+
Sewastos Sampsounis und Charlotte Heine messen im Restaurant Größenwahn ab.

Gastronomie

Corona-Regeln für Restaurants: „Lange kann man so nicht überleben“

  • schließen

Restaurants, Bars und Cafes in Frankfurt dürfen dank der Corona-Lockerung wieder aufmachen, allerdings unter strengen Auflagen.

  • In Hessen dürfen Restaurants nach der Lockerung der Corona*-Maßnahmen wieder öffnen
  • Gastronomen in Frankfurt rechnen mit einem Minusgeschäft
  • Einige Restaurants bleiben wegen der strengen Corona-Auflagen geschlossen

Frankfurt - Es wird nicht so sein wie vorher, auch wenn das Café Größenwahn in Frankfurt nach der Corona-Pause wieder seine Türen öffnet. Kein Gedränge, kein sich an die Bar quetschen in dem beliebten Restaurant im Frankfurter Stadtteil Nordend. Stattdessen aufpassen, dass der Abstand von 1,5 Metern eingehalten wird, viel desinfizieren sowie Kellner und Köche mit Masken. „Einfach vorbeischauen geht nicht mehr, Spontanität sieht anders aus“, bedauert einer der Teilhaber, Sewastos Sampsounis, den die Gäste als Takis kennen.

Corona-Lockerung: Restaurants in Frankfurt dürfen wieder öffnen

Ab dem heutigen Freitag können Restaurants, Cafés und Bars in Hessen* nach der Schließung wegen der Corona-Pandemie wieder öffnen. Allerdings mit strengen Auflagen. „Wir haben viel vorbereitet und kalkuliert, Personal eingeteilt und die Karte verkleinert“, erzählt Sampsounis. Da pro Gast mit fünf Quadratmeter Fläche gerechnet werden muss, dürfen sie nur 18 Menschen auf einmal bewirten. 

Statt sonst 70 oder manchmal bis zu hundert. Die Gäste bekommen Slots, jeder darf zwei Stunden bleiben. Viele Stammgäste hätten zwar schon reserviert, sagt Sampsounis, aber all das, was die Gaststätte ausmache, falle aus: miteinander ins Gespräch kommen, Leute mit verschiedenen Hintergründen zusammenbringen. Und schon jetzt sei klar, es werde für das Restaurant in Frankfurt wegen der Corona-Auflagen ein Minusgeschäft, sagt Sampsounis. Denn Ausgaben wie Miete, Strom, Telefon laufen weiter. Man öffne eher für die Gäste. „Aber lange kann man so nicht überleben.“ Dann stünden auch Entlassungen im Raum.

Für Restaurants in Frankfurt bedeuten Corona-Regeln ein Minusgeschäft

Im Café Crumble in Frankfurt-Bockenheim können sich ab Freitag ebenfalls ein paar Menschen ihren Kuchen wieder drinnen schmecken lassen. Aber „ich mache mit sehr gemischten Gefühlen wieder auf“, sagt Inhaberin Bettina Evans. So habe sie sich das nicht vorgestellt. Sie hat nachgelesen, den Boden abgeklebt und abgemessen, „ein Riesenaufwand“. Sie setzt nun auf ihren Sommergarten und hofft, dass ihre Stammgäste wiederkommen.

Vor allem für die Kleineren lohnt sich der Aufwand wirtschaftlich nicht. Branchenverband Dehoga Hessen schätzt, dass jeder vierte bis fünfte Betrieb nicht öffnen wird. Roswitha Stern, Inhaberin des kleinen Italieners Pasta Da Vini in der Frankfurter Innenstadt wird ebenfalls erst mal nur weiter Take-away anbieten. Sechs Gäste dürften in ihre Räume. Sie hofft, dass nachgebessert wird. 

Frankfurt: Einige Restaurants bleiben wegen strenger Corona-Regeln geschlossen

„Die Fünf-Quadratmeter-Regel ist lächerlich.“ Um ihren Gästen frische Speisen anzubieten, stünden mehr in der Küche. Die bunte Bar Old Fritz im Ostend in Frankfurt wird ebenfalls zu bleiben, obwohl Kneipen öffnen dürfen, sofern sie keinem Tanzlokal ähneln. Der Verlust sei zu groß, sagt Mitteilhaberin Zlatka Halilagic. Und: „Wir wollen keine halben Sachen machen.“ Man werde öffnen, wenn man den Gästen die gewohnte Atmosphäre wieder bieten könne. Trotz der Lockerung der Corona-Maßnahmen bleiben in Hessen viele Restaurants geschlossen.

