Ursel Heudorf

Fast 30 Jahre für die Gesundheit der Frankfurter aktiv

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Ursel Heudorf hat im Gesundheitsamt fast 30 Jahre über die Hygiene in Kliniken, Bädern und Umwelt sowie über Umweltschadstoffe gewacht.

Der Countdown läuft: Der 31. Januar ist Ursel Heudorfs letzter Tag als stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamts Frankfurt. Wer ihr folgt, ist noch offen. „Ich freue mich schon“, sagt die 65-Jährige, die sich unter anderem als Expertin für multiresistente Erreger (MRE) einen Namen gemacht hat, im Volksmund Krankenhauskeime genannt. „Endlich mehr Zeit.“ Mehr Zeit für all das, was zu kurz gekommen ist. Fürs Lesen etwa; fürs Klavierspielen, für noch mehr Opernbesuche und fürs Ganz-häufig-an-der-frischen-Luft-sein. „Ich bin ein Outdoortyp.“

Die Kinderärztin liebt den Aufenthalt in der Natur. Auch deshalb ist sie vor sechs Jahren von Frankfurt-Sachsenhausen nach Butzbach-Hausen gezogen, wo sie mit Mann und der 25-jährigen Tochter ein Haus mit großem Garten am Waldrand bewohnt. Ein Heim mitten im Grünen und doch nicht am Ende der Welt: „In 40 Minuten bin ich mit dem Auto in Frankfurt.“ Die Wege im Rhein-Main-Gebiet sind kurz.

Völlig zurückziehen aus dem Geschäft wird sich die umtriebige Frau nicht, die vor dem Medizin Ökotrophologie studierte, Fachärztin für Allergologie, Umweltmedizin und öffentliches Gesundheitswesen ist. Das würde auch nicht passen zu ihrem kommunikativen und temperamentvollen Wesen. Heudorf wird auch künftig an der Frankfurter Universität Vorlesungen über öffentliches Gesundheitswesen halten.

Eine wichtige Aufgabe. Hessens Gesundheitsämter suchen händeringend nach Nachwuchs – auch weil die Bezahlung seit einigen Jahren spürbar schlechter ist als die der Klinikärzte. „Das muss sich dringend ändern“, sinniert die 65-Jährige. Auch Vorträge wird sie weiter halten, und im MRE-Netz Rhein-Main würde sie gerne weiter mitarbeiten. „Sofern der Verein das will.“

Das Netz war das erste in Hessen. Mit Fördermitteln des Bundes ist es Heudorf und ihren Mitstreitern gelungen, eine Infrastruktur zu schaffen, die Bürger über die Gefahren informiert und den Austausch der betroffenen Institutionen moderiert: Praktiker aus Altenpflegeheimen, Kliniken, Rettungsdiensten, Arztpraxen suchen gemeinsam nach Lösungen für ein Problem, das brennt: „An multiresistenten Keimen sterben jedes Jahr Menschen“, sagt Heudorf. Die Keime seien überall – auch in Bächen und Oberflächengewässern, wie eine vom Gesundheitsamt veranlasste Untersuchung 2017 gezeigt hatte. „Wir haben sie in der Natur.“ Deshalb sei es so wichtig, den Konsum von Antibiotika bei Mensch wie Tier weiter zurückzufahren.

Mit Aufklärungskampagnen hat das Netz versucht, die Bevölkerung zu sensibilisieren. Es gibt erste Erfolge: „Die meisten Leute wissen, dass Antibiotika keine Drops sind.“ Doch zufrieden ist die Ärztin bei weitem noch nicht. Bei den Kollegen habe sich zwar schon viel getan. „Aber die Ärzte könnten noch mutiger sein.“

Öffentlicher Gesundheitsdienst heißt oft, dicke Bretter zu bohren. Nicht alle Einwände werden von der Politik gehört. Das war eine der ersten Lektionen, die Heudorf lernte, als sie 1990 als frischgebackene Fachärztin vom Klinikum in das Sachgebiet Umweltschutz im Gesundheitsamt wechselte. „Ich dachte, dass ich den Bau einer Straße verhindern kann.“

Heute weiß sie, dass das Argument Schadstoffe allein nicht zieht. „Ich war da ein bisschen naiv.“ Aktuell sei mehr Sensibilität für das Thema Luftverschmutzung zu spüren, aus medizinischer Sicht begrüßt sie das. Doch die Debatte müsse differenziert geführt werden. „Alle Dieselautos verschrotten ist auch nicht die Lösung.“ Und die wissenschaftliche Datenlage sei zu dünn, um bei den Stickstoffoxiden Grenzwerte einzuführen. „Beim Feinstaub sind sie viel besser.“

Die Vielfalt der Themen und Akteure, die Chance, von anderen zu lernen - etwa den Wissenschaftlern, die die Lärmwirkungsstudie Norah erstellt hatten. Auch die Möglichkeit, die Bevölkerung vor Krankheit zu bewahren – das schätzt die 65-Jährige an ihrem Beruf. In der Arztpraxis behandele man den einzelnen Menschen. „Wir machen Bevölkerungsmedizin.“ Sauberes Trinkwasser, Hygiene in Schwimmbädern, Krankenhäusern, Arztpraxen, Flüchtlingsheimen oder Kindertagesstätten. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt des Tätigkeitsfelds ihres Teams. Und auch hier hat sich ein Netzwerk herauskristallisiert, der „Hygiene-Aschermittwoch“. Alle für Hygiene an den Frankfurter Krankenhäusern zuständige Kollegen kommen einmal im Jahr zum Austausch zusammen. Und zwar am Aschermittwoch.

Wissen austauschen, offen miteinander reden, gemeinsam nach Lösungen suchen – das gefällt der Kinderärztin, die demnächst häufiger mit dem Fahrrad durch die Wetterauer Landschaft strampeln wird. Eine Publikation plant sie noch: Darin geht es darum, dass die Meldepflicht beim Norovirus nicht mehr nötig ist. Die viele Arbeit könne man besser in die MRE-Prävention stecken. Ein Noro-Ausbruch sei inzwischen schnell unter Kontrolle. „Die Einrichtungen wissen inzwischen, wie man damit umgeht.“

Auf was sich die 65-Jährige so richtig freut: auf den Sommer, Nicht nur, weil sie dann im Garten buddeln kann. Sondern auch, weil dann ein besonderes Ereignis ansteht: ein Opernabend in Verona. „Die Karten haben wir schon.“

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