Ein Streit um ein offenes Fenster in der U-Bahn eskaliert.
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Ein Streit um ein offenes Fenster in der U-Bahn in Frankfurt eskaliert.

Amtsgericht Frankfurt

Zoff um Fenster in der U-Bahn in Frankfurt eskaliert - Angeklagter sprüht mit Pfefferspray um sich

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Das Amtsgericht Frankfurt verhandelt einen Fall, bei der der Angeklagte zunächst Mitfahrende filmte und anschließend ein Pfefferspray zückte. Der Täter fühlt sich missverstanden.

  • In der U1 in Frankfurt kommt es zu einer Auseinandersetzung wegen eines Fensters
  • Der Streit eskaliert und eine unbeteiligte Person wird mit einem Pfefferspray verletzt
  • Das Amtsgericht Frankfurt verhandelt den Fall

Frankfurt - Marino M.-L. steht wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht.

Am 11. Oktober 2019 fährt er nachmittags mit der U1 gen Ginnheim. Wegen eines offenen Fensters kommt es zum Streit mit einer laut Anklage „älteren Dame“ – nennen wir sie Frau Dr. K., denn ihre Personalien sind nie aufgenommen worden. Im Lauf des Streits zückt M.-L. sein Handy und filmt Frau Dr. K. Der mitfahrende Valdet G. fordert ihn auf, das zu unterlassen, weil die Dame dies nicht wünsche. Jetzt streitet M.-L. mit G., zückt schließlich Pfefferspray und besprüht G. Der dreht sich weg und schließt die Augen, dafür erwischt das Spray die Schülerin Nora V., die ohnehin unter Asthma leidet und seit dem Vorfall nicht mehr U-Bahn fährt.

Frankfurt: Dem Angeklagten passte ein geöffnetes Fenster in der U-Bahn nicht

Marino M.-L. ist 53 Jahre alt, passionierter Rechthaber und erzählt die Geschichte detaillierter, nämlich so: Er fährt U-Bahn. Frau Dr. K. öffnet das Fenster. Ihm zieht’s. Er macht es zu. Sie macht es wieder auf. Er wieder zu. Sie auf. Er zu. Auf. Zu.

Das Fenster bleibt zu, aber „dann knufft sie mich mit dem Ellenbogen in die Seite“, erinnert sich M.-L. schaudernd. Er knufft nicht zurück. Sie knufft. Er nicht. Sie knufft. M.-L. zückt sein Handy, um die Knufferei für die Nachwelt oder das Amtsgericht festzuhalten. Sein Sitznachbar Valdet G. fordert ihn auf, das zu unterlassen. Jetzt filmt M.-L. Valdet G., dem auch das nicht recht ist.

U-Bahn in Frankfurt: Handyvideo beweist nichts

Was nun folgt, ist auf M.-L.s Handy zumindest phonetisch festgehalten, denn das Video beweist gar nichts – M.-L. ist Rechthaber, kein Regisseur. „Steck’ das Handy weg, oder ich schieb’ es dir in den Arsch!“, sagt G. „Oh ja, machen Sie das bitte!“, freut sich Frau Dr. K. „Ich ziehe jetzt die Notbremse! Ich ziehe jetzt gleich die Notbremse“, droht M.-L., zieht dann aber das Pfefferspray. Der Rest ist Zischen. (Bei einem anderen Streit in der U-Bahn Frankfurt greift ein Mann ein und wird mit einem Messer verletzt.*)

Vor Gericht beruft sich der ohne Verteidiger erschienene M.-L. auf Notwehr. Valdet G. habe ihn angreifen wollen. Und sich zuvor „provokativ neben mich gesetzt“. Und Frau Dr. K. habe ihn geknufft. „Das macht man doch nicht!“

Angeklagter fühlt sich nach Streit in U-Bahn Frankfurt missverstanden

Der 19 Jahre alte Valdet G. bereut vor Gericht seine damalige Wortwahl: „Mein Fehler, die Ausdrucksweise.“ Aber Frau Dr. K. habe ihn an seine Oma erinnert, die auch keiner gegen ihren Willen filmen dürfe. Und geknufft habe sie seines Wissens auch nicht. Frau Dr. K. hatte kurz nach der Tat der gerufenen Polizei gesagt, dass Valdet G. ihr „Held“ sei, bevor sie personalienlos entschwand. Auch die 14 Jahre alte Nora V. kann sich im Zeugenstand an keinerlei Knufferei seitens der „alten Oma“ erinnern.

„Ich verstehe nicht, warum all die Leute gegen mich ausgesagt haben“, beschwert sich Marino M.-L. Das Amtsgericht verurteilt ihn zu 70 Tagessätzen à zehn Euro. Das versteht M.-L. auch nicht, schließlich sei er das Opfer, und bei der Afterspray-Rangelei mit V. habe nicht nur er, sondern auch seine Lederjacke ein paar Schrammen abbekommen. Er kündigt an, in der nächsten Instanz Gerechtigkeit zu suchen, dann mit Rechtsanwalt, ist aber jetzt schon skeptisch, ob er sie auch finden wird. „Immer sind alle gegen mich. Das geht jetzt schon seit Jahrzehnten so. Ich kann mir überhaupt nicht erklären, warum das so ist.“

Zu einem anderen Vorfall an einer U-Bahn-Haltestelle in Frankfurt* kam es, als ein Bekannter einen Rollstuhlfahrer ins Gleisbett geschoben hat. Am Amtsgericht Frankfurt muss sich auch Diana W. wegen Widerstands gegen Polizeibeamte verantworten. Sie selbst sieht sich als Opfer von Polizeigewalt.

Einen anderen Fall verhandelt das Amtsgericht Frankfurt, bei dem ein Pilot ein Kunstwerk aus einem kubanischen Hotel gestohlen hat. Nach einer nächtlichen Beobachtung in Frankfurt-Bockenheim alarmieren Zeugen die Polizei. Sie berichten von einem unbekannten Mann, der eine scheinbar bewusstlose Frau wegträgt.

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