten noch eine wichtige Rolle spielen. Die Kooperation klappt. „Alle arbeiten sehr lösungsorientiert.“ Keine Animositäten, wie sie sonst gelegentlich vorkommen zwischen den Vertretern des ambulanten Sektors und des stationären.

Den Nukleus bilden Frankfurter Uniklinik und fünf weitere Krankenhäuser in je einem Versorgungsgebiet. Jedes hat eine koordinierende Funktion. Gemeinsam mit dem Planungsstab entwickeln sie eine Versorgungsstruktur für die Pandemie. Graf und sein Team beraten zu Fragen der Sicherstellung, Organisation, erarbeiten Vorschläge zur Versorgung von Covid-19-Patientinnen und -Patienten. Der Planungsstab hat stets die aktuelle Übersicht über die Belegungen und die Ressourcen aller Krankenhäuser im Blick. Zum Einsatz kommt dabei auch Ivena – der interdisziplinäre Versorgungsnachweis. Rettungsdienste sehen dort auf einen Blick, wo Kapazitäten frei sind.

Verantwortlicher für Hessen in der Corona-Krise: "Auf alles vorbereitet sein"

Es gehe darum, auf alles vorbereitet zu sein, sagt Graf. „Da wir das genaue Ausmaß der auf uns zukommenden Versorgungsnotwendigkeit nicht kennen, ist eine zentrale Steuerung der in vielen Bereichen knappen Ressourcen zur bestmöglichen Versorgung aller Patienten unumgänglich.“ Das sei binnen kürzester Zeit in einem gemeinschaftlichen Akt gelungen. „Ich bin sehr stolz auf alle Beteiligten im Gesundheitswesen.“

Der Stresstest kann beginnen. Wenn es gut laufe, sagt Graf, könnte Ende April der Höhepunkt überschritten sei. Bis auch die Schwerkranken genesen seien, werde noch der Mai vergangen sein, womöglich auch der Juni. Es sei eine harte Zeit, sagt der begeisterte Läufer. Auch er vermisst das gesellschaftliche Leben, den Betrieb an der Uni. „Aber wir müssen das in den Griff kriegen.“

Was er sich wünscht für die Zeit nach der Pandemie ist, dass die Menschen nach Corona nicht gleich wieder zur Tagesordnung zurückkehren. Die eine oder andere Routine überdenken. Zum Beispiel künftig kein Jahr mehr die Grippeschutzimpfung verpassen. Das wäre ein Riesenfortschritt.

Von Jutta Rippegather

Im öffentlichen Nahverkehr in und um Frankfurt gilt wegen Corona die Maskenpflicht* ab Montag (27.04.2020). Das werden laut VGF auch die Kontrolleure überprüfen.

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