Aber auch größere wie das Sternerestaurant Français im Frankfurter Hof bleiben zunächst geschlossen. Es lohne sich nicht, solange keine Hotelgäste da seien, sagt ein Mitarbeiter. Hin- und hergerissen war Astrit Hajzeraj, Chef des Thailänders Rama V in der Innenstadt in Frankfurt. Aber er vermisse die Kunden und die seinen Betrieb. „Es graut mir davor, dass mein schönes Restaurant bald einem Krankenhaus ähnelt.“ 

Er habe eine Riesenliste vor sich. Die Gäste müssten etwa ihre Daten hinterlassen, damit später Infektionsketten nachverfolgt werden könnten. Fehle nur noch, dass sie ihre Lieblingsfarbe und Schuhgröße aufschrieben, ärgert sich Hajzeraj. Er findet manche Auflagen paradox, „zum Frisör und mich massieren lassen, kann ich ja auch“. So würden nun viele Gastronomen insolvent.

Frankfurt: Für Restaurants sind Corona-Regeln eine Herausforderung

Lorna O’Sullivan von der Apfelweinwirtschaft Dauth-Schneider in Frankfurt-Sachsenhausen habe erst mal Juchhu gerufen, als sie die Neuigkeiten hörte. Denn die Corona-Maßnahmen wurden auch für Restaurants gelockert. Dann habe sie sich die Corona-Richlinien angeschaut. Statt 400 Gäste kann sie nur 84 bewirten, das bedeute gerade mal 20 Prozent des Umsatzes. „Wenn die Regierung nichts ändert, werden wir wieder schließen.“

Aber viele Gäste hätten sich so gefreut, und es sei ja auch schön, nicht nur am Fenster schnell etwas auszuhändigen, sondern sich eine Minute länger am Tisch zu unterhalten. Dass alles klappt, dafür werde ein Gästemanager sorgen, der am Eingang stehe.

„Generell sind wir glücklich, starten zu dürfen“, sagt Gerald Kink, Präsident der Dehoga Hessen. Für jeden Betrieb bedeuteten die Beschränkungen eine große Herausforderung – vor allem die Fünf-Quadratmeter-Regel. Gerade für kleinere Betriebe sei diese brutal. Er hofft auf eine neue Evaluierung Anfang Juni. Kink geht davon aus, dass 20 Prozent die Krise nicht überleben. „Wir brauchen dringend Rettungsfonds und Nothilfe der Regierung.“ Aus Protest gegen die Corona-Auflagen ruft die Frankfurter Gastronomieinitiative IGF dazu auf, Gaststätten am Freitag noch geschlossen zu lassen.

Verständnis für die Sorgen der Gastronomen äußerte am Donnerstag der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Nach einem Besuch im Restaurant „Margarete“ an der Braubachstraße sagte er über die Fünf-Quadratmeter-Regel: „Das ist oft hart, weil es sich für viele nicht lohnt, ihr Restaurant für wenige Gäste überhaupt zu öffnen.“ Alle anderen Bundesländer seien „da pragmatischer als Hessen“. Feldmann forderte „eine Angleichung des hessischen Sonderweges an den nationalen Standard“.

Viele Restaurants in Frankfurt öffnen nicht: Die Corona-Regeln in Hessen

Restaurants und Cafés in Hessen dürfen ab 15. Mai öffnen, aber die Personenzahl ist beschränkt, innen und außen. Pro Gast müssen fünf Quadratmeter Fläche gerechnet werden. Der Mindestabstand von 1,5 Metern muss eingehalten werden, sofern es keine Trennvorrichtungen gibt. Für Familien und Angehörige eines Haushalts gilt das nicht. Reservierungen sind nicht Pflicht. 

Bedienungen und Küchenpersonal müssen Mundschutz tragen, für Gäste wird dies – außer natürlich beim Essen – empfohlen. Gegenstände wie Salzstreuer, Pfeffermühlen oder Besteckgefäße sind nicht zugelassen. Buffets sind untersagt. Und natürlich muss viel desinfiziert und die Verhaltensregeln müssen ausgehängt werden. 

Alle Gäste sollen mit Namen, Anschrift und Telefonnummer erfasst werden, damit später mögliche Infektionsketten nachverfolgt werden können. 

Bars, Kneipen und Schankwirtschaften dürfen öffnen, wenn sie mit Gaststätten vergleichbar sind. Wenn sie eher Diskotheken und Tanzlokalen ähneln, ist der Betrieb untersagt. Die Regeln sind dieselben. 

Von Judith Köneke

Er hat vier Rathauschefs bedient und wird noch den fünften empfangen, dann nimmt der Pan Tau der „gut’ Stubb“ seinen Hut. Wirt Miron Mioc übergibt die Schlüssel fürs Bürgerhaus-Restaurant.*

In Hessen öffnen die Kitas in der Corona-Krise wieder. Die Opposition kritisiert den Plan der Regierung jedoch scharf.

*fr.de, fnp.de und op-online.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare