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Das Landgericht hat sein Urteil gesprochen: Yassine A. wurde wegen Totschlags zu fünf Jahren Jugendstrafe verurteilt.

Prozess gegen Yassine A.

Härteres Urteil für Todesraser

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In zweiter Instanz wird Yassine A. wegen Totschlags zu fünf Jahren Jugendstrafe verurteilt.

Das Landgericht hat den heute 24 Jahre alten Yassine A. am Montag wegen Totschlags zu einer Jugendstrafe von fünf Jahren verurteilt. Der damals 20 Jahre alte A. war am 22. April 2015 am Steuer eines geliehenen 300-PS-BMW mit mehr als 140 Kilometern pro Stunde am Schwanheimer Ufer entlanggerast, über eine seit sieben Sekunden Rot zeigende Ampel gedonnert und in den Audi des 43 Jahre alten André H. gefahren. Der angeschnallte H. starb noch am Unfallort. Der nicht angeschnallte A. erlitt ein paar Prellungen.

Das Landgericht hatte A. bereits im Dezember 2016 wegen fahrlässiger Tötung zu einer Jugendstrafe von drei Jahren verurteilt – ein für fahrlässige Tötung relativ hohes Strafmaß, aber auch in diesem Prozess war ursprünglich Totschlag angeklagt gewesen. Doch die Kammer sah damals nicht, dass A. den Tod eines anderen „billigend in Kauf“ genommen habe – eine Grundvoraussetzung des Totschlags. Hätte er dies getan, hätte er sich wohl selbst angeschnallt, so die damalige Urteilsbegründung – und nicht bloß einen Chip in die Gurthalterung gesteckt, damit der Gurt-Warnton nicht mehr piepst. Diese Art der Sicherheitsüberlistung gilt in Raser- und Poser-Kreisen als extrem cool – im Gegensatz zum Anschnallen. Sowohl A. als auch die Staatsanwaltschaft hatten Revision eingelegt, der BGH hatte das Urteil gekippt.

Auch in dem neuen Prozess konnte die Kammer nicht erkennen, dass es sich um ein „klassisches Rennen“ gehandelt habe – A. hatte angegeben, er und seine Kumpels, ebenfalls in Luxus-Leihautos unterwegs, seien am Main entlanggerast, weil sie möglichst schnell zur Hochzeit einer „Cousine“ in Holland hätten gelangen wollen. Statt eines Rennens könnte auch bloßes „Imponiergehabe“ der Grund für die Raserei gewesen sein.

Mit bedingtem Tötungsvorsatz unterwegs

Aber das habe für die Urteilsfindung auch keine Rolle gespielt. Die Kammer ist der Überzeugung, dass A. mit bedingtem Tötungsvorsatz unterwegs gewesen sei und den Tod anderer „als mögliche, nicht ganz fernliegende“ Folge in Kauf genommen habe. A. selbst hatte ein Rennen stets geleugnet, hatte angegeben, im „Geschwindigkeitsrausch“ die „Gefahr ausgeblendet“ und sich selbst überschätzt zu haben. „Das reicht nicht!“, so die Vorsitzende Richterin in der Urteilsbegründung. Mordmerkmale konnte die Kammer nicht erkennen.

Vor dem Unfall hatte Yassine A. lediglich eine überbordende Verkehrssünderakte sowie dazugehörige Verurteilungen wegen Beleidigung und Ähnlichem vorzuweisen. Nach dem Unfall rutschte er vollends ab, schmiss seine Ausbildung und wurde schließlich wegen Bandendiebstahls zu einer Haftstrafe verurteilt – seit vier Monaten ist er wieder auf freiem Fuß. In das jetzige Urteil floss auch eine Verurteilung wegen Nötigung und Beleidigung ein – A. hatte eine Autofahrerin, die ihm zu langsam fuhr, bedrängelt, geschnitten und schließlich an einer Ampel mit dem Poser-Gruß „Ich fick‘ dich, du Hure“ angesprochen.

Bislang, so die Urteilsbegründung, habe sich A. intensiv mit den schlimmen Folgen des Unfalls für sein eigenes Leben beschäftigt. Bei den Gedanken an das Opfer und dessen Hinterbliebene sowie seine eigene Rolle im Straßenverkehr sieht die Kammer noch extremen Nachholbedarf. Seinen Führerschein ist er für ein weiteres Jahr los – für eine lebenslange Sperre sah das Gericht nicht genug Gründe.

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