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Reinhard Bütikofer (zu dünn angezogen) und Mirjam Schmidt erklären die Politik der Grünen.

Europawahl

Frankfurt: Wo Wahlkampf wehtut

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Das Grünen-Urgestein Reinhard Bütikofer wirbt in der Kälte um Stimmen.

Reinhard Bütikofer friert. Das Thermometer in der Frankfurter Innenstadt zeigt erbärmliche elf Grad im Schatten an, und Schatten gibt es in der Biebergasse mehr als genug. Dazu pfeift ein eisiger Wind durch die Straße. Immerhin drehen sich die Windräder, mit denen die Grünen um Stimmen werben, dadurch ziemlich eindrucksvoll. So funktioniert eben Straßenwahlkampf, den die Grünen seit der Landtagswahl intensiver betreiben denn je.

Die Zeiten, in denen vor einer Wahl ein Grüner 150 anderen Grünen in einem Bürgerhaus die Welt erklärte, müssten vorbei sein, hatte die Partei im vorigen Sommer erklärt. Die SPD hatte unlängst so eine ähnliche Veranstaltung mit ihrer Europa-Spitzenkandidatin Katarina Barley. Die Grünen hingegen sagen, sie wollten raus auf die Straße, wollten Leute ansprechen. Hat bei der Landtagswahl bekanntlich ganz gut geklappt. Und so ist es am Montag Reinhard Bütikofer, Europa-Parlamentarier, Bewerber auf Listenplatz 4 der Grünen, von 2002 bis 2008 Bundesvorsitzender der Partei, der in der Biebergasse Wahlwerbung macht.

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Das Problem mit Straßenwahlkampf ist aber: Straßen können auch ganz schön leer sein. Zumindest am Montagnachmittag, wenn das Wetter sich nach November und nicht nach Mai anfühlt.

Katarina Barley mag bei ihrem Auftritt im Kunstverein Familie Montez vor Menschen gesprochen haben, die bereits Sozialdemokraten sind oder zumindest immer SPD wählen. Aber der Saal war voll. Bütikofer, der eine etwas euphemistisch „Speakers Corner“ genannte Bürgerfragestunde anbietet, muss sich sein Publikum mühsam suchen. Mirjam Schmidt, die emsige Landtagsabgeordnete der Grünen, die im Straßenwahlkampf erprobt ist, hilft dem 66-Jährigen dabei.

Reinhard Bütikofer hüpft von einem Bein aufs andere. Das mag an der Kälte liegen, vielleicht aber auch an den bohrenden Fragen der beiden Erstwähler, die sich nach einer EU-Erweiterung erkundigen und nach der Türkei und Russland (!) fragen. Das sei doch nicht ausgeschlossen, oder? Nein, antwortet Bütikofer, ausgeschlossen sei die Aufnahme dieser Staaten nicht, weil sie eben zumindest zum Teil in Europa liegen: „Anders als Marokko oder Israel.“ Es gebe darüber derzeit nur keinerlei Verhandlungen. Später wird Bütikofer im Gespräch mit der FR sagen, die Idee, die Türkei in die EU aufzunehmen, liege „im hintersten Fach des Eisschranks“.

Ansonsten spricht Bütikofer routiniert über Flüchtlingspolitik und fordert die finanzielle Unterstützung von Kommunen, die Geflüchtete aufnehmen. Er beklagt, dass die Bundesregierung oft eine „Germany first“-Politik statt einer europäischen Politik mache. Und er kündigt für die Wahl am 26. Mai ein „sehr schönes Ergebnis“ für die Grünen an. Vermutlich ist es dann auch wärmer.

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