Kein Trinkwasser.

Dom in Frankfurt

Weihwasser zum Waschen und Trinken verwendet - Frankfurter Dom hängt Anleitung auf

Immer wieder haben Besucher das Weihwasser in der Vorhalle des Frankfurter Doms getrunken oder zum Waschen benutzt. Das soll sich jetzt ändern.

Zwei wassergefüllte goldene Schalen stehen in der Vorhalle des Frankfurter Doms. Gelegentlich tauchen Vorbeigehende ihre Hand hinein und bekreuzigen sich – ein uraltes Ritual in der katholischen, anglikanischen und orthodoxen Kirche. Die Berührung mit dem durch einen Priester geweihten Wasser soll an die Taufe und damit an den Eintritt in die Glaubensgemeinschaft gemahnen.

Dies ist aber nicht jedem Besucher des St. Bartholomäus Doms geläufig. So hängt neuerdings bei den Weihwasserbecken ein auffallendes nüchternes Schild, das sich abhebt vom alten Gemäuer. „Weihwasser zum Bekreuzigen: nicht zum Trinken oder Waschen“, ist darauf zu lesen in Deutsch, Englisch und Mandarin.

Frankfurter Dom: Touristen und Obdachlose haben Weihwasser zweckentfremdet

Touristen und Obdachlose haben aus den Schalen getrunken oder diese mit nach draußen genommen um dort den Durst ihrer Hunde zu stillen, wie ein Mitarbeiter des angrenzenden Dommuseums berichtet. Andere hätten sich Hände, Gesicht und zuletzt sogar die Haare mit dem geweihten Wasser gewaschen und so den Hinweis nötig gemacht.

Stadtdekan Johannes zu Eltz ist sicher, dass dieses Verhalten nicht durch Missachtung, sondern durch schlichte Unkenntnis zu erklären ist. Viele Besucher kämen aus Ländern, in denen das Christentum keine gelebte Praxis und der Religion zugehörige Bräuche bisweilen sogar verboten seien.

Wasser spielt auch in anderen Religionen eine wichtige Rolle. Im Islam und Hinduismus beispielsweise dienen rituelle Waschungen der inneren und äußeren Reinigung. Für Hindus gilt Wasser zudem als heilend und Mittel für Jugend und Schönheit. Moslems sind angehalten auf ihrer Pilgerreise aus heiligen Quellen zu trinken.

Weihwasser trinken ist riskant, wegen der Keime

Vom Trinken von Weihwasser, wie beispielsweise im Film „Life of Pi“, ist allerdings dringend abzuraten, wegen der Keime, die sich trotz regelmäßiger Kontrollen im Becken sammeln. Bedürftige bekommen auf Nachfrage im Dom aber Trinkwasser und Gelegenheit sich zu Waschen, wie der Stadtdekan versichert.

Johannes zu Eltz sieht die Sache gelassen. Er freue sich über das Interesse auch derjenigen, die nicht mit den Details liturgischer Abläufe vertraut sind, und über die Gelegenheit darüber aufzuklären, sagt er. Das Weihwasser diene der geistigen Erfrischung und erfülle somit seinen Zweck in jedem Fall.

Von Paula Doenecke

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