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Hofft auf Soforthilfe: „Bett“-Betreiberin Missy Motown.

Corona

Frankfurter Club „Das Bett“ steht wegen Corona vor ungewisser Zukunft

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Die Club-Betreiberin Missy Motown spricht über die Folgen der Corona-Krise für ihre Branche – der Umsatz im „Das Bett“ ist auf null gefallen.

Missy Motown sitzt am Bühnenrand des Frankfurter Musik- und Konzertclubs „Das Bett“. Hier, wo normalerweise Bands spielen, schwitzen und vor ihnen die Menge tanzt. Doch jetzt ist es fast schon museumsstill im Club. Nur die Kaffeemaschine läuft unweit der Bar. In Missy Motowns Nähe steht ein Schlagzeug auf der ansonsten leeren Bühne, gespielt werden wird es zunächst nicht mehr. Denn auch die Clubs mussten wegen der Corona-Pandemie auf unbestimmte Zeit schließen.

„Gerade in unserer Branche sind wir alle mit viel Idealismus und Herz dabei“, sagt die „Bett“-Betreiberin. „Das ist kein Business, mit dem man reich wird. Wir sind also sowieso schon deutlich mehr bereit, finanziell zu bluten. Jetzt aber, mit der Schließung unseres Clubs, müssen wir schauen, wo die Reise hingeht. Und wie und wie lange wir durchhalten.“

Missy Motown – das ist der Künstlername der 44-Jährigen – hat den Club im Gallus vor vier Jahren gekauft. „Normalerweise bleibe ich lieber im Hintergrund, aber jetzt, ist das die falsche Zeit, um die Klappe zu halten“, sagt sie.

30 Leute arbeiten im „Bett“

Der Umsatz sei auf null gefallen. „Wir haben leider wenig Optionen. Wir können ja schlecht einen Lieferservice mit Bands anbieten“, sagt sie und zuckt die Schultern. „Auch ein Livestream eines Konzerts ist unmöglich. Wie sollte denn der Mindestabstand zwischen den Bandmitgliedern eingehalten werden?“

30 Leute arbeiten im „Bett“, 12 davon in Festanstellung. Im Service sind viele Minijobber tätig. „Für alle Mitarbeiter habe ich Kurzarbeitergeld ab dem 18. März beantragt“, sagt die Chefin, „auch für unsere Minijobber in der Hoffnung, dass sie am Ende auch welches gewährt bekommen. Denn ich will niemanden aus dem Team verlieren.“

Außerdem habe sie 30 000 Euro Soforthilfe beantragt. „Letztes Jahr haben wir den Club noch für 80 000 Euro umgebaut, um ihn zu vergrößern. Vorher passten 300 Leute rein, heute sind es 500. Mit dem Coronavirus haben wir aber nicht gerechnet, deshalb sind wir massiv auf Soforthilfen angewiesen.“ Die Anträge seien alle ausgefüllt und weggeschickt. Bislang aber habe sie noch keine Antwort erhalten.

Planungen kaum möglich

Der Vermieter sei ihr entgegengekommen, zwei Monate lang muss das „Bett“ keine Miete zahlen. „Aber was ist, wenn wir erst in acht Monaten wieder öffnen dürften? Was passiert dann?“ Auch die Haftpflichtversicherung laufe weiter, ebenso die Leasingverträge für Instrumente.

„Die Clubs werden die Läden sein, die erst als Letzte wieder öffnen dürfen. Schließlich ist das ein geschlossener, enger Raum mit vielen Leuten“, sagt Motown. Sie schätzt, dass sie und ihr Team lange brauchen werden, um sich finanziell zu erholen. „Die Gäste, die nicht gekommen sind, kann man ja nicht nachholen.“

Planungen sind kaum möglich „Gerade werden wir zugeschmissen mit Mails“, erzählt Missy Motown. Von Agenturen, die wissen wollten, wann ihre Musiker auftreten können. „Sie wollen einen Termin. Wir können aber nichts verlässlich zusagen. Wird denn 2021 alles wieder normal sein?“

„Stehen gemeinsam auf der Klippe“

Es sei für alle Beteiligten, für Clubs, Agenturen und Musiker, eine dramatische Situation. „Das Zahnrad ist komplett verhakt. Wir stehen gemeinsam auf der Klippe und wissen nicht, wie tief wir fallen werden.“

Trotz der Ungewissheit, wann und wie es weitergeht, wollen sie und ihre Mitstreiter kämpfen. „Wir als Clubfamilie bleiben motiviert.“ Ein Lichtblick seien ihre „grandiosen Gäste“: „Manche haben uns Geld in den Briefkasten geworfen, andere zur Aufmunterung Süßigkeiten.“ Und wie kann man den Clubs am besten helfen? Einmal, indem die Gäste Gutscheine kauften. „Und wir bauen gerade einen Onlineshop auf, in dem man Shirts und Jacken mit unserem Logo darauf kaufen kann.“ Im Shop soll es auch die Baseballjacke geben, die Missy Motown an diesem Tag trägt. Auf dem Rückenteil steht: „Willst du mit mir ins Bett?“

Selbständige Künstler leiden besonders unter der Corona-Krise in Frankfurt. „Bilderhaus“-Betreiberin Karin Beuslein spricht im Interview über Probleme für Bildender Künstler in der Corona-Krise in Frankfurt.

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