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Der Frankfurter Kaiserdom ist wegen der laufenden Sanierungsarbeiten halb eingerüstet.

Brandschutz

Der Frankfurter Kaiserdom ist sicherer als Notre-Dame

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Der Dachstuhl des Frankfurter Kaiserdoms besteht aus Stahl, außerdem gibt es eine hochmoderne Brandmeldeanlage.

Das verheerende Feuer in der Kathedrale von Notre Dame in Paris hat in Frankfurt die Frage nach dem Brandschutz des Kaiserdoms aufgeworfen. Auch der 1239 geweihte Dom im Herzen der Stadt wird zurzeit saniert und ist teilweise eingerüstet. Frankfurts Dombaumeister Robert Sommer wollte einen möglichen Brand in dem großen Gotteshaus nicht völlig ausschließen: „Das wäre Träumerei“, sagte der 66-Jährige im Gespräch mit der FR. 

Allerdings sei der Brandschutz des Domes in anderer Weise gewährleistet als bei Notre Dame. Der Dachstuhl bei der Pariser Kathedrale bestehe aus Holz, der des Doms aus Puddelstahl, der weitaus schwerer entflammbar sei. Der Dachstuhl sei noch im Original von 1870 erhalten. 

Auch Löscharbeiten sollen sich in Frankfurt einfacher gestalten als bei der Pariser Kathedrale. Der Dom verfüge über eine Steigleitung, über die im Zweifelsfall Löschwasser nach oben gepumpt werden könne. Außerdem gebe es im Dachstuhl eine hochmoderne Brandmeldeanlage, deren Technik gerade aktualisiert worden sei. 

Löschfahrzeuge können in fünf Minuten vor Ort sein

Schieferdecker Günter Schreckenberg verlegt Ziegel auf die Dachhaut des Doms.

Ein Sprecher der Frankfurter Berufsfeuerwehr sagte der FR, nach den bestehenden Alarmplänen könnten Löschfahrzeuge binnen fünf Minuten vor Ort sein, „Laut Gesetz dürfen wir zehn Minuten brauchen, wir streben aber in der Regel acht Minuten an“. Löschzüge aus den Wachen Franziusstraße, Heinrichstraße und Mörfelder Landstraße könnten am schnellsten anrücken.

Die derzeitigen Sanierungsarbeiten am Dom laufen seit 2015 und gelten einem Teil des Daches und der Fassaden. Dombaumeister Sommer erinnerte sich, dass es Ende der 80er Jahre einmal bei Sanierungsarbeiten im Dachstuhl einen kleinen Brand gegeben habe. „Bei Lötarbeiten gab es Funkenflug, die Feuerwehr hat das dann gelöscht.“ 

Nach Sommers Worten wird die Katastrophe von Notre Dame Konsequenzen in Deutschland haben. „Der Brandschutz von Großkirchen muss ein Thema werden“, sagte der Architekt. Gerade bei Häusern im Besitz der Kirche „liegt beim Brandschutz einiges im Argen“. Schuld daran sei die mangelnde finanzielle Ausstattung. 

Burkhard Markgraf informiert sich in Vertretung von Dombaumeister Robert Sommer über den Dachstuhl.

Der Kaiserdom in Frankfurt gehört dagegen zu den sogenannten Dotationskirchen, für die die Stadt zuständig ist. „Für die Kirchen fließt sehr viel Geld, wir können uns nicht beklagen“, sagte Sommer. Allein die Arbeiten am Dom kosteten rund zehn Millionen Euro. 

Stadtdekan Johannes zu Eltz fordert finanzielle Hilfe für Notre-Dame

Punkt 12 Uhr läuteten die Glocken des Kaiserdomes wie auch die anderer großer Gotteshäuser in Deutschland. Auf diese Solidaritätsaktion hatten sich die deutschen Dombaumeister am frühen Morgen verständigt. Sie stehen laut Sommer in Kontakt mit den Kollegen von Notre Dame, die im Gegensatz zu ihnen Bedienstete des Staates sind. Frankfurts Stadtdekan Johannes zu Eltz zeigte sich erschüttert von den Geschehnissen in Paris. Seine ersten Gedanken seien „Schrecken und Erbarmen mit den Menschen“ gewesen, sagte der Geistliche im Gespräch mit der FR. Der Stadtdekan forderte eine „breite Hilfsaktion“ für Notre Dame. Sie dürfe nicht nur spirituell sein, sondern müsse sich auch materiell niederschlagen. 

Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) sagte der FR: „Als Katholik bin ich mit dem Herzen bei unseren französischen Freunden.“ Ein Bauwerk wie Notre Dame sei nicht nur weithin sichtbar, „sondern Sinnbild der Kirche“. Es verkörpere in besonderer Weise die kulturhistorische Bedeutung, stehe für die Identität eines Landes und einer Stadt“. „Es ist immer auch ein Ausrufezeichen von Kirche und christlicher Tradition“, fügte Becker hinzu.

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