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Hallo Biber! Europäische Feuchtgebiete haben auch ihren Platz im Zoo der Zukunft.

„Zookunft 2030+“

Artgerechte Haltung: So könnte der Frankfurter Zoo im Jahr 2030 aussehen

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Der Tiergarten soll artgerechter werden und für den Naturschutz werben. Doch bis der Masterplan steht, vergeht noch mindestens ein Jahr. 

Frankfurt - Luftige Hallen und große zusammenhängende Territorien mit vergesellschafteten Tierarten: Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) und Zoodirektor Miguel Casares haben am Montag das Konzept „Zookunft 2030+“ erläutert, das den Zoologischen Garten auf eine höhere Ebene heben soll. In 15 Jahren wird er demnach ein anderes Gesicht haben. Der entsprechende Masterplan soll in einem Jahr vorliegen.

Wo das Problem des Frankfurter Zoos liegt, macht Casares mit einem einzigen Satz klar: „Wenn Professor Grzimek zu uns käme, würde er sich fühlen wie zu Hause.“ Nicht, weil es so gemütlich wäre – nein, zwei Drittel des Zoos seien noch genau wie zu Grzimeks Zeiten, erklärt der Nach-nach-Nachfolger. Das will etwas heißen. Bernhard Grzimek hatte den Zoo nach dem Zweiten Weltkrieg buchstäblich aus dem Schutt des zertrümmerten Frankfurt wiederaufgebaut. Und das Flusspferd- und Nashornhaus ist fast 150 Jahre alt.

Zoo Frankfurt: Mehr Platz für Flusspferd und Rhinozeros – Tiere nur noch exzellent zeigen

Die Dickhäuter könnten in Zukunft deutlich mehr Freiheiten haben, wenn alles so kommt, wie es sich Zoo, Zoologische Gesellschaft Frankfurt und das Planungsbüro The Logical Zoo ausgedacht haben. Auf den Skizzen lustwandeln Flusspferd und Rhinozeros unter Bäumen, erstere sind auch unter Wasser zu sehen, denn: „Da sehen sie aus wie Balletttänzerinnen“, schwärmt Casares. Er hat es in Spanien erlebt, dort gibt es bereits solche Anlagen. „Bei uns in Frankfurt sehen Sie nur von oben einen braunen Fleck im Wasser – das ist das Flusspferd. Es hat aber nur Sinn, wenn wir dieses Tier sehen, wie es sich im Wasser bewegt.“

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Der Zoodirektor will nur noch die Tiere zeigen, „die wir exzellent zeigen können“. Einen Elefanten wird es daher auch künftig nur im Modell geben – für echte fehlt der Platz. Andere, etwa Okapis, Zebras, Giraffen, sollen Platz genug finden im drei Hektar großen Afrika-Areal im Südwesten des Zoos inklusive einer 10.200-Quadratmeter-Halle, Wäldern des Kongo und Savannenlandschaft. Südamerikas Regenwald und Europas Sumpfgebiete finden dann im Nordwesten statt auf etwa zwei Hektar samt 6725 Quadratmetern Amazonas-Halle mit Aquarium. Straußenvögel rennen herum, Vögel fliegen in einem abgeteilten Areal.

Arten- und Naturschutz wichtigste Aufgabe eines modernen Zoos

Und die Besucher? Sie sollen künftig zwei Spielplätze bekommen und in zwei Zoo-Restaurants Stärkung finden, die jeweils auch Zugänge von außen haben –eines davon im bisherigen Nashornhaus*. Ob das nicht unter Denkmalschutz stehe, wird Casares während der Präsentation gefragt. Nun, die alte Bärenanlage des Zoos habe auch unter Denkmalschutz gestanden, sagt er. „Und sie wurde abgerissen.“

„Da müssen wir in einen konstruktiven Dialog treten“, schaltet sich Stadträtin Hartwig ein, die für Tiere und Denkmäler gleichermaßen Verantwortung trägt. Gemeinsam tragen alle Verantwortung nicht nur für die Zukunft des Zoos, auch des Planeten – darauf richten Dezernentin und Direktor ihr Hauptaugenmerk. Als Botschafter des Naturschutzes sehen sie den Tierpark, als einen Ort, der die „Faszination Wildtier“ vermittelt, der aber vor allem motiviert, sich für den Erhalt der biologischen Vielfalt stark zu machen: Arten- und Naturschutz seien die wichtigste Aufgabe des modernen Zoos. In diesem Sinne werde er sich „substanziell verändern“, betont Hartwig. Und zwar an Ort und Stelle. Auch wenn er hier nicht mehr wachsen kann: „Unser Zoo gehört in die Stadt“, dort habe er seine Funktion auch als grüne Lunge und seinen Erholungswert.

Apropos Umwelt: Wie sollen die großen Hallen geheizt werden? So klimafreundlich wie möglich, sagt Casares, auf jeden Fall klimafreundlicher als die alten Gebäude aus Kaisers Zeiten. Und was kostet das Ganze? Dazu gibt es weiterhin keine Angaben. Immerhin, für die Arbeit am Masterplan, den die Politik am Ende beschließen muss, ist schon Geld veranschlagt: insgesamt 700 000 Euro – für die Jahre 2020 und 2021.

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