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Die Demonstration der Frankfurter „Fridays for Future“ an ihrem globalen Aktionstag am 20. September.

Aktion einer jungen Aktivisten

„Fridays for Future“ in Frankfurt: Hungerstreik für den Klimaschutz

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Eine junge Aktivistin der „Fridays for Future“ Frankfurt will eine Woche lang auf Nahrung verzichten. Ihre Ankündigung löst Sorgen und auch Kritik aus.

Frankfurt - Sarah Haenßgen meint es ernst. Seit April geht die 19-jährige Studentin mit den „Fridays for Future“ in Frankfurt auf die Straße. Aber trotz der großen Aufmerksamkeit für diese Demonstrationen habe sich politisch wenig bewegt, sagt Haenßgen. Das Klimaschutzpaket der Bundesregierung empfinde sie sogar als „Schlag ins Gesicht für alle, die sich für das Klima engagieren“. Deshalb will die Studentin einen Schritt weitergehen: Von morgen an will sie bis zum globalen Aktionstag der Fridays for Future am 29. November in den Hungerstreik treten und nur Wasser und gesüßten Tee zu sich nehmen.

Sie wolle mit ihrer Aktion zeigen, dass sie bereit sei, mehr zu tun, als nur zu protestieren, sagt Haenßgen. Gleichzeitig mit ihr will ein junger Aktivist aus Berlin auf Nahrung verzichten. „Wir wollen wachrütteln, es geht um unsere Zukunft“, sagt Haenßgen. Sie glaube nicht, dass Hungerstreiks an sich die richtige Aktionsform für Klimaproteste seien, sie rufe auch nicht dazu auf, es ihr gleichzutun. Aber sie wolle Aufmerksamkeit erzielen und eine Debatte darüber anstoßen, „wie weit wir eigentlich gehen wollen“.

Frankfurt: Umweltdezernentin Heilig reagiert besorgt

Asuka Kähler, ein Sprecher der Frankfurter Fridays for Future, sagte der Frankfurter Rundschau, in der Bewegung herrsche Konsens, dass ein Hungerstreik keine politische Veränderung bringe und man diese sowieso nicht erzwingen könne. Aber man sei derzeit auf der Suche nach Methoden, den Druck auf die Politik weiter zu erhöhen. Grundsätzlich gebe es zum Hungerstreik von Haenßgen daher „keinen Widerspruch bei uns“, sagte Kähler. Bei der Demo am morgigen Freitag werde man sich auch mit ihrer Aktion solidarisieren.

Bei Politikern und Sympathisanten der Fridays for Future löst die Ankündigung Haenßgens unterdessen Sorge und auch Kritik aus. Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) sagte der FR, die Aktivistin bringe sich mit einem Hungerstreik „bewusst gesundheitlich in Gefahr“. Sie hoffe sehr, dass die junge Frau sich ärztlich begleiten lasse, sagte Heilig. Grundsätzlich könne sie „gut verstehen, dass die jungen Leute ungeduldig werden“. Aber ein Hungerstreik müsse „das letzte Mittel sein“ und passe eher zu Protesten in Diktaturen, wo es keine andere Chance gebe, sich Gehör zu verschaffen. „Wir haben aber ganz andere Möglichkeiten in der Demokratie.“

Greenpeace Frankfurt: Politische Mehrheiten statt spektakuläre Aktionen 

Jörn Burger von Greenpeace Frankfurt sagte der FR, das große Verdienst der Fridays for Future sei es, den Klimawandel zu einem Thema gemacht zu haben. Statt auf spektakuläre Aktionen müsse man jetzt weiter auf politische Mehrheiten hoffen. „Ich glaube nicht, dass ein Hungerstreik etwas bewegen kann. Solche Einzelaktionen sind wesentlich weniger wichtig als die vielen Menschen auf der Straße“, sagte Burger. Auch Achim Heier von Attac betonte, seine Organisation setze eher auf zivilen Ungehorsam, um die Politik unter Druck zu setzen – wie etwa bei den Protesten gegen die Automesse IAA. „Für uns ist gemeinsames Handeln, das auch legale Grenzen durchbricht, das angemessene Mittel.“

Stadtverordnete Frankfurt kritisiert geplanten Hungerstreik

Die Frankfurter Stadtverordnete Jutta Ditfurth (Ökolinx) sagte der FR, sie könne „Märtyreraktionen überhaupt nicht ausstehen“. Sie befürchte, dass etwa durch die Hungerstreiks der Protestbewegung „Extinction Rebellion“ in der Klimabewegung zunehmend „eine Stimmung geschaffen wird für selbstaufopfernde Aktionen“. Dabei werde dann nicht mehr auf Gesellschaftsanalyse und politisches Handeln gesetzt, „sondern man leidet und hofft, die Welt reagiert richti

von Hanning Voigts

Der Klima-Bericht der Bundesregierung liefert alarmierende Zahlen. 

Zudem sieht sich die Polizei Frankfurt nach einer Demonstration der Fridays for Future schweren Vorwürfen ausgesetzt. Auch die Bewegung selbst hat sich dazu geäußert.

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