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Blick von oben auf die Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz.

Willy-Brandt-Platz

Zukunft der Städtischen Bühnen ist preiswerter zu haben

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Ein „Werkstattbericht“ zeigt, wie die Zukunft der Städtischen Bühnen billiger werden kann. Das Bauvolumen könnte um 30 Prozent sinken. 

Die Zukunft der Städtischen Bühnen in Frankfurt am Main kann mit geringeren Kosten gestaltet werden als bisher von der Kommunalpolitik befürchtet. Das machte der „Werkstattbericht“ deutlich, den Kulturdezernentin Ina Hartwig und der Leiter der Stabsstelle Bühnen, Michael Guntersdorf, im Gespräch mit Journalisten vorlegten.

Die Fachleute der Stabsstelle sowie von ihnen beauftragte Fachbüros hatten in den zurückliegenden Monaten untersucht, wie die Kosten für einen Ersatz der heutigen Theater-Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz reduziert werden können. Eine erste Machbarkeitsstudie vom Juni 2017 hatte von knapp 900 Millionen Euro für Sanierung oder Neubau gesprochen. Das hatte heftige Kritik und eine engagierte öffentliche Diskussion ausgelöst.

Die jetzt von Guntersdorf präsentierten Pläne gehen davon aus, dass die Werkstätten von Oper und Schauspiel sowie die Probebühnen in einem neuen Logistik-Zentrum abseits des Willy-Brandt-Platzes konzentriert werden. So könne das Bauvolumen am Brandt-Platz um 30 Prozent reduziert werden, sagte der Leiter der Stabsstelle. Er bezifferte die reinen Baukosten dort auf dann noch 480 bis 500 Millionen Euro.

Teile der Städtischen Bühnen können erhalten werden

Nach seinen Worten können „relevante Teile“ des heutigen Gebäudekomplexes erhalten werden. Das gelte insbesondere für die Bühnen von Oper und Schauspiel, für die Zuschauerräume und die Obermaschinerie der Oper, die erst vor wenigen Jahren aufwendig erneuert worden war, sagte die Kulturdezernentin. Diese Teile könne man gleichsam aus dem heutigen Bauwerk „herausschneiden“ und drumherum ein neues Gebäude gestalten.

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Guntersdorf plädierte insbesondere dafür, die Bodenplatte des heutigen Theaterbaus aus dem Jahr 1963 beizubehalten. Er warnte davor, eine tiefe Baugrube für einen völligen Neubau auszuheben. Nach den Untersuchungen der Fachleute würde dies „die Betriebssicherheit der U-Bahn gefährden“ und außerdem einen Konflikt mit der Standsicherheit der umgebenden Hochhäuser heraufbeschwören.

Die Untersuchungen der Fachleute haben weiter ergeben, dass „100 Prozent der technischgen Anlagen“ der Theater-Doppelanlage erneuert werden müssen. Auch das gläserne Foyer des Gebäudes am Willy-Brandt-Platz, das 1963 als Signal für die Offenheit des Hauses galt, könne nicht erhalten werden. Guntersdorf nannte es „abgängig“.

Die Kulturdezernentin versprach einen „verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern“. Die Stadträtin und Guntersdorf verteidigten auch einen Abriss der Werkstätten der Bühnen, die erst im Jahr 2010 für rund 60 Millionen Euro fertiggestellt worden waren. Wenn durch eine Auslagerung in ein Logistikzentrum mehr als 200 Millionen Euro gespart werden könnten, rechne sich dieser Abriss in jedem Fall.

Hartwig will auch Willy-Brandt-Platz neu gestalten lassen

Hartwig kündigte einen internationalen Architekturwettbewerb für die Neugestaltung der Bühnen an. „Dabei sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt“, sagte die Kulturdezernentin. Die Sozialdemokratin hatte erst in der vergangenen Woche die Elbphilharmonie in Hamburg besichtigt, und sie schwärmte von der dortigen öffentlichen Plaza („Großartig“). Auch das neue Frankfurter Theatergebäude soll tagsüber öffentlich begehbar sein.

In jedem Fall muss in den Augen der Kulturdezernentin im Zuge des Architektenwettbewerbes auch der Brandt-Platz neu gestaltet werden. Hartwig nannte ihn „den schönsten Platz der Stadt“.

Theoretisch noch immer möglich ist auch die Auslagerung der Oper in einen Neubau an einem anderen Standort. Diese Lösung hatte eine vom früheren Planungsdezernenten Martin Wentz (SPD) und anderen Prominenten gegründete Bürgerstiftung angeboten. Als mögliches Baugrundstück für ein solches Opernhaus war das städtische Grundstück am Frankfurter Osthafen, Mayfarthstraße 14, ins Auge gefasst worden, das heute von Raab Karcher gepachtet ist.

Guntersdorf erteilte einer solchen Lösung allerdings eine klare Absage. „Dieses Gelände spielt keine Rolle“, sagte er. Es gebe dort überhaupt „keine Planungssicherheit“, sagte der erfahrene Projektentwickler. Mit Raab Karcher als Erbpachtnehmer habe die Stadt „keine Gespräche geführt“.

Der Leiter der Stabsstelle ging kritisch mit dem vom Planungsbüro Wentz erstellten Entwurf für ein privates Opernhaus ins Gericht. „Die Städtischen Bühnen umfassen 1200 Arbeitsplätze – die sind im Konzept von Wentz nicht ansatzweise dargestellt.“

Die Stabsstelle Städtische Bühnen will ihren Abschlussbericht gegen Ende des Jahres vorlegen. Er wird eine ausformulierte Handlungsempfehlung umfassen. Über diese muss dann die Römer-Koalition von CDU, Sozialdemokraten und Grünen politisch entscheiden.

Die Kulturdezernentin hob die gute Zusammenarbeit der Koalition im Lenkungskreis der Stabsstelle hervor. Ihm gehören neben Hartwig Bürgermeister Uwe Becker (CDU), Baudezernent Jan Schneider (CDU), Planungsdezernent Mike Josef (SPD) und Personaldezernent Stefan Majer (Grüne) an.

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