Protest mit abenteuerlichen Thesen

Verschwörungstheorien zur Corona-Krise - Gegen „Zwangsimpfung“ vor der Paulskirche

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Eine Gruppe protestiert mit Mythen und Verschwörungstheorien vor der Paulskirche gegen die Einschränkungen in der Coronavirus-Pandemie.

Frankfurt - Die Ordnerin trägt eine gelbe Warnweste und eine Kappe aus Alufolie auf dem Kopf. Nach der Corona-Krise drohe eine neue Weltordnung, sagt sie, nichts werde sein wie zuvor. Und wer sich abseits der etablierten Medien darüber informiere, werde als Verschwörungstheoretiker belächelt, als „Aluhut“. Deshalb trage sie ihre Kappe mit Stolz. „Ich bin lieber Aluhutträger als Schlafschaf.“

Frankfurt: Demo gegen Beschränkung in der Corona-Krise - inklusive Verschwörungstheorien 

Rund 50 Menschen haben sich am Samstagnachmittag auf dem Paulsplatz versammelt. Die Gruppe „Beweg was“, die sich über das Internet organisiert, hat zum zweiten Mal zu einer Kundgebung in Frankfurt aufgerufen, diesmal unter dem Motto „für unsere Grundrechte“. Die Versammlung ist bunt gemischt: Einige junge Leute sitzen meditierend auf dem Boden, ältere Teilnehmer in Windjacken haben Campingstühle dabei. Eine Frau trägt ein Schild mit dem Slogan „Wir wollen keine Zwangsimpfung“, ein Mann eine große DDR-Fahne, auf der er „2.0“ ergänzt hat. Alle Teilnehmer tragen Masken und halten Abstand voneinander.

Man wolle friedlich gegen die Einschränkungen in der Corona-Krise protestieren und stehe politisch eher links, sagt der Anmelder der Kundgebung zu Beginn. Ähnliche Proteste gibt es derzeit in vielen deutschen Städten. Sie alle eint das Unbehagen mit den Einschränkungen des öffentlichen Lebens, inhaltlich sind sie oft diffus – teils mit einem Hang zu Verschwörungstheorien.

Coronavirus als Vorwand für den Bürgerkrieg? Verschwörungstheorien bei Demo in Frankfurt 

Auch der erste Redner macht klar, dass das Coronavirus für ihn nur ein Vorwand sei. In Wahrheit laufe ein „Bürgerkrieg der Superreichen gegen die restlichen 99 Prozent“, sagt er, man habe es mit dem „tiefen Staat“ zu tun. Bundeskanzlerin Angela Merkel handele nur noch als „Pharmavertreterin“ und man müsse befürchten, bald zwangsweise geimpft zu werden. Von der Krise profitierten die großen Investmentgesellschaften, die wohl auch zum Teil hinter den aktuellen politischen Entscheidungen steckten.

Den Versammelten gefällt die Rede, sie applaudieren reichlich. Knapp 20 linke Gegendemonstranten, die eine Antifa-Fahne und ein Banner mit der Aufschrift „Verpisst euch“ mitgebracht haben, schimpfen und buhen. Sie halten die Anhänger von „Beweg was“ ganz offensichtlich für wirre, rechte Spinner.

Verschwörungstheorien und Protest vor Paulskirche in Frankfurt  

Später setzt Regen ein und die Versammelten spannen Regenschirme auf. Kurz taucht auch der Youtuber Henryk Stöckl auf, der bereits auf Demonstrationen der rechtsextremen „Identitären Bewegung“* gefilmt und seit April mehrfach vor der Alten Oper im Zusammenhang mit Corona protestiert hat. Nach knapp zwei Stunden endet die Kundgebung. „Beweg was“ will in der nächsten Woche wiederkommen. Die Gegendemonstranten wirken so, als seien sie dann auch wieder mit von der Partie.

Von Hanning Voigts

Kritiker der Corona-Beschränkungen wollen am Samstag wieder in der Frankfurter City demonstrieren. Linke und zivilgesellschaftliche Gruppen wollen sich ihnen entgegenstellen und warnen vor Verschwörungsdenken.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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